Magdeburg l Wohl jeder Autofahrer kennt es: Wer nicht den Luxus einer Garage genießt, darf im Winter häufiger seine Autoscheiben freikratzen. Grund: Feuchtigkeit und Kälte legen einen hartnäckigen Schleier auf die Fenster. Typischerweise kommt nun der Eiskratzer zum Einsatz. Aber ist das wirklich notwendig? Welche Mittel am besten funktionieren, wissen die Experten Christine Rettig, ADAC-Sprecherin für Sachsen-Anhalt, und Florian Bock, Autoglaser in Magdeburg:

Tipp 1: Abdecken mit Folie oder Papier?
Das Einzige, das zuverlässig gegen Eis auf der Scheibe hilft, ist eine Abdeckung. Ansonsten gibt es kein Allheilmittel. Da sind sich beide Experten einig. Sie raten zu einer Folie für die Windschutzscheibe. Papier dagege kann an der Scheibe festfrieren.

Tipp 2: Socken
"Hilfreich ist es auch, Socken über die Außenspiegel zu ziehen oder die Spiegel zumindest anzuklappen. Damit vermeidet man, dass die Spiegelflächen zufrieren. Außerdem hilft es gegen Sachbeschädigungen", so Rettig. Autobesitzer können auch feuchtigkeitsabsorbierende Mittel, zum Beispiel Katzenstreu oder ungekochter Reis, in Socken füllen und diese ins Auto legen. Dadurch beschlagen die Scheiben von innen weniger. 

Tipp 3: Scheibenversiegelungen
Werkstätten und Autoglasereien bieten Scheibenversiegelungen an. Diese bewirken, dass das Eis nicht so stark an der Scheibe haftet und es sich so einfacher entfernen lässt. Das Eis wird dann nur noch von der Scheibe heruntergeschoben, erklärt Bock.

Tipp 4: Rasierschaum und Essig
Bei beschlagenen Scheiben rät der Fachmann zu Hausmitteln. „Rasierschaum und Essig funktionieren tatsächlich", so Bock. 

Tipp 5: Schwamm und Lappen
Rettig bleibt da bei den herkömmlichen Methoden. „Ein saugfähiger Schwamm beziehungsweise Lappen sind unerlässlich, generel beschlagen gut gereinigte Scheiben weniger", so die ADAC-Sprecherin.

Tipp 6: Enteisungsspray 
Bock hält nichts von handelsüblichen Scheibenenteisern. "Diese Mittel basieren vor allem auf Alkohol und wenn die Scheibe ein bisschen schmutzig ist, schmieren sie sehr stark." Durch das Nachputzen benötigt man letztendlich mindestens genauso viel Zeit wie fürs Kratzen ohne Spray.

Tipp 7: Eiskratzer
Rettig rät, verschiedene Eiskratzer im Auto zu haben. "Bei sehr dickem Eis sollte man aber keinen Kratzer mit langem Stiel benutzen, da man mit diesem nicht genug Kraft aufbringt." Bei einer dickeren Eisschicht auf dem Auto hilft es, wenn man doch zu Scheibenfrei greift. "Damit schafft man sich dann den Vorteil, dass man überhaupt erstmal mit dem Eiskratzer auf die Scheibe kommt und nicht in mehreren Schichten kratzen muss."

Tipp 8: Scheibenwischer
Ein entscheidender Faktor ist auch der Zustand der Scheibenwischer. Um die Lebensdauer der Wischblätter zu verlängern, rät Rettig, die Scheibenwischer nach dem Abstellen des Autos aufzustellen. "Dann können die Wischblätter nicht festfrieren und werden nicht so dolle abgenutzt", so Rettig. 

Tipp 9: Frostschutz
Der Flüssigkeitsbehälter der Scheibenwischanlage muss mit Frostschutz aufgefüllt werden. "Der Handelsübliche bis minus 18 Grad Celsius reicht in Deutschland völlig, extrem kalt wird es ja nicht mehr sehr oft", so Rettig.

Tipp 10: Heißes Wasser?
Bloß nicht! Beide Experten raten davon ab, warmes oder gar heißes Wasser auf die Scheiben zu gießen. „In jeder Scheibe sind kleine Risse, die sind für den Autofahrer kaum sichtbar", so Bock. Ist der Temperaturunterschied zu groß, besteht die Gefahr, dass die Scheibe an den kleinen Rissen vollständig zerreißt. „Der Preis für eine neue Windschutzscheibe beginnt bei etwa 700 Euro", berichtet Bock.

Keinesfalls losfahren dürfen Autofahrer nur mit einem freigekratzen oder freigewischten Guckloch. „Das ist gesetzlich genauso untersagt, wie den den Motor des Autos warmlaufen zu lassen." Diese Vergehen werden mit teils erheblichen Geldstrafen geahndet, berichtet Rettig.