Bundestag

SPD kann auf starkes Ergebnis in Hamburg hoffen

Im Bund liegen die alten Volksparteien SPD und Union laut Hochrechnungen bei der Bundestagswahl dicht beieinander. In Hamburg ist das Verhältnis klarer.

Von dpa 26.09.2021, 21:12 • Aktualisiert: 27.09.2021, 14:03
Ein Wähler wirft seinen Stimmzettel in die Wahlurne.
Ein Wähler wirft seinen Stimmzettel in die Wahlurne. Michael Kappeler/dpa/Symbolbild

Hamburg - In Hamburg wird die SPD einer Hochrechnung zufolge bei der Bundestagswahl stärkste Kraft. Mit 29,7 Prozent könnten die Sozialdemokraten mit Kanzlerkandidat und Ex-Bürgermeister Olaf Scholz im Vergleich zu 2017 um 6,2 Prozentpunkte zulegen, teilte der Landeswahlleiter auf Grundlage von 30,1 Prozent ausgezählten Stimmbezirken am Sonntagabend mit. Zweitstärkste Kraft würden die Grünen mit 24 Prozent (plus 10,1 Punkte).

Die CDU gäbe hingegen 11,4 Prozentpunkte ab und läge nur noch bei 15,8 Prozent - das wäre das historisch schlechteste Ergebnis bei einer Bundestagswahl in der Hansestadt. Die FDP kommt der Hochrechnung zufolge auf 11,6 (plus 0,8), die Linke auf 6,7 (minus 5,5) und die AfD auf 5,7 Prozent (minus 2,1) der Stimmen.

Bei der Wahlbeteiligung zeichnete sich ein höheres Ergebnis als zuletzt ab. Laut einem Zwischenergebnis nach Auszählung von rund einem Drittel der Gebiete lag sie bei 78 Prozent. 2017 hatten 76 Prozent der Wahlberechtigten in Hamburg von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht.

Angesichts des Kopf-an-Kopf-Rennens zwischen SPD und Union im Bund äußerten sich die Parteien in Hamburg zunächst zurückhaltend. Die SPD-Landesvorsitzende Melanie Leonhard sah für ihre Partei aber ein „sehr gutes Ergebnis“, das alle Möglichkeiten enthalte, „was Koalitionsbildungen, was Möglichkeiten betrifft, soziale Politik zu machen“. Das sei ein großer Verdienst von Ex-Bürgermeister und Kanzlerkandidat Olaf Scholz, „aber auch von einer SPD, die geschlossen gekämpft hat wie noch nie zuvor“.

Das Ergebnis könne ihn nicht zufriedenstellen, sagte der CDU-Landesvorsitzende und Spitzenkandidat, Christoph Ploß. „Es entspricht nicht den Ansprüchen der CDU und nicht den Zielen, die wir als CDU haben.“ Er richtete sich auf einen langen Wahlabend ein. Er hoffe, „dass wir am Ende unser Minimalziel erreichen: nämlich vor der SPD zu liegen“.

Hamburgs Grünen-Spitzenkandidatin Katharina Beck sieht das Abschneiden ihrer Partei als gute Voraussetzung für eine Regierungsbeteiligung. „Wir haben alles, alles gegeben und wir haben jetzt unser historisch bestes Ergebnis“, sagte Beck bei der Wahlparty der Grünen im Schanzenpark. „Wir sind angetreten, dieses Land zu führen. Und wir werden es sehr wahrscheinlich mit führen - und zwar deutlich gestärkt.“

Der FDP-Landesvorsitzende und Spitzenkandidat Michael Kruse zeigte sich erfreut, „dass wir unser Ergebnis von vor vier Jahren sogar noch verbessern konnten“. Hamburgs Freidemokraten seien voraussichtlich wieder mit zwei Abgeordneten im Bundestag vertreten. „Deswegen ist das ein großer Erfolg für uns.“

Enttäuscht zeigte sich Linke-Spitzenkandidatin Zaklin Nastic. „Das ist ein bitteres Ergebnis“, sagte sie zu den rund fünf Prozent, die ihrer Partei in Hochrechnungen zugeschrieben wurden. „Wir haben uns auch in Hamburg mehr erhofft, nachdem wir intensiv Wahlkampf gemacht haben.“ Es sei das „historisch schlechteste Ergebnis der Linken seit ihrer Gründung“.

Bei den Direktmandaten in zwei der sechs Hamburger Wahlkreise zeichnete sich unterdessen ein spannendes Rennen ab. Nach Auszählung der Erststimmen in mehr als zwei Dritteln der Gebiete in Eimsbüttel lag Hamburgs langjähriger Justizsenator Till Steffen von den Grünen vor Außenamts-Staatsminister Niels Annen von der SPD. In Altona führte die Grüne Linda Heitmann vor dem SPD-Bundestagsabgeordneten Matthias Bartke.