Magdeburg l Fragen rund um den Stuhlgang und die Darmflora standen am gestrigen Dienstagmorgen im Mittelpunkt des aktuellen Volksstimme-Telefonforums. Als Experten am Hörer beantworteten Professor Dr. Ali Canbay und Privat-Dozentin Dr. Ulrike von Arnim von der Uniklinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie in Magdeburg die Leserfragen. Dabei gab es sowohl Fragen zur veränderten Darmfunktion nach der Geburt als auch nach Erkrankungen bei Kindern.

In welchem Rhythmus ist der Stuhlgang noch normal? Besteht die Gefahr einer Vergiftung, wenn man nicht täglich Stuhlgang hat?
Die Stuhlgewohnheiten sind individuell sehr verschieden. Dreimal die Woche Stuhlgang ist genauso normal wie dreimal am Tag. Es besteht keine Gefahr der Vergiftung, wenn man nicht täglich Stuhlgang hat. Von Verstopfung ist erst dann die Rede, wenn der Stuhlgang nur noch ein- bis zweimal pro Woche möglich ist und zudem noch Beschwerden verursacht. Eine chronische Verstopfung liegt vor, wenn diese Situation länger als drei Monate besteht.

Wann sollte man wegen einer Verstopfung einen Arzt aufsuchen?
Ein Arztbesuch ist unbedingt zu empfehlen, wenn eine Verstopfung neu aufgetreten ist und zu Bauchbeschwerden führt.

Ich bin 54 Jahre. Mein Hausarzt hat mir eine Darmspiegelung und eine Untersuchung des Stuhlgangs empfohlen. Was ist besser? Und was sollte man zuerst machen?
Die sicherste Methode für den Nachweis von Darmkrebsvorstufen ist die Darmspiegelung (Koloskopie). Es ist möglich, aber nicht erforderlich, dass Sie zuvor eine Stuhlproben-Untersuchung machen lassen.

Bei mir wurden während einer Darmspiegelung gutartige Polypen festgestellt und gleich entfernt. Muss ich mir wegen Krebs Sorgen machen?
Bei Darmpolypen handelt es sich um noch gutartige Geschwülste, die keine Symptome verursachen. Weil aus den Polypen bösartige Tumoren entstehen können, ist deren Entfernung erforderlich. In den allermeisten Fällen geschieht das mit endoskopischen Techniken.

Seit der Geburt meiner jüngsten Tochter leide ich oft unter Verstopfung. Was kann ich tun? Ich bin jetzt 32 Jahre alt.
Generell zu empfehlen ist eine ballaststoffreiche Ernährung und ausreichende Trinkmenge (täglich etwa zwei Liter), um die natürlichen Darmbewegungen aufrecht zu erhalten und damit Verstopfungen vorzubeugen. Auch täglicher Sport (zum Beispiel Morgengymnastik) kann sich positiv auf die Darmfunktion auswirken. Außerdem gibt es frei verkäufliche und vom Arzt zu verordnende Medikamente, die stuhlregulierend wirken und die auch langfristig eingenommen werden können.

Weil ich öfter unter Verstopfungen leide, hatte ich eine Darmpilzdiagnostik durchführen lassen. Man sagte mir, dass die Ergebnisse „auffällig“ waren. Deshalb wurde mir eine Antipilztherapie empfohlen. Die Symptome haben sich dadurch nicht verbessert. Was kann ich noch tun?
Es gibt bislang keine überzeugenden wissenschaftlichen Belege, dass eine sogenannte Darmpilzdiagnostik einen Nutzen hat. Jeder Mensch hat Pilze im Darm, die zum Teil mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Einen nachweislichen Zusammenhang mit Verstopfungen gibt es nicht.

Ich musste längere Zeit Antibiotika einnehmen. Das hat meinen Stuhlgang durcheinandergebracht. Ich habe häufig Verdauungsprobleme (Verstopfung). Man sagte mir, ich sollte öfter Joghurt essen. Aber das brachte bislang keine Besserung.
Antibiotika können die Zusammensetzung der Darmflora verändern und damit indirekt die Entstehung von Verdauungsproblemen fördern. Nach längerer Antibiotikagabe kann die Darmflora mit probiotischen Präparaten aus der Apotheke aufgebaut werden. Die meist stark gesüßten Joghurts aus dem Supermarkt helfen nicht.

Mein Mann klagt in letzter Zeit häufig über ein Jucken und Brennen am Darmausgang. Was kann die Ursache sein? Und was kann ihm helfen?
Die Symptome können zum Beispiel durch Hämorrhoiden verursacht werden. In leichteren Fällen lassen sich die Beschwerden mit Salben aus der Apotheke lindern, die lokal aufgetragen werden. Wichtig wäre es, andere Ursachen auszuschließen. Zu empfehlen wäre neben einer Darmspiegelung auch eine Enddarmspiegelung.

