Region Hannover Tempo 30 – Versuch bringt mehr Sicherheit und weniger Lärm
Die Auswertung eines Modellprojekts in der Region Hannover zeigt: Weniger Tempo bringt einige Vorteile. Was der Verkehrsdezernent an der aktuellen Regelung „sinnfrei“ findet.

Hannover - Ein Modellprojekt mit Tempo 30 auf Ortsdurchfahrten in der Region Hannover hat zu mehr Verkehrssicherheit, weniger Lärm und zur überwiegenden Zustimmung der Bevölkerung geführt. Die Auswertung zeige, dass die Geschwindigkeiten auf den untersuchten Strecken im Schnitt um etwa zehn Prozent gesunken seien, sagte Verkehrsdezernent Ulf-Birger Franz (SPD).
An dem Modellversuch hatten 17 Umlandkommunen sowie mehrere Strecken in der Landeshauptstadt Hannover teilgenommen. Die Auswertung in den Umlandkommunen ist inzwischen abgeschlossen, die Ergebnisse aus der Stadt Hannover sollen später folgen.
Geschwindigkeiten teils um bis zu 20 Prozent zurückgegangen
Allein durch die Beschilderung mit Tempo 30 seien die Geschwindigkeiten auf einzelnen Strecken um bis zu 20 Prozent zurückgegangen, berichteten die Gutachter des beauftragten Planungsbüros. Deutliche Verringerungen seien vor allem auf Streckenabschnitten mit zuvor eher hohen Geschwindigkeiten und häufigeren Überschreitungen von Tempo 50 erreicht worden.
Das Modellprojekt habe zudem keine Gewöhnungseffekte erkennen lassen. Das bedeutet: Die Verkehrsteilnehmer brauchten zum einen keine Zeit, um sich ans neue und niedrigere Tempo 30 zu gewöhnen. Zum anderen sei die durchschnittliche Geschwindigkeit auch nach dem länger geltenden Tempo 30 nicht wieder gestiegen. Auch die Lärmemissionen vorbeifahrender Fahrzeuge seien tendenziell gesunken – allerdings je nach Strecke unterschiedlich stark.
Verkehrsdezernent kritisiert „sinnfreie“ Regelung
Nach Angaben der Region wird Tempo 30 auf einer der untersuchten Strecken nicht weitergeführt. Auf zehn weiteren Strecken sei eine Fortsetzung kurzfristig ganz oder teilweise möglich, hieß es. Dort prüften die zuständigen Straßenverkehrsbehörden die rechtlichen Voraussetzungen. Auf anderen Strecken sei eine Fortführung im aktuellen Rechtsrahmen schwierig.
Verkehrsdezernent Franz sagte: „Nach wie vor ist es zum Beispiel auf einem Schulweg so, dass Sie – wenn die Schule direkt an die Straße grenzt – leicht Tempo 30 verhängen dürfen. Wenn die Schule aber in der nächsten Seitenstraße ist, dürfen sie das nicht.“ Diese Regelung sei „einfach sinnfrei, weil das für die Querung der Straße durch Schulkinder keine Bedeutung hat“.
Mehrheit der Befragten befürwortet Fortsetzung von Tempo 30
Der SPD-Politiker sprach sich für Änderungen der gesetzlichen Vorgaben aus. Ziel sei es, Kommunen mehr Möglichkeiten zu geben, Tempo 30 anzuordnen, etwa an Schulwegen oder in Ortszentren.
Eine nicht repräsentative Online-Befragung in drei Ortsteilen habe eine überwiegend positive Resonanz ergeben, sagte Franz. Laut den Zahlen befürworten zwischen 55 und 65 Prozent eine Fortsetzung der Tempo-30-Regel. Rund 200 Personen nahmen demnach an der Befragung teil.