Magdeburg l Der Prostatakrebs ist die häufigste Tumorerkrankung des Mannes in Sachsen-Anhalt. Ab dem 45. Lebensjahr tritt der Krebs mit zunehmendem Alter immer häufiger auf. Steht die Diagnose Prostatakrebs fest, stellt sich die Frage nach der richtigen Behandlung.

Noch vor wenigen Jahren gaben Urologen fast immer die Empfehlung zur Operation. „Inzwischen ist die Therapievielfalt größer und abhängig vom Tumorwachstum, dem Alter und Begleiterkrankungen des Patienten sowie dessen Vorstellungen vom künftigen Leben“, sagt Prof. Dr. Martin Schostak, Direktor der Magdeburger Universitätsklinik für Urologie und Kinderurologie.

Schwierige Operation im Becken

Die Prostata des Mannes liegt im Inneren des kleinen Beckens unterhalb der Blase, an der Harnröhre. Sie ist normalerweise kaum größer als eine Kastanie und wird umgeben von zahlreichen Blutgefäßen sowie Nervenbündeln, die unter anderen für die Penis-Erektion (Gliedsteife) und den Samenerguss sorgen.

Beim Nachweis eines Prostata-Tumors entfernen die Urologen schon seit Jahnzehnten die gesamte Prostata mitsamt der Endstücken der Samenleiter, der Samenblasen und der regionalen Lymphknoten. Dieser chirurgische Eingriff ist größer als bei einer gutartigen Prostatavergrößerung, bei der ein Teil der Prostata erhalten bleiben kann. „Früher war die „Prostatektomie“ (radikale Prostata-OP) mit viel Blutverlust und nicht selten auch mit dauerhaften Nebenwirkungen wie Inkontinenz verbunden“, so Professor Schostak. Inzwischen können schonendere und weniger invasive operative Methoden angewendet werden.

Die heute angewendeten operativen Therapien sind die „offene, nervenschonende Prostatektomie“ und die davon abgeleiteten „Schlüssellochtechniken“ (Laparoskopie), bei denen chirurgische Instrumente über kleine Löcher durch die Haut in den Körper eingebracht werden.

Prostata-Entfernung durch Bauchschnitt

Die offene Prostatektomie gilt als Standardtherapie, an deren Erfolg sich die „Schlüssellochtechniken“ messen müssen. Über einen etwa zehn Zentimeter langen Hautschnitt zwischen Schambein und Nabel, entfernen die Urologen die Prostata mit Teilen der Samenleiter, der Samenblasen und regionaler Lymphknoten. Dabei trennen sie die Prostata von der Blase und verbinden diese direkt mit der Harnröhre. Nach dieser Nervenschonenden OP muss der Patient noch für einige Tage einen Blasenkatheter tragen.

Nach dessen Entfernung kann es zwar vorübergehend zu einem ungewollten Urinverlust kommen. Abhängig vom Alter des Betroffenen und der Erfahrung des Operateurs ändert sich das aber zumeist relativ schnell, so Prof. Schostak.

Minimal-invasive Entfernung

Statistisch sind nach einem Jahr etwa 90 bis 95 Prozent der behandelten Patienten wieder kontinent, d.h. sie benötigen kaum mehr aufsaugende Vorlagen. Neben der offenen OP wird die Prostata immer öfter minimal-invasiv (laparoskopisch) bzw. mit Unterstützung von Robotertechnologien entfernt.

Der Operateur steuert dabei von einem Computerarbeitsplatz Instrumente, die über kleine Hautschnitte in den Körper gebracht werden. Die Roboterunterstützung ermöglicht ein sehr präzises und gewebeschonenderes Operieren. Auch bei diesem Eingriff werden Nervenbahnen geschohnt, die zum absichtlichen Wasserlassen und zum Erektionsvermögen beitragen.

Vorteile gegenüber einem ohne Roboterunterstützung durchgeführten chirurgischen Eingriff sind ein geringer Blutverlust und eine bessere Erholung. Nicht möglich ist eine Prostata-Entfernung durch natürliche Zugänge wie die Harnröhre oder den After. „Bei Patienten mit einen nicht zu aggressiven Tumor, der auf die Prostata beschränkt ist, sind die gennannten Verfahren prinzipiell gleichwertig“, so Prof. Schostak. Die Kosten werden von den Krankenkassen getragen.

Wegen der zunehmenden Zahl von Behandlungsmöglichkeiten wird besonders zur Beratung in interdisziplinären Prostatakrebszentren geraten, deren Qualität von der Deutschen Krebsgesellschaft überprüft und zertifiziert ist. Solche Zentren bieten Patientensprechstunden, in denen Urologen und Strahlenmediziner gemeinsam beraten.