Magdeburg l Das menschliche Gehirn ist ein Organ, dessen „kleine grauen Zellen“ viel Energie verbrauchen. Diese Energie bekommen die Nervenzellen wohldosiert über den Blutstrom. Wird dieser Blutfluss unterbrochen, z.B. durch ein Blutgerinnsel im Gehirn, sterben in dem mangelversorgten Teil des Gehirns die Nervenzellen binnen Stunden massenweise ab. Damit verbundene Fähigkeiten, z.B. die Sprache oder kontrollierte Bewegung von Händen und Beinen, gehen plötzlich verloren. „Wir bezeichnen das als ischämischen Schlaganfall“, so Dr. Hartmut Lins, Chefarzt der Klinik für Neurologie am Klinikum Magdeburg. „Diese Form eines Hirninfarktes macht etwa 80 bis 85 Prozent aller Schlaganfälle aus.“

Eine in der Öffentlichkeit weniger bekannte Art des Schlaganfalls bezeichnen die Ärzte als „hämorrhagisch“. Dabei handelt es sich um Einblutungen im Gehirn, oftmals verursacht durch ein Leck in einem arteriellen Blutgefäß des Gehirns.

Die Symptome ähneln denen eines Blutgefäßverschlusses im Gehirn:

  • plötzliches Sehen von Doppelbildern
  • plötzlich halbseitige Gefühlsstörungen wie Taubheit oder Kribbeln bzw. Lähmungen
  • plötzliche Kraftlosigkeit in einem Arm/Bein bzw. in einer Körperhälfte, Gangstörungen
  • plötzlich auftretende Sprachstörungen
  • plötzlich eintretende Bewußtseinsstörungen, Schläfrigkeit, Verwirrtheit bzw. Bewußtlosigkeit.

Eine Besonderheit bei einer Hirnblutung ist der unvermittelt einsetzende, sehr starke Schmerz im Kopf oder hinter den Augen. Manche Patienten bezeichnen ihn auch als Donnerkopfschmerz. „Beide Formen des Schlaganfalls sind Notfälle, die einen unverzüglichen Transport in die Notaufnahme erfordern“, so der Magdeburger Neurologe.

Schnelle Diagnostik

In der Notaufnahme müssen die Ärzte im Team aus Neurologen, Neurochirurgen, Radiologen und ggf. auch Intensivmedizinern sich ein Bild machen, ob ursächlich ein Gefäßverschluss oder eine Hirnblutung vorliegt. Das entscheidet über die weitere akute Behandlung. Dazu wird eine sogenannte schnelle CT- Angiographie durchgeführt. „Auf den Aufnahmen kann man erkennen, an welchen Hirngefäßen es zu einem Blutverschluss oder zu einem Leck gekommen ist“, erklärt Dr. Werner Braunsdorf, Chefarzt der Klinik für Neurochirurgie und Wirbelsäulenchirurgie am Magdeburger Klinikum in Olvenstedt. Bildlich können noch Hirnblutgefäße von nur zwei bis drei Millimeter Größe dargestellt werden. Ist die CT-Angiographie nicht ganz eindeutig, wird etwas Rückenmark-Flüssigkeit entnommen, um nach Hinweisen auf Hirnblutungen zu suchen.

Überdruck im Kopf vermeiden

Ist der Patient binnen vier bis sechs Stunden nach dem Auftreten der Symptome in die Klinik gekommen, haben Mediziner noch eine Chance, die Spätschäden durch Sofortmaßnahmen zu begrenzen. Im Fall eines Hirngefäßverschlusses wird versucht, den Blutpropf (Gerinnsel) mit einem Blutverdünnungsmittel oder interventionell mit einem eingeschobenen Katheter zu beseitigen. Blutungen im Gehirn sind oftmals tückischer. Sie erhöhen nicht selten den Druck im Schädel und auf die Nervenzellen. „Um das zu verhindern, wird vorübergehend -durch Eröffnen der Schädeldecke die angesammelte Flüssigkeit aus Gehirn geleitet“, so der Magdeburger Neurochirurg Dr. Braunsdorf. Zudem werden Medikamente verabreicht, die den Blutdruck senken und die Blutgerinnung korrigieren. Bei größeren Blutungen versuchen die Neurochirurgen, das „Leck im Kopf“ zu schließen indem sie keine Metallclips um die Gefäßbruchstelle einsetzen. Neuerdings ist es in manchmal auch möglich, die Blutungen aus Hirnarterien minimalinvasiv zu stoppen. Diese Behandlung ist aber erst an wenigen neuroradiologischen Kliniken (u.a. am Magdeburger Uniklinikum) möglich. „Wir sind natürlich ständig im Kontakt mit den dortigen Kollegen und überweisen Patienten, die für diese Behandlung in Frage kommen“, so Chefarzt Dr. Lins.