Hochschulen

Minister: Ostdeutsche sollten bei Stipendien mutiger sein

Besonders gute Studierende können von Stiftungen Stipendien bekommen. Junge Frauen und Männer aus Ostdeutschland erhalten solche Förderungen jedoch im Vergleich seltener. Ein Grund könnte die Sicht vieler junger Ostdeutscher auf sich selbst sein.

Von dpa 21.09.2021, 06:33 • Aktualisiert: 22.09.2021, 21:13
Wolfgang Tiefensee (SPD).
Wolfgang Tiefensee (SPD). Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Erfurt/Bonn - Studentinnen und Studenten aus dem Osten Deutschlands sind bei der Vergabe von Stipendien im Hintertreffen - nun ruft Thüringens Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) junge Ostdeutsche zu mehr Selbstbewusstsein auf. „Die Ostdeutschen stellen ihr Licht leider immer noch zu oft unter den Scheffel“, sagte Tiefensee der Deutschen Presse-Agentur. Ostdeutsche Studierende müssten noch viel häufiger von sich selbst sagen, dass auch sie zu den Besten gehörten und sich um solche Stipendien „dann einfach auch bewerben“.

Die Bedeutung von Stipendien der großen Fördereinrichtungen - etwa der Studienstiftung des deutschen Volkes - für die Karriere sei enorm, sagte Tiefensee.

Anlass für Tiefensees Appell ist eine Studie, die aus einem dreimonatigen Forschungsprojekt an der Friedrich-Schiller-Universität Jena hervorging. Die Abfrage der Jenaer Forscher unter zwölf Begabtenförderungswerken in Deutschland ergab, dass Studierende aus dem Osten Deutschlands bei der Vergabe von Stipendien im Vergleich mit ihren westdeutschen Kommilitonen zahlenmäßig benachteiligt sind. Die Studie war vom Thüringer Wissenschaftsministerium in Auftrag gegeben worden.

Exakte Daten zum Anteil ostdeutscher Stipendiaten liegen für die Studie von der Studienstiftung des deutschen Volkes vor. Demnach hatten im Jahr 2020 bei der Stiftung 8,6 Prozent der Geförderten ihre Hochschulzugangsberechtigung in Ostdeutschland erworben. Der Anteil Ostdeutscher an der Gesamtstudierendenzahl betrug zuletzt allerdings etwa 11 Prozent.

Die Ursachen sind laut Studie vielfältig: Junge Ostdeutsche wüssten weniger über Stipendien als junge Westdeutsche, sie trauten sich häufig auch nicht, sich um solche Förderungen zu bewerben, weil sie befürchteten, nicht gut genug dafür zu sein, heißt es in dem Papier.

Dies hängt der Studie nach auch damit zusammen, dass der Anteil der Akademiker im Osten geringer ist als im Westen - und zum Beispiel Eltern deshalb oft keine Vorbilder für ihre Kinder bei der Bewerbung um solche Stipendien sein können.

Tiefensee sagte, dass Ostdeutsche in Führungsfunktionen bundesweit unterrepräsentiert seien, hänge nicht zuletzt genau mit solchen Stipendienprogrammen zusammen. „Denn hier findet ja so etwas statt wie Elitenbildung, die dann auch den Anspruch und das Streben nach solchen Führungsfunktionen ausprägt.“

Die Generalsekretärin der Studienstiftung des deutschen Volkes, Annette Julius, verwies zudem darauf, dass ostdeutsche Schulen deutlich seltener von dem Vorschlagsrecht für die Stipendienvergabe Gebrauch machten als westdeutsche. „Während in einem gegebenen Jahr in Westdeutschland rund 50 Prozent der Schulen Vorschläge bei uns einreichen, sind es in Ostdeutschland nur rund 25 Prozent“, sagte sie.

Gleichzeitig betonte Julius, ihre Stiftung habe in den vergangenen Jahren Auftritte auf Studienmessen auf die ostdeutschen Bundesländer konzentriert, um dort Studienanfänger und Eltern zu informieren.