Magdeburg l Weil in der altgriechischen Sagenwelt der Göttersohn Prometheus den Menschen das Feuer brachte, ließ ihn Gottvater Zeus an einen Berg ketten. Tag für Tag kam ein Adler, der sich von der Leber des wehrlosen Helden ernährte. Doch Prometheus überlebte, denn seine Leber wuchs über Nacht nach.

Medizinisch betrachtet, hat die Saga durchaus einen wahren Kern: So wie Prometheus besitzen auch wir Menschen eine Leber, die zeitlebens regenerativ ist. Und das hängt mit ihren vielen, überlebenswichtigen Aufgaben zusammen, die Professor Dr. Ali Canbay, Direktor der Magdeburger Uniklinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie, erklärte.

Die Leber reguliert unter anderem den Auf- und Abbau diverser Eiweiße, von Blutgerinnungsfaktoren, Fettsäuren, Stärke und Zucker. Außerdem bewirkt sie die Absonderung von Galle für die Fettverdauung und sie macht giftige Nahrungsbestandteile unschädlich. Weil sie eine überlebenswichtige „Proteinfabrik und Entgiftungsanlage“ ist, macht es Sinn, dass sich die Leber von selbst regenerieren kann.

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Eine Voraussetzung ist allerdings, dass dieses Organ auch Gelegenheiten zur Erholung bekommt, so die in eigener Praxis tätige Leberfachärztin (Hepatologin) Dr. Kerstin Stein.

Eine der häufigsten Lebererkrankungen in der westlichen Welt ist die sogenannte Fettleber. Wie der Name andeutet, handelt es sich dabei um Fetteinlagerungen in der Leber, die durch Alkohol, Übergewicht, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen begünstigt wird, so Dr. Thomas Gottstein, Leiter der Klinik für Gastroenterologie am Klinikum Magdeburg gGmbH.

Risiken für chronische Erkrankungen

Die Fette bewirken Entzündungsreaktionen, die zu einem Umbau gesunder Leberzellen in funktionsuntüchtiges Narbengewebe führen. Werden diese schleichenden Umbauprozesse in der Leber nicht gestoppt, kann es nach Jahren zu einem lebensbedrohlichen Organversagen und zu Krebs kommen.

Indizien einer Überforderung können unter anderem Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Konzentrationsschwächen, Oberbauchbeschwerden und Stuhlgangsveränderungen sein. Begleiterscheinungen in späteren Erkrankungsstadien sind unter anderem Bauchwasser (Erweiterung des Oberbauches), kleine Krampfadern (Varizen), die auf der Haut ein feines Spinnennetz bilden und zu Blutungen in der Speiseröhre führen können.

Veränderungen der Leberfunktion lassen sich unter anderem mit Blutuntersuchungen und Ultraschallkontrollen beim Hausarzt feststellen.

Empfehlung für Diabetiker

Empfohlen wird das besonders Menschen, die ein erhöhtes Risiko haben, zum Beispiel übergewichtige Patienten mit Typ 2-Diabetes sowie Cholesterin- und anderen Fettstoffwechsel-Problemen und Menschen, die regelmäßig Medikamente aufgrund einer chronischen Erkrankung wie beispielsweise Rheuma einnehmen müssen.

Einen leicht schützenden Effekt hat nach epidemiologischen Studien vermutlich schwarzer Kaffee, aber auch eine an Gemüse und Obst reiche Kost sowie tägliche körperliche Bewegung. Auch verschiedene Viren können die Leber schädigen, wie die Mediziner erklärten.

Einen Überblick über moderne Möglichkeiten der operativen Behandlung von Lebererkrankungen gab Professor Dr. Roland Croner, Direktor der Magdeburger Uniklinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Transplantationschirurgie.

Robotoer unterstützen

Er berichtete über neue minimalinvasive und mit Hilfe des Roboters unterstützte Operationstechniken sowie Alternativen von Lebertumoren und Tochtergeschwulsten (Metastasen) aus anderen Organen.

Die Vorträge gibt es hier im Internet.