Scheinstudium Studieren zum Schein? Das berichten Thüringer Universitäten
Wer einen Studentenausweis hat, erhält oft Vergünstigungen. Doch wird dieses System auch ausgenutzt?

Jena/Erfurt - Sich an der Universität einschreiben, nur um sich Vorteile oder ein günstiges Bahnticket zu sichern? Viele Hochschulen und Universitäten im Freistaat haben keinen Überblick darüber, wie viele ihrer Studierenden zum Schein eingeschrieben sind. „Für die Universität ist es nicht möglich, sicher festzustellen, ob ein Studium ernsthaft betrieben oder lediglich formal aufrechterhalten wird“, sagte eine Sprecherin der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Es gebe daher auch keine Schätzungen, wie viele Studierende nur zur Inanspruchnahme von Vergünstigungen eingeschrieben seien.
Ähnliches teilten die Universität Erfurt, die TU Ilmenau, die Bauhaus-Universität in Weimar sowie die Hochschule Erfurt mit. Die Ernst-Abbe-Hochschule (EAH) in Jena sprach von „seltenen Ausnahmefällen“. Weniger als ein Prozent der Studierenden habe mehr als ein Jahr seit Studienbeginn keine erfolgreichen Prüfungsleistungen erbracht.
Beratung, Unterstützung und Studiengebühren
Eine Sprecherin der Universität Erfurt betonte, es gebe unterschiedliche Ursachen, wenn der Abschluss manchmal nicht gelinge oder länger dauere - das seien etwa Care-Arbeit, Erwerbstätigkeit neben dem Studium oder gesundheitliche Probleme. Dafür gebe es Beratungs- und Unterstützungsangebote.
Generell gehen mehrere Hochschulen davon aus, dass es schwieriger geworden ist, sich langfristig einzuschreiben, ohne Prüfungsleistungen zu erbringen. So sagte etwa eine EAH-Sprecherin, dass es in vielen Studiengängen mittlerweile regelmäßige Leistungsnachweise oder Prüfungen, die zu einem bestimmten Semesterstand abgelegt werden müssten, gebe. Die Sprecherin der Uni Jena verwies auch auf Langzeitstudiengebühren.
Welche Vergünstigungen es gibt
Nach Angaben des Studierendenwerkes kostet der Semesterbeitrag an den meisten Unis und Hochschulen ab dem Sommersemester rund 304 Euro, also monatlich rund 51 Euro. Darin ist auch ein Deutschlandticket enthalten - aktuell kostet so ein Ticket im regulären Verkauf 63 Euro. Auch bei Eintritten gibt es oft Ermäßigungen. In Einzelfällen können sich Studenten auch vom Rundfunkbeitrag befreien lassen.
Dass es solche Vergünstigungen gebe, habe den Zweck, Studierende finanziell zu entlasten, weil ein Studium Zeit binde, hieß es von der EAH. Eine Einschreibung, nur um die Vorteile zu erlangen, sei unsolidarisch und könne zusätzlichen Verwaltungsaufwand bedeuten. Auch die Uni Jena sieht das kritisch. „Für die Universität bedeutet dies einen zusätzlichen Verwaltungsaufwand, etwa bei Immatrikulation, Rückmeldung, IT-Systemen und Prüfungsverwaltung. Es verzerrt zudem die Absolventenstatistik.“