Schönebeck l „Wer will sich als nächstes an die Orgel setzen?“, fragt Birgit Beyer. Die Arme der Kinder schnellen in die Höhe. Die Frage war fast schon überflüssig: Alle Jungs und Mädchen wollen sich näher mit dem großen Instrument in der St.-Jakobi-Kirche beschäftigen. Mit dabei ist auch die große Plüschmaus „Schnurzpiepe“, die in der Orgel wohnt. Einige Kinder bekommen vorübergehend eine Pfeife – entnommen aus der großen Orgel – in die Hand gedrückt, um die Funktionsweise besser zu verstehen.

Im Juni waren Kinder der Teutloff-Tagestätte, der Kita Regenbogen der Johanniter-Unfallhilfe und der Evangelischen Kindertagesstätte St. Laurentii in Frohse bereits zu Gast in der Kirche und konnten die Geschichte von der „Orgelmaus Schnurzpiepe“ mit Kantor Carsten Miseler und Birgit Beyer erleben. Dabei entstand bei den Teutloffkindern der Wunsch, auch mal selber die Tasten auszuprobieren.

Mehrjährige Berufserfahrung

Birgit Beyer ist Sozialarbeiterin und Musiktherapeutin. Zusätzlich arbeitet sie auch als Kirchenmusikerin, weshalb es sich für sie anbietet, Kindern den Bezug – in diesem Fall zur Orgel – zu vermitteln. Die Schönebeckerin hat mehrjährige Berufserfahrung als Erzieherin – unter anderem in einem heilpädagogischen Kindergarten in Thüringen.

Am Instrument dürfen an diesem Termin jeweils drei Kinder Platz nehmen und ausprobieren, wie es klingt, wenn verschiedene Tasten betätigt werden. Ein Kind spielt die tiefen Töne vom Bären, eins spielt die, die an einen flinken Hasen erinnern und ein Kind spielt das kleine zwitschernde Vögelchen in höchsten Tönen. Heute sind die Teutloff-Kinder zu Gast. „Sie sind wirklich gerne hier“, erzählt die Musiktherapeutin.

Der Hintergrund: Sie möchte erreichen, dass Religion ein präsenteres Thema in Kindertagesstätten wird. Ginge es nach Birgit Beyer, sollen die Kitas in Schönebeck in Zukunft „viel mehr eingebunden“ werden. Für viele Kitas sei der Umgang mit dem Thema Kirche immer noch eine Hemmschwelle. Die Jungen und Mädchen interessieren sich aber sehr für die Kirche, sie stellen jedes Mal Fragen, die ihr großes Interesse zeigen, so ihre Erfahrung. Kinder würden sich im Alltag mit philosophischen und religiösen Fragen auseinandersetzen. Dabei tauchen religiöse Aspekte bei Themen wie Familie, Freundschaft, Ritualen und Symbolen oder auch Natur und Schöpfung immer wieder auf. „Kinder suchen nach Antworten“, so Birgit Beyer. Hier könne ein erster Anknüpfungspunkt geschaffen werden.

Es fehlt der Religionsbezug

In den meisten Einrichtungen fehle der Religionsbezug häufig oder wird nur mit einem kleinen Anteil in das Lernen integriert. Bei der Kita Teutloff habe sich schon länger eine Zusammenarbeit angeboten, da diese sich „direkt um die Ecke“ befindet, erzählt die selbst vierfache Mutter. In den vergangenen Jahren sind zwischen der Kirchengemeinde St. Jakobi und der Tagesstätte enge Kontakte entstanden.

Bei einer Veranstaltung in der Adventszeit 2016 kamen von dort zum Basteln für den Weihnachtsbaum in der Kirche sieben bis neun Kinder, dazu zwei Erwachsene. Eine überschaubare Anzahl. Bei der zweiten Auflage wurde Birgit Beyer jedoch überrascht: 30 Kinder und 20 Erwachsene waren dabei, um am Programm teilzunehmen. „Darauf war ich überhaupt nicht vorbereitet“, gibt sie lachend zu. Mittlerweile, erzählt Birgit Beyer schmunzelnd weiter, „behaupten die Kinder, dass ich dahinter stecke, wenn die Kirchenglocke läutet“. Die Jungen und Mädchen haben miterlebt, wie die Kirche 2016 eine neue Glocke bekam.

Die nächste gemeinsame Aktion soll zum Erntedankfest sein – auch für diesen Termin erhofft sich Birgit Beyer viele wissbegierige Kinder. Nebenbei betreut sie noch den „Spatzenchor“, welcher sich donnerstags ab 16 Uhr im Gemeindezentrum St. Jakobi trifft und für Vorschulkinder ab vier Jahren ausgelegt ist. Für die Zukunft kann sie sich auch vorstellen, mit den Jungs und Mädchen spielerisch die Kirche zu erkunden oder den Kirchturm hochzusteigen. Auch in der Adventszeit kann – wie im vergangenen Jahr – gemeinsam gebastelt werden. Es ist schon zur Tradition geworden, dass die Teutloffkinder die Weihnachtsgeschichte mit Kostümen selber spielen und sich in verschiedenen Rollen ausprobieren.

Breitere Zusammenarbeit?

„Vielleicht gelingt so eine Zusammenarbeit auch mit anderen Kitas“, würde sich Birgit Beyer wünschen. An bestimmten christlichen Feiertagen können ebenfalls Programme mit den Kindertagesstätten abgestimmt werden.

Finanziert wird das Angebot vom Kirchenkreis Egeln und der Kirchengemeinde St. Jakobi. „Für die Kinder beziehungsweise ihre Eltern fallen dadurch keine Kosten an“, betont Beyer. Sie wünsche sich, auch mit anderen Kindertagesstätten in Schönebeck Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu finden.