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Winterwetter Eisig im Norden: Glatte Straßen, viele Unfälle, keine Schule

Blitzeis sorgt vielerorts für Probleme: Der Schulbetrieb fällt teils aus, auf den Straßen kracht es häufig, Bahnen verspäten sich. Zu all dem kommt auch noch ein Warnstreik.

Von dpa Aktualisiert: 04.02.2026, 14:07
Auf den glatten Straßen kam es zu zahlreichen Unfällen.
Auf den glatten Straßen kam es zu zahlreichen Unfällen. -/NWM/dpa

Hannover/Bremen - Spiegelglatte Straßen haben in Niedersachsen und Bremen vielerorts für Probleme im Straßen- und im Bahnverkehr gesorgt. Seit den frühen Morgenstunden kam es zu zahlreichen Unfällen - vor allem die Mitte und die Westhälfte Niedersachsens war betroffen. In mehreren Landkreisen und kreisfreien Städten fiel der Präsenzunterricht an den Schulen aus. 

Etwa in der Region und Stadt Hannover, im Raum Oldenburg und Osnabrück sowie in Wilhelmshaven durften Schülerinnen und Schüler zu Hause bleiben. In Bremen und Bremerhaven stellten die Schulen auf Distanzunterricht um, wie die Bildungsbehörde mitteilte. Auch der Hausmüll konnte mancherorts wegen Glätte nicht abgefahren werden – etwa in Osnabrück und im Landkreis Leer. „Der Einsatz ist auf den glatten Straßen zu gefährlich für die Lader“, hieß es. 

Bis zum Mittag hob der Deutsche Wetterdienst (DWD) entsprechende Unwetterwarnungen vor gefährlichem Glatteis wieder auf, da der gefrierende Regen nachließ. Vorüber ist das Winterwetter aber noch nicht. In der Nacht zum Donnerstag erwarten Meteorologen in der Osthälfte Niedersachsens neu aufziehenden Schneefall, der dort wieder für Glätte sorgen soll. Tagsüber sollen die Temperaturen meist im Dauerfrost-Bereich verharren.

Vorsicht auf den Straßen: Viele Unfälle wegen Glätte

Im morgendlichen Berufsverkehr wurde das Blitzeis mehreren Auto- und Lastwagenfahrern zum Verhängnis. Die Polizeidirektion Osnabrück registrierte in ihrem Einsatzbereich vom Teutoburger Wald bis nach Ostfriesland 110 Unfälle wegen glatter Straßen – vor allem in der Region Osnabrück, im Emsland und in der Grafschaft Bentheim krachte es häufig.

Meist blieb es laut den Polizeiinspektionen bei Blechschäden – es gab aber auch Verletze. Auf der Autobahn 31 im Landkreis Leer wurde ein 63 Jahre alter Autofahrer bei einem Zusammenstoß mit dem Wagen eines 21-Jährigen lebensgefährlich verletzt. Der 21-Jährige hatte laut den Beamten zuvor auf der winterglatten Fahrbahn die Kontrolle über sein Auto verloren. 

In der Gemeinde Badbergen (Landkreis Osnabrück) kam ein tonnenschwerer Sattelzug auf der spiegelglatten Bundesstraße 214 ins Rutschen. Nach Angaben der Polizei drehte sich der Sattelzug auf der glatten Straße um 180 Grad, geriet nach rechts von der Fahrbahn ab und prallte dann gegen zwei Bäume. Der Laster blieb in dem Graben liegen und musste aufwendig geborgen werden. Der Fahrer blieb unverletzt. 

Autobahnen waren zeitweise dicht

Auf der Autobahn 1 zwischen Osnabrück und Bremen kam es seit dem frühen Morgen zu mindestens zehn größeren Unfällen wegen Eisregen, wie die Autobahnpolizei mitteilte. Sattelzüge und Gliederzüge gerieten auf der eisglatten Fahrbahn ins Schleudern, drehten sich oder kamen von der Straße ab und kollidierten mit Schutzplanken. Glücklicherweise sei dabei niemand schwer verletzt worden.

