Regisseurin und Autorin

Zwischen Komödie und Melancholie: Doris Dörrie wird 66

Doris Dörrie lässt sich in keine Schublade stecken. Egal ob Film, Literatur oder Oper, ihr Schaffen hat eine enorme Bandbreite. Jetzt wird sie 66.

Von dpa
Doris Dörrie wird 66.
Doris Dörrie wird 66. Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Berlin - Doris Dörrie appelliert an alle, achtsamer mit Lebensmitteln umzugehen. „Wir müssen uns endlich klarmachen, dass wir auf dem Rücken anderer so komfortabel leben“, sagte sie vergangenes Jahr dem „Donaukurier“, als ihr Buch „Die Welt auf dem Teller: Inspirationen aus der Küche“ erschien.

„Unsere heiß geliebten Gewürzgurken sind deshalb so billig, weil wir die rumänischen Erntehelfer so schlecht bezahlen und in miserable Unterkünfte stecken.“ Auch Tieren würden schlechte Lebensbedingungen aufgezwängt. „Essen ist immer politisch“, sagte die Regisseurin und Autorin, die auch als Dramaturgie-Professorin der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film arbeitet. Diesen Mittwoch wird die Wahlmünchnerin 66.

Mit der turbulenten Beziehungskomödie „Männer“ war sie als Regisseurin und Drehbuchautorin Mitte der Achtziger richtig groß herausgekommen. Als der Film mit Heiner Lauterbach und Uwe Ochsenknecht 1985 im Kino Erfolge feierte, wurde Doris Dörrie gerühmt für ihre scharfe Beobachtungsgabe, die Leichtigkeit ihres Humors und ihr Gespür für den Nerv der Zeit.

Viele Werke folgten und Dörrie fand zu einer ganz eigenen Filmsprache, mit der sie Themen wie Familie, Selbstfindung und Zwischenmenschliches auslotete. Auch in ihren Büchern ist vieles davon zu finden.

Ein Höhepunkt ihres bisherigen Schaffens: ihr vielgerühmtes Drama „Kirschblüten - Hanami“ mit Elmar Wepper und Hannelore Elsner. Ein Film, der sich mit Tod und Vergänglichkeit auseinandersetzt. Und der in Japan spielt, einem Land, dem sich Dörrie sehr verbunden fühlt und das immer wieder in ihren Werken eine Rolle spielt, etwa in der Fortsetzung „Kirschblüten & Dämonen“ oder in „Grüße aus Fukushima“, einem eindringlichen Werk über die Region rund um das Atomkraftwerk, die bei einer Kernschmelze 2011 nuklear verseucht wurde. Sogar eine ihrer Operninszenierungen verlegte sie nach Japan: „Admeto“ von Georg Friedrich Händel.

Woher stammt diese Japan-Begeisterung? „Keine Ahnung, warum es mich da so hinzieht“, sagte Dörrie einmal dem Berliner „Tagesspiegel“. Sie kämpfe auch mit dem Land, seiner Machomentalität und der reaktionären Politik. „Dagegen steht die große Aufmerksamkeit für alles, was unser Leben ausmacht. Die Neigung, allen Dingen gleichwertig Beachtung zu schenken. Das hat viel mit Shintoismus und Animismus zu tun, die Dinge nicht voneinander zu trennen, sondern sie immer in Verbindung zu sehen.“

Es sind schmerzhafte Themen, die sie oft aufgreift. Ein Mann, der nach dem Tod seiner Frau nach Japan reist, um ihre Träume nachzuholen wie in „Kirschblüten - Hanami“. Oder die Gefühlsstarre der Menschen, die nach der Atomkatastrophe in Fukushima in einer apokalyptisch anmutenden Welt ausharren. Auch Dörrie selbst hat schwere Zeiten hinter sich. 1996 starb ihr Mann, der Kameramann Helge Weindler, nach schwerer Krankheit. Sie habe lange gebraucht, um über den Verlust hinwegzukommen, erzählte sie später dem „Süddeutsche Zeitung Magazin“. „Und wenn man, als Hinterbliebener, so durchlässig wird, so viel Schmerz fühlt, fühlt man auch mit anderen stärker mit. Der Schmerz macht uns zu Menschen.“