Magdeburg l An besonderen Festtagen und auf Partys lassen die Deutschen gerne die Korken knallen. Zwischen dreieinhalb und vier Liter Schaumwein trinkt jeder Deutsche durchschnittlich pro Jahr: Frauen ebenso wie Männer. Nicht jeder macht sich dabei Gedanken über die physikalisch-chemischen Geheimnisse, die über das Geschmackserlebnis und die Preisunterschiede zwischen Champagner, Prosecco und Sekt entscheiden. Worauf kommt es wirklich an?

Für Freunde der „Formel Eins“ und anderer Autorennen gehört der Korkenknall bei der Siegerehrung zum guten Ton. Laut muss er sein und der Schaumwein muss kräftig herausspritzen. Genießer versuchen hingegen solche Sektduschen zu vermeiden. Ein sanfter Plopp ist angemessen.

Mehr Kohlendioxid als im Mineralsprudel

In Schaumweinen steckt mehr gespeichertes Kohlendioxid als in Sprudelwasser. Sektflaschen müssen daher einem vier- bis sechsfachen Überdruck standhalten. Möglich macht das die stärkere Glasdicke der Flasche und der mit einem Metallgeflecht und Bügel (Agraffe) am Flaschenhals gesicherte Korken. Erst ein kräftiger Zug und der gleichzeitige Dreh bringt den Korken ins Rutschen. Kurz nach dem Plopp entströmt der auf sieben Grad Celsius gekühlten Sektflasche ein weißblaues Gas unter leisem Knistern. Es ist hauptsächlich Kohlendioxid, das beim Öffnen blitzschnell zu winzig kleinen Eiskristallen kondensiert, die für einen kurzen Augenblick einen Nebel über dem Flaschenhals bilden. In Nase und Mund erzeugen die sich auflösenden Gasblasen ein prickelndes Erlebnis, das einzigartig unter allen anderen Getränken ist.

Einer der weltweit teuersten Getränke ist der Champagner. Seine Erfindung verdankt er einem Zufall. Im 18. Jahrhundert hatten französische Winzer aus der Region Champagne einen bereits abgefüllten Wein für den Transport nach England vergessen und unabsichtlich eins zweites Mal gegärt. Ein Benediktinermönch namens Dom Pérignon (1638–1715) stellte fest, dass dieser schäumende Wein durchaus genießbar ist. Er kultivierte das Verfahren, verbesserte die Flaschengärung und erfand die Spezialverkorkung. Die Marke „Dom Pérignon“ zählt heute zu den teuersten Schaumweinen der Welt. Discounter bieten Champagner aber auch schon für unter 20 Euro an. Für die Herstellung eines echten Champagners gelten feste Vorschriften. So müssen die dafür gewonnenen Trauben – das sind hauptsächlich die Rebsorten Pinot Noir (Spätburgunder), Pinot Meunier (Schwarzriesling) sowie Chardonnay – aus der Champagne stammen. Außerdem gelten spezielle Anbauvorschriften (z.B. Handlese) und eine Mindestlagerzeit.

Auch außerhalb der französischen Champagne werden gute Schaumweine erzeugt. Allerdings müssen sie wegen des markenrechtlichen Schutzes einen anderen Namen tragen.

Günstige Alternative zum Schampus

Aus den Anbaugebieten der Loire, dem Elsass und Bourgund stammt beispielsweise der Crémant. Tendenziell ist er zu etwas günstigen Preisen zu kaufen als der Champagner. Geschmacklich muss das keineswegs von Nachteil sein.

Spanische Schaumweine aus Katalonien sind unter dem Namen Cava im Handel. Die meisten kommen aus dem Anbaugebiet Penedès westlich von Barcelona. Der einfache Cava ist mindestens neun Monate gereift, ein Cava-Reserva mindestens 18 Monate und ein Cava Grand Reserva 30 Monate.

