Neu Delhi (dpa) - Mindestens 23 Menschen sind bei den schwersten Ausschreitungen seit Jahrzehnten in der indischen Hauptstadt Neu Delhi ums Leben gekommen. Hintergrund der Gewalt sind massive Spannungen zwischen der Hindu-Mehrheit und der muslimischen Minderheit. Indien kommt nicht zur Ruhe, seit Premierminister Narendra Modi ein Einbürgerungsgesetz durchgedrückt hat, das nach Ansicht von Kritikern gezielt Muslime diskriminiert. Modis populistische Partei hat vor allem die Interessen der Hindus im Sinn. Diese macht 80 Prozent der Bevölkerung aus.

Insbesondere der Nordosten der Hauptstadt Neu Delhi ist diesmal von Gewaltausbrüchen betroffen. Dort wohnen besonders viele Muslime. Seit Wochenbeginn gingen verschieden Gruppen mit Steinen und Stöcken aufeinander los. Sie setzten Moscheen, Läden, Häuser und Autos in Brand, wie Fernsehbilder zeigen. Rund 200 Menschen seien verletzt worden, hieß es am Mittwoch von einem großen örtlichen Krankenhaus.

Unmittelbarer Auslöser des Gewaltausbruchs in Neu Delhi war eine Rede eines Politikers der hindunationalistischen Regierungspartei von Premier Modi. Darin forderte er die Polizei auf, friedliche muslimische Demonstrantinnen, die ohne Genehmigung den Eingang einer Metrostation blockierten, zu entfernen - ansonsten würde das Volk das tun. Oppositionspolitiker kritisierten, dass solche Reden im mehrheitlich hinduistischen Land zunehmend Hass gegen Muslime schürten.

Generell fühlen sich viele Muslime in Indien zunehmend unwohl. Sie sind die größte Minderheit und machen rund 14 Prozent der Bevölkerung aus. Innenminister Amit Shah etwa nannte Muslime schon "Termiten".

Und nun demonstrieren Zehntausende Menschen seit Wochen gegen das Einbürgerungsgesetz. Dieses erleichtert vielen illegal eingereisten Migranten aus drei mehrheitlich muslimischen Nachbarländern die Einbürgerung - sofern sie keine Muslime sind. Bei einigen Protesten gab es Gewalt und Tote.

Besonders brutal gingen Menschen am Dienstag während des Staatsbesuchs von US-Präsident Donald Trump aufeinander los. Um die Situation unter Kontrolle zu bringen, rief der Regierungschef der Hauptstadt, Arvind Kejriwal, Premierminister Modi auf, das Militär zur Hilfe zu schicken.

Modi hingegen versuchte zu beschwichtigen. Er rief die Bürger der Hauptstadt am Mittwoch auf Twitter auf, friedlich zu sein. Die Politiker seiner Partei warfen ihrerseits der Opposition vor, sie hätten zur Gewalt angestachelt. Sie hätten das Bild Indiens während des Besuchs von Trump beschmutzen wollen, wie es aus dem Innenministerium hieß.

Doch Trump ließ sich von der Gewalt nicht beeindrucken. Er sagte, Modi habe ihm versichert, dass es in seinem Land Religionsfreiheit gebe. Wenige Kilometer von den Ausschreitungen entfernt, schwärmte er am Dienstag in einem Luxushotel von der "phänomenalen Zukunft" Indiens. Und seine Gattin Melania Trump nahm an einer Schulstunde zum Thema Glück teil - eine solche steht an öffentlichen Schulen in der Hauptstadt jeden Tag auf dem Programm. Doch im Nordosten Neu Delhis, wo es die Proteste gab, fielen die Glücksstunden am Mittwoch aus. Dort blieben die Schulen wegen der Gewalt geschlossen.

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Bericht The Week