Im zweitgrößten Land Europas wurde seit 1991 kein Tierheim gebaut

Tod im Feuer - die Ukraine streitet um verwilderte Hunde

Kiew (dpa) l Wenn es Nacht wird in der Ukraine, ziehen die Hundefänger los. Zwei Männer fangen die Tiere, indem sie Köder mit Betäubungsmittel auslegen. Die oft ausgehungerten Vierbeiner sind in benommenem Zustand leicht zu packen. Die Männer stecken die Streuner in Kartoffelsäcke und werfen sie in einen Wagen. Nachdem einige Stellen abgeklappert sind, werden die Hunde zu einer Sammelstelle gefahren, wo ein dritter Mann mit dem "mobilen Krematorium" wartet. Die Ladeklappe wird geöffnet und der Straßenköter ins Feuer geworfen, haben Tierschützer recherchiert.

Einen "Bestialischen Umgang" mit herrenlosen Hunden werfen sie den Behörden vor. In mehreren Städten seien Streuner in "mobilen Krematorien" auf grausame Weise getötet worden, sagt Tamara Tarnawska von der Bürgerinitiative SOS. Erst nach internationalen Protesten sei die Praxis gestoppt worden - zumindest offiziell. "Keiner weiß, ob die Öfen tatsächlich abgeschafft wurden", betont Tarnawska. Die "Krematorien" waren 2009 angeschafft worden, laut Haushaltsplan als "umweltfreundliche Maßnahme".

Reaktionen aus der Bevölkerung zeigen indes, dass die Mehrheit den kompromisslosen Kampf begrüßt. Aus Sicht vieler Menschen werden verwilderte Hunde, die Kinder angreifen und Passanten beißen, zunehmend zur Plage. In Kiew haben sich wie in anderen ukrainischen Städten die Hunde vor allem seit der Finanzkrise 2008 sprunghaft vermehrt. Allein in der Hauptstadt wird ihre Zahl mittlerweile auf 11000 geschätzt. Viele Menschen setzten ihre Haustiere einfach aus, weil ihnen der Unterhalt zu teuer wurde. Heute suchen die ausgemergelten Vierbeiner sogar in dicht besiedelten Gebieten Kiews im Müll nach Fressen.

Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 wurde in dem zweitgrößten Land Europas laut einer amtlichen Statistik kein einziges staatliches Tierheim mehr gebaut.