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Vorschlag für Minijob-Reform IWH: Abschaffung von Minijobs würde Nettoeinkommen senken

Der Arbeitnehmerflügel der CDU fordert in einem Antrag für den Parteitag, Minijobs in reguläre Beschäftigungen zu überführen. Welche Auswirkungen das für Betroffene und den Arbeitsmarkt hätte.

Von dpa 19.02.2026, 14:43
Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) sieht einen Vorstoß aus Teilen der CDU zur Abschaffung von Minijobs kritisch. (Archivbild)
Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) sieht einen Vorstoß aus Teilen der CDU zur Abschaffung von Minijobs kritisch. (Archivbild) Hendrik Schmidt/dpa

Halle - Die Überführung von Minijobs in reguläre Tätigkeiten könnte bei einem Großteil der betroffenen Minijobber zu Einbußen beim Nettoeinkommen führen. Nach Berechnungen des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) wären etwa vier der gegenwärtig rund sieben Millionen Minijobber davon betroffen. Bei den Sozialversicherungen könnte die Überführung zu Zusatzeinnahmen in Höhe von etwa 4,5 Milliarden Euro in diesem Jahr führen. 

Nach einem Vorschlag der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), der auf dem CDU-Parteitag am kommenden Wochenende diskutiert werden soll, sollen Minijobs deutlich eingeschränkt werden. Von den derzeit rund sieben Millionen Minijobbern in Deutschland sollen Schüler, Studenten und Rentner weiterhin unter die bisherigen Regelungen fallen. Auch für Nebentätigkeiten soll es Ausnahmen geben.

Effekte für den Arbeitsmarkt unklar

Unklar ist laut IWH, welchen Gesamteffekt eine solche Umwandlung auf die Beschäftigung im Allgemeinen hätte. Einerseits könnten dadurch Arbeitsplätze wegfallen. Andererseits werde durch die Streichung von Einkommensgrenzen die bisherige Optimierung auf geringe Arbeitszeiten überflüssig und schaffe für einen Teil der Beschäftigten Anreize, ihre Arbeitszeit auszuweiten. 

Der Arbeitnehmerflügel der CDU kritisiert in seinem Antrag für den Parteitag, dass sich Minijobs von ihrer ursprünglichen Idee weit entfernt hätten. Einst sei es als unbürokratische Möglichkeit gedacht gewesen, kleine Tätigkeiten legal zu machen. Inzwischen sei daraus ein eigener Arbeitsmarkt geworden. „Diese Parallelwelt steht außerhalb der Logik unseres Sozialstaats.“ Wer arbeitet, solle abgesichert sein. Im Alter und in Notlagen stünden viele Menschen mit leeren Händen da. „Minijobs führen zu Absenkungen arbeitsrechtlicher Standards, begünstigen Schwarzarbeit und verzerren den Wettbewerb.“

Vorschlag wird von prominentem Wirtschaftsexperten unterstützt

Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, schlug Anfang der Woche ebenfalls vor, Minijobs abzuschaffen und eine höhere Grundsteuer einzuführen. Es fehlten schlicht die Arbeitskräfte, um die Wachstumsraten der Vergangenheit zu erreichen, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). 

Die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles (SPD), sieht drei Gruppen, die die Fachkräftelücke schließen könnten: Ältere, die freiwillig länger arbeiten, Zuwanderer und Frauen, die ihre bisherige Teilzeit-Stundenzahl aufstockten. 

IWH plädiert für Übergangszeitraum

Die Minijob-Verdienstgrenze liegt seit dem 1. Januar 2026 bei monatlich 603 Euro. Der Vorteil gegenüber einer regulären sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung besteht in den vom Arbeitnehmer eingesparten Sozialversicherungsbeiträgen, die bei voller Ausschöpfung laut IWH bei etwa 130 Euro im Monat liegen dürften.

Sollten die Pläne weiterverfolgt werden, plädiert das IWH für einen Übergangszeitraum, in dem sich die Betroffenen nach und nach an die neuen Rahmenbedingungen anpassen könnten. 

Kritik von arbeitgebernahem Institut

Kritik an den Plänen kam bereits Mitte November vergangenen Jahres, als die Pläne diskutiert wurden. „Für die Beschäftigten hieße das: weniger Geld auf dem Konto“, schrieb Holger Schäfer vom arbeitgebernahen Institut der Deutschen Wirtschaft. „Die Sozialversicherungen würden kaum profitieren, denn die zusätzlichen Beiträge würden minimal ausfallen.“ Gleichzeitig würde der bürokratische Aufwand steigen. Zudem dürften Arbeitgeber Schwierigkeiten bekommen, die fortan schlechter bezahlten Jobs zu besetzen.