Die Autobahn 27 wurde nach dem Unfall eines Transporters vorübergehend voll gesperrt. Nach ersten Informationen einer Polizeisprecherin geriet das Fahrzeug mit zwei Insassen ins Schleudern. Es landete neben der Fahrbahn und blieb auf der Seite liegen. Rettungskräfte untersuchten die beiden Insassen. Ersten Erkenntnissen zufolge erlitten sie höchstens leichte Verletzungen. 

Warnstreik trifft Winterdienst

Die Polizei appellierte an Autofahrer, langsam zu fahren und großen Abstand zu anderen Fahrzeugen zu halten – auch weil da viele Bundes- und Landesstraßen wegen eines Warnstreiks bei den Straßenmeistereien nur eingeschränkt geräumt sind. Der Warnstreik dauert noch bis Donnerstag. 

Größere Probleme gab es beim Winterdienst laut der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr und der Gewerkschaft Verdi nicht. Beide verwiesen auf eine Notdienstvereinbarung zwischen Behörde und Gewerkschaft, nach der der Winterdienst von Fremdfirmen übernommen wird, die nicht von dem Warnstreik betroffen sind. „Das läuft gut, die Straßen sind auch recht gut geräumt“, sagte ein Verdi-Sprecher. Die Landesstraßenbehörde wies aber darauf hin, dass trotzdem mit Einschränkungen auf den Straßen zu rechnen sei. 

Winterwetter bremst Busse und Bahnen aus

Nicht nur auf den Straßen, sondern auch auf der Schiene und auf den Wasserstraßen sorgte das Winterwetter für Probleme. 

Im Fernverkehr der Deutschen Bahn fielen seit dem Vormittag wegen einer wetterbedingten Weichenstörung mehrere ICE-Verbindungen komplett oder streckenweise aus und es kam zu Verspätungen. Betroffen waren etwa die ICE-Sprinter-Linie Berlin-Hannover-Bonn sowie ICE-Linien von Berlin über Wolfsburg und Braunschweig Richtung Süden. Auch die ICE-Linie Berlin- Hannover-Oldenburg fiel auf dem Abschnitt zwischen Berlin und Hannover aus. 

Wer mit Bus oder Regionalbahn innerhalb Niedersachsens unterwegs war, brauchte wegen des Winterwetters ebenfalls Geduld. So müssen etwa Fahrgäste im Raum Hannover, Osnabrück, Göttingen und Wilhelmshaven mit Verzögerungen oder Ausfällen im Linienverkehr rechnen, wie die Busunternehmen mitteilten. Die Verkehrsgesellschaft Landkreis Nienburg (VLN) stellte den Busverkehr wegen akuter Straßenglätte am Morgen komplett ein.

Mehrere Regionalzüge betroffen

Auch das Bahnunternehmen Erixx berichtete von Ausfällen. Die RB32 zwischen Lüneburg und Dannenberg-Ost fuhr am Vormittag nicht, stattdessen fuhren Busse. Ebenso ging auf der Strecke zwischen Hannover und Bad Harzburg zeitweise nichts mehr. 

Das Bahnunternehmen Metronom warnte ebenfalls vor Einschränkungen. Die Bahnen zwischen Bremen und Hamburg sowie zwischen Hamburg und Uelzen haben bis zu 90 Minuten Verspätung, wie das Unternehmen mitteilte. „Einzelne Züge müssen entfallen oder fahren nur auf verkürzten Streckenabschnitten, um die hohen Verspätungen abzubauen.“ Vor der Fahrt sollten sich Pendlerinnen und Pendler online über mögliche Einschränkungen oder Ausfälle informieren.

Was Experten bei der Glätte raten

Der Wetterdienst rät, möglichst zu Hause zu bleiben. Wer heute trotzdem mit dem Auto unterwegs sein muss, sollte besonders vorsichtig fahren, möglichst volltanken sowie Decken und warme Getränke mitnehmen. 

Fußgänger können sich ein Beispiel an Pinguinen nehmen und kleine, langsame Schritte machen, wie die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie empfiehlt. Gut sei, den Fuß dabei möglichst flach aufzusetzen statt ihn abzurollen.