Popmusik Wincent Weiss singt über privates Glück und eine kranke Welt
Auf zehn Jahre Karriere blickt Wincent Weiss inzwischen zurück. Auf seinem neuen Album verarbeitet er Themen wie Vergänglichkeit, Liebe und Gesellschaftskritik.

Köln - Wer sich die Titel seiner bisherigen Alben anschaut, könnte den Eindruck gewinnen, Wincent Weiss sei großer Nena-Fan: „Irgendwas gegen die Stille“, „Irgendwie anders“, „Vielleicht irgendwann“ und „Irgendwo ankommen“ erinnern doch sehr an einen großen Hit des NDW-Stars. Doch die „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“-Ära des Popmusikers ist nach einer Dekade vorbei. Heute, zwei Tage nach seinem 33. Geburtstag, erscheint „Hast du kurz Zeit“.
„Krass, dass ich schon auf zehn Jahre zurückgucke. Ich möchte mir über die nächsten fünf oder zehn Jahre Gedanken machen und gleichzeitig über das Hier und Jetzt schreiben“, sagte Weiss der Deutschen Presse-Agentur. „Da ist mir bewusst geworden, dass Zeit einfach die größte Rolle spielt in dem, was man macht, unaufhaltsam ist und wie ein ewig laufendes Rad neben einem herrollt.“
Am deutlichsten wird der Aspekt der Vergänglichkeit wohl in der gefühlvollen Klavier-Ballade „Immer näher“, in der es um das Abschiednehmen geht. „Es kommt immer näher, ich weiß nur noch nicht, wann“, heißt es darin. „Wenn einer von uns übrig bleibt, ja, dann bricht mir fast das Herz.“
Über Abschiede und das Ende von Beziehungen
„Wenn man an die Großeltern denkt und an die Familie: Irgendwann wird jeder Mensch gehen und einen verlassen. Das war auch die Grundintention beim Schreiben des Songs. Aber ich habe dabei auch an Beziehungen gedacht, die oft zeitlich begrenzt sind“, erklärt Weiss.
Viel Zeit auf dem Album widmet der Norddeutsche, der mittlerweile wieder in seiner alten Heimat in Ostholstein lebt, natürlich erneut dem Thema Liebe. „In einem anderen Leben“ oder „Letzter Song“ erzählen von früheren Beziehungen, die er teilweise bereut. Aus seiner unverkennbaren, rauen Raspel-Stimme lassen sich Wut und Verzweiflung raushören.
Ein (Ehe-)Glück, das privat bleiben soll
Insgesamt überwiegen aber die gefühlvollen Töne, die Weiss in „Unendlichkeit“, „Langsam“ oder „Wegen dir“ einschlägt. Sie spiegeln die Gefühlswelt des Mädchenschwarms wohl am besten wider. 2022 sprach er auf einem Konzert ungewöhnlich offen darüber, dass er eine Freundin habe. Die „Bunte“ berichtete in dieser Woche von einer Hochzeit, die der dpa aus dem Umfeld des Sängers bestätigt wurde. Mehr Privates gibt er allerdings nicht preis.
„Ich habe mich irgendwann dazu entschieden, mein Privatleben aus der Öffentlichkeit rauszuhalten. Auch, um Menschen in meinem Umfeld zu schützen, die sich die Öffentlichkeit nicht ausgesucht haben“, sagte Weiss der dpa. „Dadurch, dass ich mich gerade in einer sehr glücklichen Phase befinde und auch während des Schreibprozesses befunden habe, spürt man das glaube ich auch auf dem Album.“ Das Grundthema sei, glücklich zu sein.
Eine Welt voller Drama
Zehn Jahre nach seinem Durchbruch mit „Musik sein“ und weiteren Pophits wie „Feuerwerk“ oder „An Wunder“ gibt sich Weiss auf seinem bereits fünften Album (bisher landeten alle in den Top Drei) auch gesellschaftskritisch. In „Den letzten beißen die Hunde“ singt er von einer kranken Welt voller Dramen und Krieg.
„Ich bin jetzt 33 und in meinem Leben ist schon so viel Scheiße passiert. Wenn ich dann an meine Großeltern denke, was die alles durchgemacht haben, frage ich mich immer, ob das irgendwann mal ein Ende hat oder immer so weitergeht.“
„Hast du kurz Zeit“ ist erneut ein gut durchhörbares Popalbum, auf dem Weiss mit Hilfe mehrerer Produzenten zwischen Sprechgesang, Rock und A-cappella-Balladen pendelt. Mit dem letzten der 18 Songs, „Kurz für immer“, gelingt ihm erneut eine optimistische Stadion-Hymne, die vermutlich auch das Finale der kommenden Konzerte sein wird. Die Sommer-Tour startet am 26. Juni in Ulm.