Magdeburg l Lohnt sich Sparen noch in Zeiten von Null-Zins? Wie kann man mehr aus seinen Ersparnissen machen? Fragen zur Geld- und Vermögensanlage beantworteten beim Volksstimme-Telefonforum Gordon Gewinn, Andreas Hauert und Jean Reboné vom Bundesverband deutscher Banken.

Wie kann ich noch eine gute Rendite erzielen?

Die Frage ist, was heißt für Sie „gute Rendite“? Grundsätzlich muss man sich darüber im Klaren sein, dass es Rendite völlig ohne Risiko nicht gibt. Für risikoarme Anlagen liegt die Verzinsung derzeit zwischen null und einem Prozent. Wer mehr will, muss Schwankungen aushalten können. So kann man mit Mischfonds zum Beispiel langfristig etwa drei bis fünf Prozent im Schnitt jährlich erzielen. Doch dafür muss der Anleger Kursschwankungen in Kauf nehmen. Vereinbaren Sie ein Gespräch mit dem Berater Ihrer Bank, der Ihnen je nach Risikoneigung und Anlagezielen ein konkretes Anlagekonzept vorschlagen kann. Sollte Ihnen das nicht zusagen, können Sie natürlich auch einmal bei anderen Banken nachfragen.

Lohnt es sich, in Gold anzulegen?

Gold bringt keine regelmäßigen Zinsen. Und der Goldpreis schwankt stark. Gewinn kann man nur erzielen, wenn der Goldpreis steigt, was aber niemand vorhersagen kann. Da der Goldpreis international in US-Dollar gehandelt wird, müssen Sie zudem Währungsschwankungen berücksichtigen. Wer sein Vermögen breit streuen will, sollte Gold grundsätzlich mit einem kleinen Anteil beimischen, da Gold als „Krisenwährung“ gilt.

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Was halten Sie von offenen Immobilienfonds?

Als ein Baustein der Geldanlage sind offene Immobilienfonds für mittel- bis langfristig orientierte Sparer grundsätzlich geeignet. Sie bieten eine stabile Ergänzung bei schwankenden Märkten. Neuanleger müssen bei offenen Immobilienfonds seit 2013 eine zweijährige Mindesthaltedauer berücksichtigen, inklusive einer einjährigen Kündigungsfrist.

Ich habe einen Teil meines Geldes in Aktienfonds angelegt. Wie schätzen Sie die künftigen Aussichten für die Aktienmärkte ein?

Neun Jahre lang sind die Aktienmärkte gestiegen. Doch auch die Unternehmensgewinne haben zugelegt. Daher gelten die Aktienmärkte generell nicht als überteuert. Solange die Wirtschaftsaussichten gut bleiben, haben Aktien gute Perspektiven. Mit Rückschlägen muss man aber rechnen, zumal man nicht weiß, ob von politischer Seite – Stichwort beispielsweise internationaler Handelskrieg – negative Einflüsse drohen.

Welche Aktienmärkte sind derzeit am interessantesten?

Gute Aussichten neben Aktien aus den USA und Europa bieten aktuell auch wieder Aktien der Schwellenländer. Dort müssen Sie natürlich höhere Schwankungen in Kauf nehmen.

Wie können wir regelmäßig am besten für unseren siebenmonatigen Enkel sparen?

Für Sparkonten gibt es kaum noch eine Verzinsung. Dafür ist das Geld dort sicher durch die Einlagensicherung geschützt. Wenn Sie Renditechancen für Ihr Enkelkind nutzen wollen und langfristig sparen möchten, sollten Sie an einen Fonds-Sparplan denken. Die höchsten Renditechancen bieten dabei langfristig Aktienfonds. Fonds-Sparpläne sind zudem sehr flexible Sparformen: Sie können die Sparrate jederzeit ändern und zwischendurch gesondert Beträge einzahlen. Man muss auch keine feste Laufzeit vereinbaren.

Soll ich in ETFs auch anlegen?

ETFs (sogenannte Exchange Traded Funds) sind kostengünstiger als aktiv gemanagte Investmentfonds. Da ETFs einen Index nachbilden, wie zum Beispiel den Dax, richtet sich die Wertentwicklung nach diesem Index – abzüglich Fondskosten. Hingegen kann ein gutes Fondsmanagement durch eine geschickte Aktienauswahl den Index schlagen.

Ich habe 40.000 Euro gespart. Da das Geld auf dem Sparkonto keine Zinsen mehr bringt, überlege ich, in Aktien anzulegen. Was meinen Sie?

