Silvester Angriffe auf Einsatzkräfte und Hunderte Festnahmen in Berlin
An vielen Orten in Berlin wird Silvester friedlich gefeiert, aber nicht nur. Im Vorhinein wurden 220.000 illegale Pyrotechnik-Artikel beschlagnahmt. Erneut gab es einen Vorfall mit einer Kugelbombe.

Berlin - Mehr als 300 Menschen sind in der Silvesternacht in Berlin vorläufig festgenommen worden – zugleich hat es erneut Angriffe mit Feuerwerk auf Polizisten und Rettungskräfte gegeben. Die Festnahmen standen im Zusammenhang mit gefährlicher Böllerei und des Abschießens von Raketen, wie Polizeisprecher Florian Nath um 1.00 Uhr sagte.
Sieben Verdächtige seien von der Polizei in sogenannten Unterbindungsgewahrsam genommen worden, um zu verhindern, dass sie weitere Delikte begehen. Etwa 15 Polizisten seien leicht verletzt worden. Viele davon erlitten laut Polizei Knalltraumata durch Böllerexplosionen.
Leichte Verletzung durch Kugelbombe
Schwere Verletzungen wie in der Silvesternacht 2024/2025 waren bis 1.30 Uhr zunächst nicht bekannt. Vor einem Jahr wäre ein Junge bei der Explosion einer Kugelbombe in Tegel fast gestorben.
Auch dieses Silvester explodierte laut Polizei eine Kugelbombe, dieses Mal in Spandau, wie es um 1.00 Uhr hieß. Ein Mensch sei leicht verletzt worden. In der Huttenstraße in Moabit sollen sich mehrere Hundert Menschen auf der Straße versammelt haben. Zum Teil soll die Stimmung sehr aggressiv gewesen sein.
Noch vor Silvester wurden mehrere Kugelbomben sichergestellt, unter anderem aus einem Carsharing-Auto, aus dem die illegalen Sprengkörper verkauft wurden.
220.000 Stück illegale Pyrotechnik beschlagnahmt
Die Polizei hatte bis zum Silvesterabend 220.000 Stück illegale, falsch gelagerte oder unzulässig verkaufte Pyrotechnik beschlagnahmt, wie Innensenatorin Iris Spranger (SPD) am Abend bei einem Besuch in einem Polizeiabschnitt sagte. Ein großer Teil davon gehöre zur Kategorie F4, die nur von Experten mit Ausbildung und Genehmigung verwendet werden dürfe und für Amateure sehr gefährlich sei.
4.300 Polizisten waren in der Silvesternacht im Einsatz. Dazu kamen 1.600 Feuerwehrleute. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) bekräftigte wie schon in einem früheren Jahr: „Heute ist auch die Nacht der Repression, in der wir deutlich machen, dass jeder friedlich feiern kann, jeder kann lustig sein, jeder kann tanzen, jeder kann Spaß haben. Aber der Spaß endet, wenn Menschen angegriffen werden.“
In Gropiusstadt in Neukölln beschlagnahmte die Polizei eine selbstgebaute Feuerwerksanlage, für die mehrere Batterien von Raketen durch Zünder miteinander verbunden waren. Fotos der Polizei zeigten die größere Anlage aus mehreren Kartons und Kisten voller Raketen, von denen elektrische Kabel zu einer Zündvorrichtung führten.
In Kreuzberg schoss laut Polizei ein Mensch gezielt auf eine Fensterscheibe und warf die Signalwaffe bei der Flucht weg. Eine andere Person schoss den Angaben nach mit einer Feuerwerksbatterie gezielt auf Fahrzeuge und Passanten. Beide Menschen seien festgenommen worden. In Mitte soll ein Mensch von einem Balkon Schüsse angegeben haben, vermutlich ebenfalls mit einer Schreckschusswaffe.
Am Alexanderplatz in Berlin-Mitte, wo es an Silvester der vergangenen Jahre heftige Ausschreitungen mit Feuerwerk gegeben hatte, blieb es vorerst ruhig. Der Platz gehört zu den Pyro-Verbotsbereichen, genauso wie der Steinmetzkiez in Schöneberg, ein Teil der Sonnenallee in Neukölln sowie angrenzende Nebenstraßen und die Admiralbrücke und angrenzende Straßen in Kreuzberg. Die Bereiche werden laut Polizei gezielt mit Lichtmasten ausgeleuchtet.
Im Unfallkrankenhaus wurden bis 22.30 Uhr fünf Menschen mit Böllerverletzungen in der Notaufnahme aufgenommen. Zwei davon seien schwer verletzt, teilte die Klinik auf X mit.
Ein Feuerwehrsprecher sagte gegen 1.00 Uhr morgens, es kämen quasi sekündlich Brandmeldungen herein. In der Leipziger Straße in Mitte brannte den Angaben nach eine komplette Wohnung im neunten Stock eines Hochhauses. Verletzte habe es keine gegeben. Auch in der Otto-Schmirgal-Straße in Friedrichsfelde brannte eine Wohnung. Am S-Bahnhof Wedding brannte ein Aufsichtshäuschen auf einem Bahnsteig. Der Ringbahnverkehr der Linien S41 und S42 wurde deshalb zwischen den Stationen Gesundbrunnen und Westhafen unterbrochen.
Tausende Menschen besuchten die offizielle Silvesterparty am Brandenburger Tor und bewunderten um 0.00 Uhr das große Feuerwerk. Wenige Meter entfernt fand auf der Straße des 17. Juni eine weitere Open-Air-Party mit mehreren Bühnen statt.