Aus der Region Venetien im Nordosten Italiens stammt der Prosecco. Es gibt ihn als Schaumwein (Spumante) und als Perlwein (Frizzante). Ausgangsprodukt sind Weine der Rebsorte Glera. Aus Russland und der Ukraine bekannt ist der „Schampanskoje“. Winzersekt basiert auf Grundweinen, die zu einem Cuvée gemischt und mit dem Zusatz von Hefezellen und Zucker meist länger als sechs Monate gekeltert werden. Am Aufdruck „Deutscher Sekt“ erkennt man, ob die Trauben für den Qualitätsschaumwein aus Deutschland – beispielsweise aus dem Saale-Unstrut-Gebiet – stammen.

Schiffstaufen immer mit Schampus

In allen europäischen Ländern seit über hundert Jahren üblich ist die Schiffstaufe mit einer Flasche Schampus. Eine Ausnahme machen die Schotten, die neue Schiffe mit einer Flasche Whisky taufen. Hier wie dort gilt es als böses Omen unter Seeleuten, wenn die Flasche nicht gleich beim ersten Wurf am Schiffsrumpf zerbricht.

Wurde der Schampus noch zum Ende des 20. Jahrhunderts gerne aus flachen Sektschalen getrunken, sind heute wieder die klassischen, schmalen Champagner-Gläser in Mode. Damit die feinen Blasen gut nach oben perlen und Aroma entfalten können, sollte das Glas nur bis zu etwa zwei Drittel der Höhe eingegossen werden. Einmal geöffnet, ist Champagner, Sekt & Co. nicht länger als einen Tag verschlossen im Kühlschrank aufzubewahren. Der prickelnde Genuss geht nämlich sehr schnell verloren und nichts ist schlimmer als ein fade schmeckender Schaumwein.

Original verkorkt, kühl und an einem dunklen Ort gelagert, können Schampusflaschen länger lagern. Ein Haltbarkeits- oder Verfallsdatum – so wie bei Milch – gibt es nicht. Es ist wie beim Wein: Erst nach dem Öffnen erkennt man, ob das Getränk noch genießbar ist.

Die Süße macht es

Schaumweine gibt es je nach Zuckergehalt in verschiedener Süße, zum Beispiel brut (herb), dry bzw. secco (trocken), halbtrocken und doux (mild). Der Alkoholgehalt liegt zwischen zehn und 13 Prozent. Achtung Autofahrer: Auch wenn „Alkoholfrei“ auf dem Etikett steht, können im Getränk noch bis zu 0,5 Prozent Alkohol enthalten sein.

Perlweine enthalten etwas weniger Kohlensäure als Schaumweine. Deshalb können sie in normale Weinflaschen abgefüllt werden. Ein Beispiel ist der „Prosecco Frizzante“. Er wird in Venetien (im gleichnamigen Anbaugebiet im Nordwesten Italiens) aus der Rebsorte Glera hergestellt. Perlweine dürfen auch mit extra zugefügter Kohlensäure verkauft werden. Sie perlen aber nicht ganz so schön wie der echte Champagner.

Für Preisunterschiede sorgt unter anderem die Art der Kelterung. Ein Sekt, der traditionell in der Flasche gärt, ist tendenziell teurer als ein vor der Abfüllung in großen, druckfesten Tanks von bis zu 200 000 Liter Fassungsvermögen gelagerter Schaumwein.

Hochgenuss in der Schwerelosigkeit

Zum Schluss noch ein Hinweis für Leser, die noch nach dem besonderen Kick suchen. Voraussichtlich ab dem kommenden Jahr wird es möglich sein, auch im Weltraum Schampus zu trinken. Bislang scheiterte das an dem Problem, in der Schwerelosigkeit die Flüssigkeit aus der Flasche zu gießen.

Inzwischen gab jedoch ein britisches Unternehmen bekannt, ein Sekt- flaschendesign für den Gebrauch im Weltraum entwickelt zu haben. Testen können diesen Hochgenuss im wahrsten Sinne des Wortes künftige Weltraumtouristen, die sich einen privaten Kurzausflug ins All finanziell leisten können. Für die Berufs-Astronauten an Bord der ISS bleibt das Trinken von Alkohol weiterhin verboten. Und das schließt auch Schampus ein.