Vor sechs Jahren wurde bei mir eine Analfistel entfernt. Seit einigen Tagen habe ich wieder Blut im Stuhl. Kann eine neue Fistel entstanden sein? Was kann ich tun?
Sie sollten den Darm mit einer Darmspiegelung (Koloskopie) erneut untersuchen lassen. Prinzipiell kann sich nach Entfernung einer Analfistel eine neue Fistel bilden. Auszuschließen sind auch andere Darmerkrankungen, beispielsweise chronisch entzündliche Darmerkrankungen. Sollten Ihre Beschwerden die Folge einer chronischen Entzündung im Enddarm sein, kann sie mit Medikamenten beziehungsweise Zäpfchen behandelt werden.

Meine Tochter hat mehrmals im Monat Oberbauchschmerzen und ist leicht übergewichtig. Die Gynäkologin konnte nichts feststellen. Ein Heilpraktiker meinte, sie hätte zu viele „Schlacken“ im Körper, die durch Heilfasten abgebaut werden müssen. Wie lange muss das Fasten durchgehalten werden?
Der menschliche Verdauungstrakt ist kein Hochofen, in dem sich Schlacken absetzen. In der Regel verfügt er über ein sehr gutes Reinigungssystem, so dass bei gesunder Ernährung, ausreichend Bewegung und Vermeidung von Übergewicht ein Heilfasten eigentlich unnötig ist. Ihre Tochter sollte die Beschwerden einem Magen-Darm-Facharzt schildern. Eine ärztlich begleitete Behandlung und Übergewichtsreduktion sind zweifellos ratsamer als sogenannte Entschlackungskuren.

Vor über 20 Jahren hatte ich eine Darmoperation mit anschließender Bestrahlung am Enddarm. In den letzten Jahren hat sich eine narbige Verengung entwickelt, die den Stuhlgang erschwert. Was kann man dagegen tun?
Man kann Präparate einnehmen, die das Wasser länger im Darm halten. Ebenfalls kann man versuchen, mit Ballon-Kathetern die Stenose aufzuweiten.

Ich hatte einen Nabelbruch, der vor zwei Jahren operativ behandelt wurde. Dabei wurde mir ein Netz in den Bauch gelegt. Seither habe ist öfter Blähungen, nachdem ich bestimmte Lebensmittel wie Kohl gegessen habe. Kann es einen Zusammenhang mit dem Implantat geben?
Das ist nicht auszuschließen. Möglichweise ist Ihre Darmempfindlichkeit etwas erhöht.

Bei einer ärztlichen Kontrolluntersuchung wurden bei mir zufällig Dickdarmdivertikel festgestellt. Müssen sie entfernt werden? Schmerzen habe ich nicht.
Darmdivertikel sind kleine Ausstülpungen der Dickdarmwand. Schmerzen verursachen sie nur dann, wenn sie sich entzünden. In diesem Fall kommen meist krampflösende Medikamente und Antibiotika zum Einsatz. Um Entzündungen zu vermeiden sind prinzipiell eine ballaststoffreiche Kost und viel Flüssigkeit sowie tägliche Bewegung ratsam. Ein regelmäßiger Stuhlgang reduziert das Risiko von Entzündungen der Divertikel. Nicht schmerzende Divertikel werden nicht operiert.

Ich habe öfter Blähungen und Durchfälle. Mein Hausarzt vermutet als Ursache eine Zöliakie. Es wurde eine sogenannte Mikrobiom-analyse durchgeführt, die aber unauffällig war. Was kann ich außerdem noch machen?
Eine Mikrobiomanalyse allein reicht nicht aus, um die Ursache von Blähungen und Durchfällen herauszufinden. Um eine Zöliakie auszuschließen, ist eine Magenspiegelung mit Entnahme von Proben aus dem Dickdarm zu empfehlen. Sie sollten sich bei einem Gastroenterologien (Fachbegriff für Magen-Darm-Facharzt) vorstellen.

Bei unserer Enkelin (20 Jahre) haben die Ärzte eine Colitis ulcerosa festgestellt. Ist eine Teildarm-Entfernung in so jungen Jahren erforderlich?
Die Colitis ulcerosa ist eine entzündliche Erkrankung des Dickdarmes. Viele Patienten können jahrzehntelang durch entsprechende Medikamente gut geführt werden, so dass sie weitgehend beschwerdefrei ein normales Leben führen können. Allerdings kann diese Erkrankung gelegentlich auch so schwer verlaufen, dass eine Operation notwendig wird. Dabei wird der entzündete Dickdarm entfernt.