Härteres Vorgehen gefordert Voigt: Debatte in Europa zum Kinderschutz in Social Media
Kinder brauchen Freunde statt Follower, sagt Thüringens Ministerpräsident. Warum er eine Abstimmung im britischen Oberhaus begrüßt und Australien im Umgang mit Social Media als Vorbild sieht.

Erfurt - Angesichts einer Abstimmung des britischen Oberhauses für ein Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige hat Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt eine Debatte über das Thema auch in Europa und Deutschland gefordert. „Wir brauchen hier konkrete Schritte. Kinder brauchen Freunde, nicht Follower, und eine echte Welt statt digitalen Dauerbeschuss“, sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt. Es gehe um den Schutz junger Menschen vor Cybermobbing, Sucht und Radikalisierung. „Wer Kinder schützt, stärkt die demokratische Stabilität unserer Gesellschaft“, sagte Voigt.
Zuvor hatten die Mitglieder des House of Lords deutlich für eine entsprechende Gesetzesänderung gestimmt. Die Entscheidung trifft aber letztlich das von der Regierungspartei Labour dominierte Unterhaus. Voigt sagte zur Abstimmung: „Die Entscheidung des britischen Oberhauses zeigt: Europa und Deutschland müssen eine intensive Debatte über den Schutz von Kindern und Jugendlichen in sozialen Netzwerken führen.“
Digitale Polizeistation für Betroffene
Der 48-Jährige hatte bereits am Dienstagabend in der MDR-Sendung „Fakt ist!“ seine Forderung nach einem Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige für einen besseren Kinder- und Jugendschutz im digitalen Raum bekräftigt und eine „digitale Polizeistation“ angeregt, an die sich beispielsweise junge Mädchen wenden könnten, wenn sie im digitalen Raum nach Nacktbildern gefragt wurden. „Dass wir eben da auch Sicherheitsbehörden, gleichzeitig auch Ärzte, Psychologen haben, die auch diese Betreuung machen“, sagte er in der Sendung. Das sei ein Ziel, das die Landesregierung angehe.
Beim Umgang mit sozialen Medien mit Blick auf den Kinder- und Jugendschutz nannte Voigt mehrfach den Weg Australiens als Vorbild.
Australien als Vorbild
Seit gut einem Monat dürfen Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren in Australien keine eigenen Social-Media-Konten mehr haben. Nach Angaben der dortigen Regierung wurden seit Inkrafttreten des entsprechenden Gesetzes am 10. Dezember bereits mehr als 4,7 Millionen Accounts von Kindern und Jugendlichen deaktiviert, gelöscht oder eingeschränkt. Australien hatte als erstes Land der Welt entsprechende Regeln eingeführt und gilt damit als Vorreiter im digitalen Kinderschutz.
Voigt forderte in der MDR-Sendung ein härteres Vorgehen gegen die Betreiber der Social Media Plattformen. „Diejenigen die am meisten auch monetär davon profitieren, werden am Ende nicht die Wächter dafür sein dürfen, dass wir unsere Kinder und Jugendlichen schützen“, sagte Voigt. Es gehe nicht um Zensur, sondern um Kinder- und Jugendschutz. „Mein Eindruck ist: Klare Regeln, eindeutige Strafandrohung auch gegenüber den Social Media Plattformen ist der wirkungsvollste Weg.“ Die Erfahrungen in Australien zeigten, dass es wirke.