1. Startseite
  2. >
  3. Panorama
  4. >
  5. Wetter und Verkehr: Nach Eisregen fahren immer mehr Straßenbahnen wieder

Wetter und Verkehr Nach Eisregen fahren immer mehr Straßenbahnen wieder

Der Eisregen in der Nacht zu Montag traf besonders die Straßenbahnen. Die Stromleitungen wurden von Eis überzogen und müssen in Handarbeit befreit werden – ein zeitaufwendiger Prozess.

Von dpa Aktualisiert: 27.01.2026, 17:12
Nach dem Eisregen fährt wieder die erste Straßenbahnlinie in Berlin.
Nach dem Eisregen fährt wieder die erste Straßenbahnlinie in Berlin. Saskia Fischer/dpa

Berlin - Nach dem Ausfall des ganzen Berliner Straßenbahn-Netzes seit Montagmorgen wegen vereister Stromleitungen läuft der Fahrbetrieb auf immer mehr Linien seit dem Vormittag wieder an. Als Erstes war die Linie M5 zwischen Hackescher Markt und Betriebshof Lichtenberg wieder im Zehn-Minuten-Takt unterwegs, wie die BVG mitteilte. Inzwischen seien fast alle Metrolinien wieder zumindest auf zentralen Abschnitten unterwegs.

Dazu zählen den Angaben zufolge die M1, M2, M4, M5, M6, M8, M13 sowie die Linien 18, 21 und 68. Zudem seien die Probleme auf der U-Bahnlinie U2 behoben. „Die U-Bahn fährt wieder im gesamten Netz planmäßig“, hieß es.

Ersatzverkehr mit Bussen

Schritt für Schritt arbeite man an der Enteisung der Oberleitungen und der Wiederaufnahme weiterer Streckenabschnitte, hieß es. Die Arbeiten sollen auch in der Nacht weiter laufen. Mit Einschränkungen ist aber auch am Mittwoch zu rechnen. „Alles, was heute fährt, sollte auch morgen fahren“, hieß es. Darüber hinaus machte die BVG aber keine Zusagen. Eine Prognose, bis wann der gesamte Betrieb wieder ohne Einschränkungen laufe, gab es ebenfalls nicht. Der Busverkehr war vom Eisregen nicht betroffen. 

Berlin von diesem Eisregen besonders betroffen

Durch den Eisregen wurden die Stromleitungen über den Gleisen innerhalb kürzester Zeit flächendeckend vereist. Die BVG betonte, Berlin sei von dem speziellen Wetter mit dem Eisregen besonders betroffen gewesen. In der Nachbarstadt Potsdam, wo der Tramverkehr ohne Einschränkungen aufrechterhalten werden konnte, sei die Wetterlage eine andere gewesen. 

Die „untypische Wetterlage“ mit gefrierendem Regen sei „problematisch für einen sicheren Straßenbahnbetrieb“. Vergleiche mit anderen Gebieten, Wetterlagen und Verkehrssystemen seien nicht möglich. 

Schwierigkeiten bereiteten zeitweise auch die Information und die Verbindungssuche der Fahrgäste über Apps und Internetseiten. Wegen der extremen Wetterlage in ganz Deutschland und den außergewöhnlich vielen Anfragen kämen die IT-Systeme der externen Firma an ihre Grenzen, teilte die BVG mit. 

Stromleitungen per Handarbeit vom Eis befreien

Am Montagabend hatte die BVG erklärt: „Solange sich die Temperaturen kaum über null Grad bewegen, bildet sich immer wieder neues Eis. Die Enteisung der Oberleitungen dauert daher an.“ Die Oberleitungen könnten nicht automatisiert enteist werden. Jeder einzelne Streckenabschnitt müsse manuell bearbeitet werden. Dafür sind laut BVG drei sogenannte Turmwagen unterwegs, jeweils mit drei Beschäftigten. Diese müssten in „schweißtreibender Handarbeit“ das Eis von den Oberleitungen entfernen. 

Busse fahren dagegen laut BVG weitestgehend normal. Vereinzelt könne es aufgrund von Glätte jedoch zu kurzfristigen Einschränkungen oder Verzögerungen kommen. Die Stromschienen von oberirdisch verlaufenden U-Bahnlinien seien durch einen „intensiven nächtlichen Einsatz“ vollständig enteist worden. Damit würden alle U-Bahnen wieder fahren. Die Berliner S-Bahn meldete keine Ausfälle durch Frost.

Berliner Straßenbahn-Netz das drittgrößte der Welt 

Die BVG erklärte, das Straßenbahn-Netz, das es fast nur im Osten der Stadt gibt, umfasse rund 200 Kilometer Strecke. Es sei damit das drittgrößte der Welt - daher der große Aufwand beim Enteisen. BVG-Chef Henrik Falk hatte mitgeteilt: „Der Eisregen hat unser Straßenbahn-Netz vor eine Situation gestellt, wie wir sie seit Jahrzehnten nicht erlebt haben.“