Winterwetter Tau fordert Einsatzkräfte – Wetterlage normalisiert sich
Rund 20 Grad Temperaturunterschied zum Wochenende - Hamburg taut leicht auf. Das bringt neue Einsatzfelder. Denn die milderen Temperaturen lassen nicht nur Eisklumpen herabstürzen.

Hamburg/Kiel - Nach der Blitzeisgefahr kommt das große Tauen: Hamburgs Einsatzkräfte haben aufgrund der milderen Temperaturen weiterhin viel zu tun. Polizei und Feuerwehr seien auch am Dienstag zu mehreren Einsätzen ausgerückt, sagte ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg. Abgebrochene Äste, große Pfützen auf den Straßen und Eisklumpen über der A7 seien einige Beispiele für die Einsätze.
Zur konkreten Zahl der witterungsbedingten Einsätze konnte der Sprecher zunächst nichts sagen. Den Angaben zufolge habe es aber keine witterungsbedingten Unfälle oder Notfälle mit Verletzten oder Schwerverletzten gegeben.
Bereits am Abend war die Feuerwehr mehrfach ausgerückt, weil Schmelzwasser in Wohngebäude eingedrungen war. Auch wegen zunehmender Schneelast auf Dächern – durch den Regen wird der Schnee nasser und schwerer – sei die Feuerwehr häufig gerufen worden.
Im Süden Schleswig-Holsteins war es in der Nacht zu mindestens 20 Glätteunfällen mit drei Leichtverletzten gekommen. In den anderen Teilen Schleswig-Holsteins sei es in der Nacht hingegen ruhig geblieben. Auf der A1 kam es zu mehreren Auffahrunfällen, bei denen auch ein Reisebus und ein Lastwagen beteiligt waren, wie eine Polizeisprecherin sagte. Kurzzeitig sei die Autobahn deswegen auch in beide Richtungen gesperrt gewesen. Verletzt habe sich dabei aber nur eine Person leicht.
Elbtunnel wegen herabstürzender Eisklumpen gesperrt
Weil größere Teile von Schnee und Eis kurz vor dem Elbtunnel auf die Fahrbahn zu stürzen drohten, war zudem die Autobahn 7 in Richtung Norden für gut zwei Stunden gesperrt worden. Die Feuerwehr war mit zwei Spezialfahrzeugen im Einsatz und befreite die Lamellen am südlichen Tunnelportal von den sogenannten Eisplanken, wie ein Sprecher der Autobahn GmbH des Bundes der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg sagte.
Einsätze dieser Art seien durchaus selten. „Das ist schon eine besondere Situation, dass der Schnee so lange liegen bleibt und sich so verhärtet. Das haben wir hier im Norden eher selten.“
Ostsee-Eis schmilzt
Das zuletzt entstandene Eis entlang der deutschen Ostseeküste wird nach Angaben des zuständigen Bundesamtes in den kommenden Tagen schrumpfen. Die Lufttemperaturen stiegen zumeist auf über 0 Grad, wobei es im Osten geringfügig kälter sei als im Westen, teilte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) mit. „Entlang der schleswig-holsteinischen Küste wird das dünne Eis meist zügig schmelzen. Weiter östlich wird das dünne Eis in den kommenden Tagen ebenfalls verschwinden.“ Das dickere Eis in Boddengewässern und auf dem Stettiner Haff wird sich demnach noch etwas halten, aber ebenfalls langsam schmelzen.
Polizei findet Leiche in Zelt auf verschneiter Lombardsbrücke
Auf der Lombardsbrücke zwischen Binnen- und Außenalster hat die Polizei zudem die Leiche eines 59 Jahre alten Mannes vor einem Zelt gefunden. Es gebe keine Anzeichen von Fremdeinwirkung oder Suizid, sagte eine Polizeisprecherin.
Keine Parkplätze zum HSV-Spiel wegen der Schneeschmelze
Das Tauwetter bringt auch mit sich, dass beim HSV-Heimspiel das Parken direkt am Volksparkstadion nicht möglich sein wird. Wegen des Tauwetters und der Schneeschmelze werden am Volksparkstadion keine Parkplätze zur Verfügung stehen. „Ausschließlich Fahrzeuge mit VIP-Parkschein erhalten eine Zufahrtsberechtigung“, teilte der HSV am Vormittag in einer Mail an alle Stadionbesucher mit.
Da ebenfalls am Dienstagabend ein Bushido-Konzert in der benachbarten Barclays Arena stattfindet, befürchten die Veranstalter weitere Verzögerungen bei der An- und Abreise zum Stadion. Als Reaktion darauf werden vom S-Bahnhof Othmarschen aus diesmal 24 statt wie sonst zehn Shuttlebusse eingesetzt. Auch die S-Bahn werde nach dem Spiel (20.30 Uhr/Sky) „Sonderzüge einsetzen und in höherer Frequenz verkehren“, teilte der HSV mit.
Blutspender dringend gesucht
Gleichzeitig schlägt das DRK Alarm, weil seit Jahresbeginn nur sehr wenige Blutspenden eingegangen sind. „Winterwetter, Infektionswelle und ein feiertagsbedingter schwacher Jahresstart beim Spendenaufkommen treffen gleichzeitig auf einen unverändert hohen Bedarf in den Krankenhäusern“, berichtete der Blutspendedienst Nord-Ost. Die aktuelle Versorgungslage mit Blutpräparaten sei angespannt und drohe, sich weiter zu verschärfen.
Nach Angaben des DRK mussten in den vergangenen Wochen einige Blutspendetermine aufgrund von Schnee und Eis kurzfristig abgesagt werden. Fanden sie statt, seien viele Termine witterungsbedingt deutlich schlechter besucht gewesen als üblich.
„Bei uns sind aktuell die Bestände mit Blutpräparaten der Blutgruppen Null Rhesus positiv und negativ, sowie A Rhesus negativ besonders niedrig“, sagte eine Sprecherin. „Hier beträgt die Versorgungssicherheit nur unter einem Tag, was viel zu niedrig ist. Wir brauchen rund 3 bis 5 Tage Versorgungssicherheit.“