Knallharte Thriller

Sie schrieb Oscar-Geschichte: Kathryn Bigelow wird 70

Kathryn Bigelow ist Hollywoods Frau für harte Thriller und explosive Stoffe. Sie ist auch die erste Frau mit einem Regie-Oscar. Den holte sie 2010 mit dem Kriegsdrama „Tödliches Kommando - The Hurt Locker“.

Von Barbara Munker, dpa 26.11.2021, 08:15
Kathryn Bigelow wird 70.
Kathryn Bigelow wird 70. Michael Nelson/EPA/dpa

Los Angeles - Mit „Nomadland“ feierte Chloé Zhao im vorigen April einen historischen Oscar-Sieg. Als erste nicht-weiße Regisseurin gewann die aus China stammende Filmemacherin die Regie-Trophäe in über 90 Jahren Oscar-Geschichte.

Zudem holte das Roadmovie über moderne Nomaden in den USA auch den Oscar als bester Film und für Hauptdarstellerin Frances McDormand. Nach der Preisverleihung würdigte Zhao hinter den Kulissen eine Kollegin, die elf Jahre zuvor Hollywood-Geschichte geschrieben hatte.

Sie habe Kathryn Bigelow einmal bei einem Dinner mit mehreren Leuten getroffen, erzählte Zhao vor Journalisten. Sie sei ein großer Fan von ihr und würde sie nun gerne wiedersehen. Bigelow, die an diesem Samstag (27.11.) 70 Jahre alt wird, war bis dahin die einzige Oscar-prämierte Regisseurin.

Mit ihrem Low-Budget-Film „Tödliches Kommando - The Hurt Locker“ hatte sie bei der Oscar-Verleihung 2010 die männliche Konkurrenz in die Knie gezwungen, darunter auch ihren Ex-Ehemann, „Avatar“-Regisseur James Cameron.

„Ich hoffe, ich bin die Erste von vielen“, strahlte Bigelow damals bei ihrem geschichtsträchtigen Sieg. Gleich zwei Oscar-Statuen stemmte die Regisseurin auf der Bühne, auch als Produzentin in der Königskategorie „Bester Film“. „The Hurt Locker“ war mit insgesamt sechs Preisen der große Oscar-Abräumer.

Es war Bigelows achter Spielfilm, den sie in Jordanien, nahe der irakischen Grenze, unter harten Bedingungen mit Sand- und Windstürmen in strapaziöser Hitze realisiert hatte. Es geht um ein Team von Bomben-Entschärfern im Irak-Krieg.

2012 folgte „Zero Dark Thirty“ über die Jagd auf Al-Kaida-Chef Osama bin Laden. Der Film mit brutalen Folterszenen brachte der Regisseurin eine weitere Oscar-Nominierung ein, als Produzentin in der Sparte „Bester Film“.

Mit ihrem nächsten Spielfilm „Detroit“ packte Bigelow wieder einen brisanten Stoff an, diesmal in ihrer amerikanischen Heimat. Mit einer Star-Riege um John Boyega und Will Poulter schaute sie auf die Unruhen und Polizeibrutalität gegen Schwarze in Detroit (US-Bundesstaat Michigan) im Juli 1967. Zum 50. Jahrestag der tödlichen Ausschreitungen brachte sie das Drama 2017 in die Kinos.

Bigelow wuchs nahe San Francisco als einziges Kind einer Bibliothekarin und eines Managers einer Farbenfabrik auf. Sie entdeckte früh ihre Liebe zur Malerei, studierte an der Kunstakademie in San Francisco und wechselte später an die New Yorker Columbia University ins Filmfach.

Mit 30 Jahren drehte die gebürtige Kalifornierin ihren ersten Spielfilm. Für das Biker-Drama „Die Lieblosen“ holte sie Willem Dafoe vor die Kamera. In dem Cop-Thriller „Blue Steel“ (1990) war Jamie Lee Curtis als Polizistin die Heldin. In „Point Break - Gefährliche Brandung“ machte sie Keanu Reeves zum Undercover-Agenten in der Surfer-Szene. Produziert wurde der Thriller von ihrem damaligen Ehemann, „Titanic“-Regisseur James Cameron.

Die Ehe des Power-Paares hielt nur zwei Jahre, doch nach der Scheidung schrieb Cameron noch das Drehbuch für Bigelows Science-Fiction-Film „Strange Days“ (1995). Für den Actionthriller „K-19 Showdown in der Tiefe“ trat 2002 Harrison Ford als Kapitän eines russischen Atom-U-Boots vor ihre Kamera.

Action-Spielfilme und Thriller waren lange das Aushängeschild der über 1,80 Meter großen Regisseurin. Doch Bigelow greift nun auch andere Themen auf. 2017 begab sich die Regisseurin für eine Doku über Wilderei und Elfenbeinhandel in den Kongo. Im Garamba-Nationalpark begleitete sie Park-Ranger, die unter Lebensgefahr Elefanten vor Wilderern schützen. Der Kurzfilm „The Protectors: Walk in the Ranger’s Shoes“ feierte beim Tribeca-Filmfest in New York Weltpremiere.

Zuletzt wirkte sie als Produzentin an der Doku-Serie „Year Zero“ mit. Die dreiteilige Serie wurde mit elf Filmemachern in Ländern wie Peru, Chile, China, Italien, Indien und dem Iran realisiert, wie das Branchenblatt „Deadline.com“ berichtete. Porträtiert wurden völlig unterschiedliche Menschen, darunter eine Migrantenfamilie, ein Futurist und ein Kneipenbesitzer, vor dem Hintergrund der Pandemie.