Marke geknackt Über 200.000 Kinder bei DLRG: Was die Kleinen dorthin zieht
Eines ist sicher: Die deutsche Bevölkerung altert. Doch bei den DLRG-Lebensrettern scheint die Entwicklung anders zu verlaufen: Es gibt dort immer mehr Kinder. Warum ist das so?

Bad Nenndorf - Es macht ihr einfach Spaß, im Wasser zu sein: Die zehnjährige Emma schwimmt im Verein, bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft - und das bereits länger als ihr halbes Leben. „Ich schwimme schon sechs Jahre dort im Verein“, sagt das Mädchen aus Barsinghausen nahe Hannover. „Ich bin gerne im Wasser.“ Das gilt auch für ihre große Schwester - und darüber hinaus für viele Kinder: Erstmals haben die DLRG-Lebensretter bei den Mitgliederzahlen im vergangenen Jahr die Marke von 200.000 Kindern geknackt.
So scheint die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft sich zunehmend zu verjüngen, während die deutsche Bevölkerung altert: „Auch in einer älter werdenden Gesellschaft haben wir die Chance, weiter genügend Nachwuchs zu finden“, sagt DLRG-Präsidentin Ute Vogt. „Die große Zahl an Kindern, die bei uns Schwimmen lernen möchte, lässt uns optimistisch nach vorn blicken.“
Die Organisation für Wasserrettung stellte 2025 den Angaben zufolge insgesamt einen neuen Mitgliederrekord auf: Zum Stichtag 31. Dezember 2025 wurden 642.082 Mitglieder gezählt - das waren 14.936 oder 2,38 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. „Mit Ausnahme der Zeit während der Corona-Pandemie hält dieser positive Trend bereits seit Jahren an“, berichtet Vogt.
Wie hat sich die Zahl der Kinder bei der DLRG entwickelt?
Binnen eines Jahres stieg die Zahl der Kinder bis zwölf Jahre im Verband um 5.615 oder 2,83 Prozent auf 204.148 - zum ersten Mal waren es damit mehr als 200.000. Der Anstieg zeigt sich in fast allen Altersgruppen: Laut DLRG lag die Zahl etwa der Neunjährigen im vergangenen Jahr bei 31.732 - zehn Jahre zuvor waren es noch 25.668. Bei den Achtjährigen kamen die Rettungsschwimmer im vergangenen Jahr auf 29.756 Mitglieder, während es 2015 erst 24.368 waren. Insgesamt sind knapp die Hälfte der DLRG-Mitglieder - genauer 49 Prozent - 18 Jahre alt oder jünger.
Woran liegt es, dass die Zahl der Kinder steigt?
Der Zuwachs zeigt nach Angaben des Verbandes vor allem, wie hoch die Nachfrage nach Angeboten zum Schwimmenlernen ist - während es in vielen Regionen kaum freie Plätze in Anfängerschwimmkursen gibt. Der Grund: Viele Bäder seien ausgelastet, regional gebe es zudem nicht genügend Schwimmbäder, urteilt die Organisation. „Unsere Ortsgruppen wären oft in der Lage, sich noch stärker für das Schwimmenlernen einzubringen“, sagt Vogt. „Die marode Bäderlandschaft hängt wie ein Damoklesschwert über der Schwimmausbildung - und auch der Rettungsschwimmausbildung.“
Derzeit ist der Verband nach eigenen Angaben gemeinsam mit dem Deutschen Schwimm-Verband im Austausch mit dem Bundeskanzleramt. Es geht um das Modellvorhaben „Deutschland lernt Schwimmen“, in das bis 2029 rund 20 Millionen Euro fließen sollen. Überdies gebe der Bund im laufenden Jahr 250 Millionen Euro für die Sanierung von Schwimmbädern hinzu.
Werden die DLRG-Mitglieder im Durchschnitt tatsächlich immer jünger?
