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Anschlag auf Weihnachtsmarkt Todesfahrer kritisiert psychiatrisches Gutachten

Zuletzt hatte der Angeklagte in seiner Glaskabine immer mal wieder gewütet. Das Mikrofon wurde abgestellt. Nun schlägt der 51-Jährige ruhigere Töne an. Gebremst werden muss er dennoch.

Von dpa Aktualisiert: 10.02.2026, 14:15
Ein Blick auf die Hände des Todesfahrers vom Magdeburger Weihnachtsmarkt. (Archivbild)
Ein Blick auf die Hände des Todesfahrers vom Magdeburger Weihnachtsmarkt. (Archivbild) Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Magdeburg - Zuletzt hatte er in seiner Glaskabine getobt - nun hat der Todesfahrer vom Magdeburger Weihnachtsmarkt ruhig gut zweieinhalb Stunden lang den psychiatrischen Sachverständigen befragt, der zuvor sein Gutachten erstattet hatte. In einer anschließenden Erklärung sagte der 51-Jährige, der mehrfach betonte, er sei selbst Psychiater: „Ich bitte darum, dass niemand das Gutachten ernst nimmt.“ Es enthalte Fehler und falsche Schlussfolgerungen. Den Gutachter bezeichnete er als parteiisch.

Der Angeklagte hatte zuvor kleinteilig Einschätzungen des psychiatrischen Sachverständigen Bernd Langer hinterfragt, der bei ihm eine narzisstische Persönlichkeitsstörung, aber keine psychische Erkrankung im engeren Sinne erkennt. Der Gutachter hält den Todesfahrer für voll schuldfähig und damit voll zur Verantwortung zu ziehen für seine Tat. 

Während der Ausführungen des Experten an vorangegangenen Verhandlungstagen hatte der 51 Jahre alte Angeklagte aus Saudi-Arabien seine Ablehnung deutlich gemacht. Er schrie und gestikulierte in seiner Glaskabine, sodass ihm das Mikrofon abgestellt wurde.

Der Angeklagte, der über mehrere Jahre als Arzt im Maßregelvollzug mit psychisch kranken Straftätern arbeitete, hinterfragte nun diverse im Gutachten verwendete Aussagen seiner selbst und Einschätzungen des Psychiaters. Es ging etwa um das enorme Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Selbstdarstellung des Angeklagten, seine übertriebene Betonung eigener Leistungen, Fähigkeiten und Talente, fehlende Empathie sowie die Entwertung anderer Menschen und Schwierigkeiten, mit Kritik umzugehen.

Der 51-Jährige sieht sich selbst als Asylaktivist, der sich insbesondere für saudische Frauen einsetzte. Bei Behörden war er wegen einer Vielzahl von Anzeigen und Schriftwechseln als Vielschreiber eingestuft.

Mosaiksteinchen fügen sich zu einem Persönlichkeitsbild

Der Gutachter Bernd Langer erklärte, der 51-Jährige habe sich nicht zu Gesprächen mit ihm bereit erklärt. Daher habe er Mosaiksteinchen zusammenfügen müssen aus schriftlichen und mündlichen Aussagen von vor der Tat und nach der Tat sowie aus der Hauptverhandlung. Aus diesen vielen Einzelteilen habe er seine Einschätzung gezogen. Es sei daher wenig sinnvoll, nach einzelnen Äußerungen zu fragen. 

Der Vorsitzende Richter Dirk Sternberg ermahnte den Angeklagten mehrfach zu sachlichen Fragen, Erklärungen solle er unterlassen. „Das ist hier keine Diskussionsveranstaltung.“

„Sehen sie sich selbst als psychisch krank, ja oder nein?“

Nachdem der Angeklagte mit seinen Fragen fertig war, wollte Sternberg vom Angeklagten wissen: „Sehen sie sich selbst als psychisch krank, ja oder nein?“ Der 51-Jährige wich mehrfach aus. Schließlich sagte er: „Ich möchte keine Antwort geben.“ Nach der Mittagspause holte der Angeklagte dann zu der langen Stellungnahme aus, in der er das Gutachten kritisierte. Er ging immer wieder auch auf seine Konflikte mit einer Flüchtlingshilfeorganisation und Behörden ein.

Laut Anklage der Generalstaatsanwaltschaft Naumburg hatte der damals 50 Jahre alte Taleb Al-Abdulmohsen am 20. Dezember 2024 einen mehr als zwei Tonnen schweren und 340 PS starken Wagen etwa 350 Meter weit über den Weihnachtsmarkt gelenkt. Der Mann war dabei mit bis zu 48 Kilometern pro Stunde unterwegs. Fünf Frauen und ein neunjähriger Junge starben. Mehr als 300 Menschen wurden verletzt. Der Angeklagte hatte die Tat im Wesentlichen eingeräumt.