Zalando-Schließung in Erfurt Zalando-Betriebsrat: Mehr als 3.000 Arbeitnehmer betroffen
Langsam werden die Folgen der Zalando-Schließung in Erfurt deutlicher. Betroffen sei nicht nur die Stammbelegschaft mit 2.700 Arbeitnehmern, sagt der Betriebsrat.

Erfurt - Nach Einschätzung des Betriebsrats sind von einer Schließung des Erfurter Zalando-Logistikzentrums deutlich mehr Arbeitnehmer als die Stammbelegschaft betroffen. Er gehe von mehr als 3.000 Arbeitsplätzen aus, die durch die Entscheidung des Vorstandes des Dax-Konzerns bedroht seien, sagte der Erfurter Zalando-Betriebsratsvorsitzende Tony Krause nach einem Treffen mit der Landtagsfraktion der Linken in Erfurt. Er nannte unter anderem Zeitarbeiter sowie Mitarbeiter von Dienstleistern, die für den Zalando-Standort teils seit Jahren arbeiteten.
Krause kündigte an, dass der Betriebsrat alle von der Schließungsentscheidung Betroffenen zu einer Versammlung einladen wird, um über die Lage und das weitere Vorgehen zu sprechen. „Die Kollegen wissen nicht, wie es weitergehen soll.“ Zunächst müsse aber eine räumliche Möglichkeit gefunden werden, um mehr als 3.000 Menschen zusammenzubringen.
Betriebsrat will Anhörung
Der Betriebsrat wurde ebenso wie die Landes- und Kommunalpolitik von der Entscheidung des Vorstandes, den großen Logistikstandort zu schließen, in der kommenden Woche überrascht. Verdi-Sekretär Matthias Adorf warf dem Unternehmen vor, den Standort ohne Vorwarnung zu schließen, weil Zalando meine, anderswo kostengünstiger arbeiten zu können. „Das ist ein Signal an die Aktionäre.“ Wie der Betriebsrat pochte er darauf, dass der Vorstand Arbeitnehmerrechte nach dem Betriebsverfassungsgesetz einhält. „Der Betriebsrat hat das Recht, umfassend angehört zu werden.“ Das sei im Vorfeld der Entscheidung nicht geschehen, sagte Betriebsratschef Krause.
Der Fraktionsvorsitzende der Linken im Landtag, Christian Schaft, kündigte die Unterstützung seiner Fraktion für einen Arbeitskampf der Beschäftigten an. Seine Fraktion habe im Landtag bereits drei Dringlichkeitsanfragen gestellt. Dabei gehe es unter anderem darum, wie viele staatliche Zuschüsse Zalando für sein Logistikzentrum in Erfurt erhalten habe. „Es geht auch um Möglichkeiten, Zalando zur Kasse zu bitten“, sagte Schaft.
Welle der Solidarität
Nach Betriebsratsangaben hat die Belegschaft eine Welle der Unterstützung seit Bekanntwerden der Schließungspläne des Logistikzentrums, die im September erfolgen soll, erhalten. Verschiedene Parteien, Politiker, Gewerkschafter, aber auch Vertreter von Fachhochschulen hätten sich gemeldet. „Das Telefon steht kaum still“, berichteten Krause und sein Stellvertreter Frank Roth.
Die Thüringer Landesregierung hat der Belegschaft ebenfalls Unterstützung zugesagt. Es werde von einer eigens dafür gebildeten interministeriellen Arbeitsgruppe nach Investoren, neuen Beschäftigungsmöglichkeiten bei Unternehmen in der Region sowie eine Nachnutzung der riesigen Hallen gesucht.