Frauen als Führungskräfte Nur jeder dritte Chefposten in Thüringen von Frauen besetzt
Schuldirektorin oder Bauleiterin? Wo Frauen in Thüringen an die Spitze kommen – und wo die Chefetage fast reine Männersache bleibt. Was Zahlen und Expertinnen dazu sagen.

Mellingen - In Thüringen sind nach wie vor nur wenig Frauen in Führungsjobs. Nach einer aktuellen Datenauswertung der Bundesagentur für Arbeit war im vergangenen Jahr im Freistaat nur jeder dritter Chefposten mit einer Frau besetzt.
Insgesamt arbeiteten 13.400 Frauen in leitenden Tätigkeiten. Das entsprach 32 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Aufsicht- und Führungsberufen. Bereits zehn Jahre zuvor waren es 13.300 Frauen gewesen. Im Bundesschnitt lag der Frauenanteil in Chefetagen im vergangenen Jahr den Angaben nach nur bei 28 Prozent - in Ostdeutschland waren es 35 Prozent.
Die besten Karrierechancen hatten Frauen der Regionaldirektion zufolge bei Erziehung und Unterricht: Dort waren knapp 67 Prozent der Beschäftigten in Leitungspositionen weiblich. Ebenso stellten im Gesundheits- und Sozialwesen Frauen mit 58 Prozent die Mehrheit in Führungsfunktionen. Bei der Erbringung sonstiger Dienstleistungen – dazu zählen unter anderem Gewerkschaften, Sozialverbände, Friseursalons und Kosmetikstudios – lag der Anteil bei knapp 60 Prozent. In der öffentlichen Verwaltung waren 51 Prozent der Leitungspositionen mit Frauen besetzt. Mit einem Anteil von nur sieben Prozent hatten Frauen dagegen im Baugewerbe die schlechtesten Chancen auf einen Chefposten.
Stadt-Land-Gefälle und Lohnlücke bei Führungsjobs
Auch regional zeigten sich Unterschiede. In den Städten Erfurt, Gera, Jena, Suhl und Weimar lag der Anteil von Frauen in Leitungspositionen zwischen 35 und 41 Prozent und damit am höchsten. Als Grund gilt, dass dort größere Behörden und Unternehmen ansässig sind, die Führungsstellen vergleichsweise häufiger mit Frauen besetzen. Im Eichsfeld und im Landkreis Sonneberg war der Frauenanteil mit jeweils 25 Prozent am niedrigsten.
Eine Schere klafft zudem beim durchschnittlichen Bruttomonatsentgelt zwischen den Geschlechtern in den Chefetagen. So erhielten den Angaben nach Männer in Leitungsberufen 2024 ein medianes Bruttomonatsentgelt von rund 5.300 Euro. Frauen kamen im Median auf 4.800 Euro.
Ministerin hält Quotenregelung für wichtig
Arbeitsministerin Katharina Schenk (SPD) erklärte, Ostdeutschland schneide bei weiblich besetzten Führungspositionen zwar weiterhin besser ab als der Westen. Dennoch zeigten die Zahlen, dass von echter Gleichstellung noch keine Rede sein könne. Flexible Arbeitszeitmodelle, eine stärkere Einbeziehung von Männern in die familiäre Sorgearbeit und auch Quotenregelungen blieben wichtig.
Nach Worten des Chefs der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen, Markus Behrens, sind für Führungskräfte Fähigkeiten wie das Inspirieren und Motivieren von Mitarbeitern entscheidend – unabhängig vom Geschlecht. Mentoring-Programme könnten helfen, Hindernisse auf dem Karriereweg von Frauen abzubauen. Zudem seien flexible Arbeitszeiten und Homeoffice-Angebote wichtige Maßnahmen für Beschäftigte mit Betreuungspflichten.