Aktien sind langfristig die besten Vermögensbringer. Doch die Aktienkurse schwanken auch stark. Wenn Sie diese Wertschwankungen aushalten können und langfristig anlegen wollen, könnten Sie einen Teil in breit streuende Aktienfonds anlegen. Halten Sie aber auf jeden Fall einen Teil auf dem Konto als schnell verfügbare Reserve für Notfälle.

Was ist Inflation?

Darunter versteht man eine Entwertung des Geldes – also einen allmählichen Kaufkraftverlust – durch ständige Preissteigerungen. Aktuell ist die Inflationsrate mit etwa 1,5 Prozent gering. Da die Verzinsung für sichere Sparprodukte derzeit gegen null tendiert, führt aber auch die aktuell niedrige Inflationsrate zu einer schleichenden Entwertung der Ersparnisse. Wer das ausgleichen will, benötigt eine Verzinsung, die höher ist als die Inflationsrate. Das geht zum Beispiel mit bestimmten Wertpapieren und Fonds. Doch diese Anlagen sind nicht völlig risikolos.

Welche Anlagestrategie empfehlen Sie einem "konservativen" Kunden, der die Inflation schlagen möchte?

Das sollten Sie in einem persönlichen Gespräch mit Ihrer Hausbank klären. Je nach Risikobereitschaft eignen sich hier zum Beispiel offene Immobilienfonds, konservative Mischfonds und ein Teil Festgeld.

Mir wurde eine Anlage vorgeschlagen mit drei Prozent Rendite. Das klingt ja gut, doch ich weiß nicht, was das für eine Anlage ist? Was soll ich tun?

Lassen Sie sich von Ihrem Berater genau erklären, wie das Geld angelegt wird. Und warum gerade diese Anlage zu Ihren Anlagewünschen und –zielen passt. Scheuen Sie sich nicht, nachzufragen, wenn etwas unklar ist.

Soll ich Fremdwährungsanleihen kaufen, zum Beispiel südafrikanische Rand?

Mit Anleihen in Fremdwährungen können Sie Ihr Portfolio durchaus ergänzen. Bitte beachten Sie aber, dass Währungen schwanken können. Den Zinsvorteil in fremder Währung erkaufen Sie sich also mit einem Wechselkursrisiko. Achten Sie zudem darauf, dass der Emittent der Anleihe solide ist.

Warum gibt es neue Risikoklassen für Wertpapiere?

Die neue Einstufung soll den Anleger noch klarer über die Schwankungsbreite der jeweiligen Anlageobjekte informieren. Hierbei werden historische Entwicklungen mit einbezogen. Insbesondere die Wertentwicklungen in stark schwankenden Jahren führten zum Beispiel bei Aktien und Aktienfonds zur Erhöhung der Risikoklassen.

Ich bin 30 Jahre alt und möchte monatlich 1000 Euro beiseite legen. Aber wie?

Das hängt von Ihren Wünschen und Vorstellungen ab. Ich würde den Betrag aufteilen: Einen Teil Kontensparen, auch wenn es dafür kaum Zinsen gibt. Einen Teil langfristig in Fonds, um Renditechancen zu nutzen. Dafür müssen Sie aber Schwankungen in Kauf nehmen. Die höchsten Renditechancen bieten langfristig Aktienfonds. 

Welchen Anlagehorizont sollte man haben, wenn man – um attraktive Renditen bekommen zu können – in Aktienfonds anlegt?

Je länger, desto besser, weil bei zunehmender Laufzeit das Schwankungsrisiko sinkt. Die Untergrenze liegt bei etwa fünf Jahren, zehn Jahre oder mehr wäre besser.

Ich möchte einen größeren Betrag anlegen, dabei Renditechancen nutzen, aber auch kein zu großes Risiko eingehen, und mich nicht ständig darum kümmern müssen. Was schlagen Sie vor?

Viele Banken bieten vermögensverwaltende Anlagen, bei denen Chance und Risiko auf die persönlichen Bedürfnisse des Anlegers zugeschnitten werden können. Dabei werden Umschichtungen zwischen Aktien und Anleihen durch die Fondsmanager durchgeführt. Lassen Sie sich von Ihrem Bankberater Vorschläge unterbreiten.

Wann steigen die Zinsen wieder?

Die Zinsen am Kapitalmarkt haben bereits etwas angezogen. So bieten 10-jährige Bundesanleihen derzeit wieder etwa 0,6 Prozent, nachdem 2016 die Rendite zeitweise negativ war. Der Leitzins der Europäischen Zentralbank liegt aber unverändert bei null Prozent. Mit deutlichen Zinserhöhungen rechnen wir für die nächsten ein oder zwei Jahre nicht.