Prozessauftakt Geliebte mit dem Auto überfahren – „konnte nichts sehen“
Eine Auseinandersetzung auf einem Oktoberfest bei Potsdam zwischen zwei ehemaligen Freunden endet mit dem Tod einer jungen Frau. Die Geliebte des einen war die Ex-Frau des anderen. Was war passiert?

Potsdam - Zum Prozessauftakt vor dem Potsdamer Landgericht um einen tödlichen Unfall hat der 40-jährige Angeklagte seine Sicht auf den Tod seiner Geliebten geschildert. „Ich konnte zu keiner Zeit irgendwas hören oder sehen“, sagte er vor der Kammer. Er habe nicht gemerkt, dass sie sich an das Auto geklammert habe. Auch ihre Schreie habe er nicht wahrgenommen. Sein Fehler sei lediglich gewesen, betrunken ins Auto gestiegen zu sein.
Laut Anklageschrift soll der 40-Jährige im September 2024 seinen Wagen in Nuthetal von seinem Grundstück gefahren haben. Das spätere Opfer versuchte, ihn daran zu hindern. Er sei dennoch losgefahren, heißt es in der Schrift. Die Frau hielt sich daraufhin am Auto fest, er beschleunigte weiter.
Video zeigt die tödliche Szene
Auf einer Videosequenz von einer Überwachungskamera, die vor Gericht abgespielt wurde, ist die Szenerie grob zu sehen gewesen. Man sieht, wie die Frau sich ans Auto hängt, wie sie sich nach kurzer Distanz nicht mehr halten kann und von dem Wagen ablässt. Man hört Schreie. In dem Moment, in dem die Frau unter die Räder des massiven Geländewagens gerät, erhebt sich die Hinterachse des Autos. Die Frau starb noch an der Unfallstelle. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann Körperverletzung mit Todesfolge vor.
Er sei vor dem Vorfall vom Ex-Mann seiner Geliebten bei einem örtlichen Oktoberfest geschlagen worden, berichtete der Angeklagte. Er habe sich bedroht gefühlt. Der Ex-Mann und eine Freundesgruppe hätten ihm gesagt, dass sie ihn noch am selben Abend „behindert schlagen“ würden, führte er aus. Aus Angst hätte er später zu Hause versucht, das Auto umzuparken, um den Eindruck zu erwecken, nicht im Haus zu sein. Er wollte nach eigenen Angaben seinen Wagen nur um etwa 100 Meter umsetzen.
Angeklagter spricht vor Angst vor Ex-Mann
Er hatte solche Ängste, dass er als „Abschreckung“ einen Baseballschläger mitnahm. „Ich hatte große Ängste, dass hier heute noch etwas passiert“, sagte er. Die Staatsanwaltschaft vermutete, dass er seinen 52.000 Euro teuren Wagen schützen wollte.
Die Geliebte habe versucht, ihn aufzuhalten, so der 40-Jährige. Er habe gesagt: „Ich schlage allen die Köpfe ein.“ Er habe aber den Streit mit dem Ex-Partner nicht fortsetzen, sondern sich schützen wollen, beteuerte er. „Du hältst dich raus. Verpiss dich“, sagte er kurz vor dem Losfahren zu ihr. Dann sei er in den Wagen gestiegen und losgefahren. Er habe sie „keine Sekunde gesehen oder gehört“. Das Radio sei zudem angeschaltet gewesen.
Er hielt erst an, als er merkte, dass das Auto „eine Erhebung gemacht“ habe. Als er aus dem Wagen stieg und zurücklief, sah er eine Frau im Oktoberfest-Dirndl. „Dann war dann nur noch: Um Gotteswillen was machst du hier.“
Der Prozess wird am 9. Januar fortgesetzt.