Kaffee oder Ananas bekommt man gemeinhin im Supermarkt. Aber Hobbygärtner können solche tropischen Nutzpflanzen auch selber kultivieren. Werden die Ansprüche der einzelnen Arten beachtet, kann die Anzucht im Wintergarten oder im heimischen Wohnzimmer durchaus erfolgreich sein.

Weihenstephan (dapd). "Mit einer wirklich üppigen Ernte ist zwar nicht zu rechnen. Doch mit Glück, Geduld und der richtigen Pflege können Hobbygärtner einige Früchte wachsen sehen", sagt Wolfgang Gerlach, Professor am Institut für Gartenbau an der Fachhochschule Weihenstephan.

Besonders einfach in der Kultur sind Kumquats, sie bescheren ihrem Besitzer meist eine reiche Ernte. Die kleinen Verwandten der Orangen bilden pflaumengroße orange Früchte, die mit Schale gegessen werden. Die Pflanzen werden in Gartencentern in verschiedenen Größen angeboten, auch eine Aussaat ist möglich. Die Kumquats können im Sommer im Freiland stehen, im Winter ist ein kühler Wintergarten ideal. Sie sollten so spät wie möglich eingeräumt werden, unbedingt aber noch vor den ersten Frösten, empfiehlt die Bayerische Gartenakademie. Im hellen Wintergarten stehen die Zitruspflanzen am besten bei 10 bis 15 Grad. Bei diesen Temperaturen wachsen sie auch im Winter weiter und müssen dementsprechend gepflegt werden. "Einmal in der Woche sollte der Wasserbedarf kontrolliert werden. Gedüngt wird alle vier Wochen, da Citrus-Arten auch den Winter über Nährstoffe verbrauchen", raten die Experten der Gartenakademie.

Jede Pflanzengattung hat ihre ganz eigenen Ansprüche an die Pflege. Dies gilt vor allem für die Temperatur. "Zahlreiche tropische Nutzpflanzen wie Wollmispel, Baumtomate und Roter Pfeffer können in unseren Breiten den Sommer über im Freiland stehen. Im Winter benötigen sie jedoch einen Wintergarten", erklärt Wolfgang Gerlach. Eine exotische Nutzpflanze, die das ganze Jahr über einen warmen Standort braucht, ist "Vanilla planifolia", die "Gewürzvanille" oder "Echte Vanille". Diese Orchideenart liefert die Bourbon-Vanilleschoten, die in der Küche verwendet werden. Die stark rankende Pflanze benötige eine hohe Luftfeuchtigkeit von mindestens 50 Prozent und das ganze Jahr eine konstante Temperatur von 20 Grad, informiert das Internetportal orchideenforum.de. Damit sie überhaupt im Frühjahr oder in den Sommermonaten blüht, muss sie mit der Hand bestäubt werden. Bis eine Vanille-Orchidee die ersten Früchte trägt, vergehen aber mindestens drei bis vier Jahre.

Geduld bis zur ersten Ernte brauchen Hobbygärtner auch bei Sternfrucht (Carambola), Papaya, Wollmispel, Passionsfrucht (Maracuja) oder Kaffee. Bei der richtigen Kultur bilden sich aber tatsächlich Früchte an den Pflanzen. "Diese Gattungen sind leicht aus Samen zu vermehren. In der Regel werden dafür frische Früchte gekauft und die Samen in einem warmen Raum ausgesät", sagt Wolfgang Gerlach. Saatgut von Kaffee gibt es nach Auskunft des Experten gelegentlich in Gartencentern zu kaufen. Hobbygärtner müssen sich aber genau über die Besonderheiten der einzelnen Arten informieren: Kaffee beispielsweise braucht etwa sechs Wochen bis zur Keimung. Er entwickelt sich zu immergrünen kleinen Bäumen oder Sträuchern mit weißen, meist duftenden Blüten.

Bei der Ananas wird einfach der abgebrochene Schopf eine Woche getrocknet und anschließend eingepflanzt. Wird die Pflanze richtig kultiviert, wachsen an ihr kleine duftende Früchte.

Keine Ernte ist in unseren Breiten bei Mango oder Avocado möglich, vermehren lassen sich diese tropischen Pflanzen aber dennoch. Die Kerne der Mangos werden nach dem Genuss des Fruchtfleisches am dünnen Ende angeschnitten und anschließend in Erde gesteckt. "Sie keimen langsam und sind nicht einfach in der Pflege", sagt Gerlach. Die jungen Blätter sind relativ empfindlich, außerdem wachsen Mangopflanzen langsam und brauchen immer einen warmen Platz im Haus oder Wintergarten. Die Kerne von Avocados müssen mit der Spitze nach oben eingetopft werden. Die Pflanzen wachsen gut und vertragen im Sommer einen Platz im Freiland, Früchte bringen sie aber auch nicht.