Prozess in Norwegen Tinder-Date: Vergewaltigte Høiby eine Frau im Surfurlaub?
Während eines Urlaubs mit Kronprinz Haakon soll der Sohn von Norwegens Kronprinzessin laut Anklage eine Frau vergewaltigt haben. Marius Borg Høiby hatte sie zuvor auf Tinder kennengelernt.

Oslo - Im Gerichtssaal 250 in Oslo geht es am Dienstag um den schwersten der Vorwürfe im Prozess gegen Marius Borg Høiby: Der älteste Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit soll im Oktober 2023 eine Frau vergewaltigt haben, während das mutmaßliche Opfer schlief. Außerdem soll er knapp fünf Sekunden lang ihren nackten Unterleib gefilmt haben.
Bei einem Surfurlaub auf der norwegischen Inselgruppe Lofoten hatten sich die beiden auf der Dating-App Tinder kennengelernt. Einen Screenshot von dem Match mit Høiby schickte die Frau einer Freundin, wie norwegische Medien berichteten. Aus Spaß habe sie so etwas geschrieben wie „Jetzt werde ich endlich ein C-Promi“. Doch was als Date begann, endet nun in einem Vergewaltigungs-Prozess - mit dem norwegischen „Bonusprinzen“ auf der Anklagebank.
Kronprinz besuchte Filmabend mit seinem Stiefsohn
Vor Gericht sagt das mutmaßliche Opfer laut der Zeitung „Verdens Gang“ aus, bei dem Match mit Høiby habe dessen Bekanntheit kaum eine Rolle gespielt - für sie und ihre Freundinnen sei es aufregender gewesen, dass Kronprinz Haakon seinen Stiefsohn bei dem Trip auf die Lofoten begleitet habe.
„Haakon und ich interessieren uns beide fürs Surfen“, sagt Marius Borg Høiby am Dienstag im Gerichtssaal laut „Verdens Gang“. Die Zeit vor dem Urlaub beschreibt er als schwierig. Haakon habe zu ihm gesagt: „Jetzt machen wir einen Ausflug“. „Das war, um mich für eine Weile aus Oslo wegzuholen. Dann sind wir auf die Lofoten“, kommentiert Høiby laut „Verdens Gang“ vor Gericht.
Dort hätten der Kronprinz und sein Stiefsohn an dem fraglichen Tag einen Filmabend besucht, zu dem auch das mutmaßliche Opfer mit Freunden gekommen sei. Zusammen seien Høiby und sie später in die Wohnung der Frau gegangen, die sie sich mit Freunden teilte - und hätten sich kurz darauf in ein Schlafzimmer zurückgezogen.
„Ich war wie gelähmt und hatte die Augen geschlossen“
Dort hätten die beiden zunächst mehr als einmal einvernehmlichen Sex gehabt, sagt die Frau laut „Verdens Gang“ aus. Høiby habe zwischendurch mehrfach den Raum verlassen und sie sei eingenickt, weil sie so müde gewesen sei. Einmal sei sie aufgewacht, als er das Zimmer wieder betreten habe - danach hätten sie erneut Sex gehabt.
Einmal aber sei sie erst zu sich gekommen, als er schon in sie eingedrungen sei. „Ich erinnere mich, wie ich aufgewacht bin und einen kleinen Schock bekommen habe“, schildert sie laut „Verdens Gang“. „Danach lag ich einfach nur da und habe nichts getan. Ich war wie gelähmt und hatte die Augen geschlossen. Als ich wieder zu mir kam, war es vorbei.“
Høiby bestreitet die Vergewaltigung - wie mehrere andere schwere Sexualstraftaten, die ihm in dem insgesamt 38 Anklagepunkte umfassenden Prozess vorgeworfen werden. Während der Staatsanwalt das mutmaßliche Opfer befragt, sitzt der 29-Jährige zwischen seinen Verteidigern, Petar Sekulic und Ellen Holager Andenæs. Ab und zu macht er sich Notizen in einem Block.
Høiby: Vergreife mich nicht an schlafenden Frauen
Dann ist die Verteidigung an der Reihe. Ellen Holager Andenæs zielt bei der Befragung des mutmaßlichen Opfers auf mögliche Unstimmigkeiten ab, die die Aussage der Frau betreffen: In einem ersten Gespräch mit der Polizei hatte sie den Vorfall zunächst selbst nicht als sexuellen Übergriff bewertet. Erst mit Hilfe der Person, die sie befragt habe, sei ihr klar geworden, dass sie Opfer einer Straftat geworden sei, so die Frau laut „Verdens Gang“.
Marius Borg Høiby spricht dagegen am Nachmittag der Zeitung zufolge von „ganz gewöhnlichem, freiwilligen, schönen Sex“. Er vergreife sich nicht an schlafenden Frauen: „Ich verstehe das nicht: Wenn wir schon mehrfach Sex hatten - wieso in aller Welt soll ich mit ihr geschlafen haben, während sie nicht wach war?“ Während der 29-Jährige seine Aussage macht, hört ihm das mutmaßliche Opfer norwegischen Medien zufolge aufmerksam zu.
Auch eine Frau, die Høiby im Genitalbereich berührt haben soll, während sie nach eigener Aussage ein Blackout hatte, ist demnach als Zuhörerin vor Gericht. Um ihren Fall, der sich 2018 in der Residenz von Norwegens Kronprinzenpaar abgespielt haben soll, drehte sich der Prozess in der vergangenen Woche.
Neue Vorwürfe gegen Marius Borg Høiby
Von der Anklagebank geht es für Marius Borg Høiby direkt zurück in die Untersuchungshaft. Dort sitzt der Norweger, nachdem er kurz vor Auftakt des Prozesses Anfang Februar erneut festgenommen worden war. Er soll mit einem Messer gedroht und gegen ein Kontaktverbot verstoßen haben. Diese Vorwürfe bestreitet Høiby laut der Nachrichtenagentur NTB. Er gehe gegen die U-Haft aber nicht in Berufung, weil er sich auf den laufenden Prozess konzentrieren wolle, sagt sein Anwalt. Ob die neuen Vorwürfe Teil der Verhandlung werden, ist noch unklar. Der Prozess wird noch bis mindestens Mitte März laufen.