1. Startseite
  2. >
  3. Panorama
  4. >
  5. Motivation: Erste Verkehrskontrolle: Warum will man zur Polizei?

Motivation Erste Verkehrskontrolle: Warum will man zur Polizei?

Bei ihrer ersten Verkehrskontrolle erzählen angehende Kommissarinnen und Kommissare, was sie antreibt, welche Ängste sie haben – und warum persönliche Schicksale ihre Berufswahl prägen.

Von dpa 23.02.2026, 17:43
Junge Polizisten in der Ausbildung: Selbstsicheres und souveränes Auftreten ist wichtig.
Junge Polizisten in der Ausbildung: Selbstsicheres und souveränes Auftreten ist wichtig. Jens Kalaene/dpa

Berlin - Junge Nachwuchspolizistinnen und -Polizisten in Berlin reizen die vielfältigen Herausforderungen und Aufgaben an ihrem zukünftigen Beruf. „Es gibt einen abwechslungsreichen Alltag, man kommt mit vielen Leuten in Kontakt, lernt viel“, erklärte eine angehende Polizeikommissarin ihre Berufswahl bei einer umfangreichen Verkehrskontrolle der Polizei, die zugleich eine Ausbildungsveranstaltung ist. 

Etwa 30 Polizeianwärterinnen und -anwärter führten am Montagvormittag im Berliner Stadtteil Tiergarten Verkehrskontrollen durch. Diese sind Teil ihres theoretisch-praktischen Studiums an der Polizeiakademie. Sie wollen im gehobenen Dienst der Polizei arbeiten, zum Beispiel als Schutzpolizistin, auf Streife oder bei der Kriminalpolizei. Bei den Kontrollen waren Beamte an ihrer Seite, auch Drogenspürhunden und Kräfte der Begleitschutz- und Verkehrshundertschaft waren dabei. 

Nichts persönlich nehmen 

Als Frau, die dazu noch eher klein sei, profitiere sie von ihrem selbstsicheren und souveränen Auftreten, berichtete die 23-Jährige bei ihrer ersten Verkehrskontrolle über Erfahrungen in dem Polizei-Job. Auch wenn man in der Ausbildung Selbstverteidigung lerne, sei ihre Strategie, so viel wie möglich mit den Menschen zu sprechen. „Meine Taktik ist, alles, was geht, mit dem Mund und der Sprache zu machen.“ 

Wenn Menschen sich respektlos gegenüber den Polizistinnen und Polizisten verhalten sei es wichtig, dass man weiß, „in dem Moment“ ist die Person „nicht sauer mir gegenüber, sondern der Polizei“, erzählt ein 21 Jahre alter Anwärter mit Migrationshintergrund. Ähnlich mache er es beim Erleben von Rassismus. Er habe das bereits im Praktikum erlebt. 

Verantwortung tragen kann beängstigend sein 

Eine Frau spricht offen von der „Herausforderung“ der Polizeiarbeit für sie. Sie habe zuvor Soziologie und Politik studiert und in einem Energieunternehmen gearbeitet, aber das sei nichts für sie gewesen. Nun interessiere sie sich vor allem für die Arbeit der Kriminalpolizei. „Ich finde Wirtschaftskriminalität unheimlich interessant zu bearbeiten. Ich finde aber auch, dass man Kindern helfen muss im Bereich der Sexualdelikte.“ Sie sei sich der Verantwortung, in dem Bereich zu arbeiten, bewusst und nehme sie sehr ernst. „Das ist manchmal etwas beängstigend, aber am Anfang wahrscheinlich auch normal.“ 

„2003 wurde mein Vater erstochen“ 

Der künftige Kommissar Hans Clemens hat vor seinem Polizeistudium ebenfalls einen anderen Beruf gehabt. Er arbeitete beim Radio. Bei der Verkehrskontrolle tritt er unter anderem auch als Pressesprecher auf. Zugleich hat er einen ganz persönlichen Grund für die Berufswahl. „2003 wurde mein Vater erstochen. Und es gibt keine Zeugen dafür.“ Der Täter habe von Notwehr gesprochen und nur eine kurze Gefängnisstrafe erhalten. Als Kind habe er sich damals nicht gut von der Polizei betreut gefühlt und wolle das anders machen. 

Insgesamt positive Bilanz des Einsatzes 

Insgesamt sei der Einsatz erfolgreich gewesen, sagt Clemens. Die Kontrollierten seien alle nüchtern gewesen, aber es wurde einmal Fahren ohne Fahrerlaubnis sowie gefälschte Papiere aufgedeckt. Außerdem hätte es Fälle von Fahren über Rot, mit Handy am Steuer und ohne Gurt gegeben. 

Polizeikommissar Ömer Keleşoğlu zeigt sich auch zufrieden mit den Anwärterinnen und Anwärtern. „Es war die Generalprobe für die Zeit nach dem Studium und ich denke, das haben sie alle sehr gut gemeistert.“