Brände

Mehr Menschen engagieren sich bei Freiwilligen Feuerwehren

59 Mal rückten Freiwillige Feuerwehren im vergangenen Jahr täglich zu Brandeinsätzen aus. In den Jahren zuvor waren es noch mehr. Doch eine Zahl stieg deutlich an, sehr zum Missfallen des Innenministers.

Von dpa 20.09.2021, 13:52 • Aktualisiert: 22.09.2021, 06:01
Das Blaulicht leuchtet auf dem Dach eines Feuerwehrfahrzeugs.
Das Blaulicht leuchtet auf dem Dach eines Feuerwehrfahrzeugs. Philipp von Ditfurth/dpa/Symbolbild

Hannover - Die Freiwilligen Feuerwehren in Niedersachsen haben im vergangenen Jahr einen Mitgliederzuwachs verzeichnet. Rund 2100 (1,7 Prozent) kamen im Vergleich zu 2019 hinzu, wie Innenminister Boris Pistorius (SPD) am Montag in Hannover mitteilte. 650 weitere Frauen haben sich für Aufgaben bei der Freiwilligen Feuerwehr entschieden. Insgesamt sind den Angaben zufolge 13 Prozent der Kräfte weiblich - laut Pistorius ein sehr guter Wert im bundesweiten Vergleich. Die Zahl der Freiwilligen Feuerwehren ging jedoch zurück, 2019 waren es noch 3242 im Bundesland, im vergangenen Jahr noch 3219.

Demnach haben die Freiwilligen Feuerwehren landesweit insgesamt rund 128.700 Mitglieder - fünf Jahre zuvor waren es noch etwa 4500 weniger. Der Innenminister und der Landesbranddirektor Jörg Schallhorn führten den Anstieg vor allem auf zwei Faktoren zurück. Zum einen seien viele Kräfte aus der Jugendfeuerwehr nachgerückt und mehr Menschen hätten als Quereinsteiger den Weg zur Feuerwehr gefunden.

„Ihre Mitglieder sind ein fester Anker in unserer Gesellschaft, das hat sich erst recht unter den besonderen Voraussetzungen der Pandemie gezeigt. Dafür kann man sich nicht oft genug bedanken, denn die Feuerwehrfrauen und -männer tun das im Wesentlichen in ihrer Freizeit“, sagte Pistorius.

In den Kinder- und Jugendfeuerwehren sank die Zahl im selben Zeitraum hingegen um rund 1000 auf 43.807. Bei der Berufsfeuerwehr und den hauptberuflichen Wachbereitschaften arbeiten laut Ministerium landesweit insgesamt rund 3000 Menschen. In Niedersachsen gibt es elf Berufsfeuerwehren und zwei hauptberufliche Wachbereitschaften (in Emden und Hameln).

Die Freiwilligen Feuerwehren rückten im vergangenen Jahr 21 662 Mal zu Brandeinsätzen aus, im Schnitt also 59 an einem Tag. 2019 waren es den Angaben zufolge noch rund 2200 mehr, 2018 sogar noch knapp 4700 mehr. Pistorius führte diese Entwicklung etwa auf das verstärkte Einsetzen von Rauchmeldern zurück. „Auch die Tatsache, dass infolge von Homeoffice mehr Menschen zuhause waren, hatte den Effekt, dass Brände oft schneller erkannt wurden“, sagte der Innenminister mit Blick auf die Corona-Pandemie.

Mehr als die Hälfte der insgesamt 97.059 Einsätze im vergangenen Jahr waren demnach sogenannten technische Hilfeleistungen, dazu zählen etwa Einsätze bei Unfällen. In den beiden Jahren zuvor war die Zahl der gesamten Einsätze mit 107.615 (2019) und 122.729 (2018) noch deutlich höher.

Ein Anstieg verärgerte Pistorius, die der böswilligen Alarme, etwa wenn Menschen missbräuchlich einen Feueralarm auslösen. Diese führten im vergangenen Jahr zu 687 Einsätzen, 285 mehr als noch 2019. Dabei handele es nicht um ein Kavaliersdelikt, betonte der SPD-Politiker. Wer dies tue, habe eine hohe Geldstrafe oder eine Gefängnisstrafe zu befürchten.

Pistorius kündigte an, das Lehrgangsangebot bei der Feuerwehr ausbauen zu wollen. Dazu sollten verstärkt digitale Lehrgangsanteile angeboten werden. „Denn auch eine moderne Fortbildung und neueste Technik sind Faktoren, mit denen wir um Nachwuchs für die Feuerwehr werben können“, sagte er.