Ganz können sich die Wasserretter dem Trend der alternden Gesellschaft nicht entziehen: Derzeit seien die DLRG-Mitglieder im Durchschnitt 27,9 Jahre alt, sagt ein Sprecher. Das bedeutet: In den vergangenen zehn Jahren ist auch die DLRG älter geworden, nämlich bezogen auf das durchschnittliche Mitglied um rund 32 Wochen: 2015 lag das Durchschnittsalter noch bei 27,3 Jahren.
Wie entwickeln sich die Mitgliederzahlen bei den Erwachsenen?
Am deutlichsten stieg die Mitgliederzahl bei den Erwachsenen in den Altersgruppen der 30- bis 49-Jährigen (plus 3,65 Prozent) und der über 60-Jährigen (plus 4,1 Prozent). „Das freut uns mindestens ebenso, denn in diesen Altersgruppen befinden sich viele der aktiven Mitglieder, die den Nachwuchs im Schwimmen und Rettungsschwimmen ausbilden und an den Badegewässern wachen“, erklärt Vogt. Viele Menschen blieben der DLRG über Jahrzehnte verbunden.
Und wie sieht es in den einzelnen Bundesländern aus?
Eines vorweg: Die Mitgliederzahlen stiegen laut Verband im vergangenen Jahr in allen Bundesländern. Den stärksten Anstieg verbuchten die Lebensretter in Hamburg (plus 8,7 Prozent). Auch die Landesverbände Berlin (plus 4,5 Prozent) und Brandenburg (plus 5,5 Prozent) lagen demnach deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt. Die Ergebnisse im Einzelnen:
· Baden 60.152 (plus 2,61 Prozent)
· Bayern 41.539 (plus 3,05 Prozent)
· Berlin 13.806 (plus 4,46 Prozent)
· Brandenburg 5.027 (plus 5,52 Prozent)
· Bremen 3.169 (plus 2,03 Prozent)
· Hamburg 6.144 (plus 8,67 Prozent)
· Hessen 66.193 (plus 1,61 Prozent)
· Mecklenburg-Vorpommern 5.559 (plus 2,38 Prozent)
· Niedersachsen 104.453 (plus 1,88 Prozent)
· Nordrhein 77.550 (plus 1,38 Prozent)
· Rheinland-Pfalz 35.961 (plus 2,83 Prozent)
· Saar 13.005 (plus 1,27 Prozent)
· Sachsen 4.773 (plus 3,38 Prozent)
· Sachsen-Anhalt 4.741(plus 1,17 Prozent)
· Schleswig-Holstein 36.440 (plus 2,66 Prozent)
· Thüringen 3.521 (plus 2,62 Prozent)
· Westfalen 90.266 (plus 2,74 Prozent)
· Württemberg 69.783 (plus 2,66 Prozent)
Was gefällt der zehnjährigen Emma am Schwimmen im Verein?
Emma aus Barsinghausen hat inzwischen das Schwimmabzeichen in Gold. Jetzt ist sie dabei, das Junior-Rettungsschwimmabzeichen zu machen. Meistens seien etwa zehn Kinder in einer Gruppe, geschwommen werde auf einer 25-Meter-Bahn, erzählt sie. Dabei üben sie Tauchen, auch Streckentauchen, Kraulen, Abschleppen oder Flossenschwimmen.
Warum macht sie das? Wenn man so weit gekommen sei, wolle man auch weitermachen, erklärt die Zehnjährige. Und: Sie habe Freunde im Verein. Es sei zwar anstrengend, aber mache Spaß.
Obendrein gebe es eine Regel in ihrer Familie: das Schwimmabzeichen in Silber als Mindestanforderung. Denn: Die Eltern wünschten sich sehr, dass Ihre Kinder sicher schwimmen könnten, erklärt Emmas Mutter. Der Deutsche Schwimm-Verband urteilt denn auch: Schwimmen lernen, das sollte für alle Kinder so selbstverständlich sein wie Lesen und Schreiben.