Magdeburg l Der Hildesheimer Baustoffhändler Gerhard Bürger hatte Oliver Wendenkampf, Landeschef vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), persönlich in seinem Magdeburger Büro aufgesucht, um ihn auf einer Waldwanderung am Kleinen Winterberg für das Schierker Seilbahnprojekt zu gewinnen. Am vergangenen Mittwoch war es so weit.

„Auch Friedhart Knolle vom BUND Niedersachsen, ein Herr vom österreichischen Planungsbüro und ein Naturschutzplaner waren mit dabei“, erinnert sich Wendenkampf. „Im Wald blieb Herr Bürger plötzlich stehen und fragte mich, ob er mich nicht gegen Entlohnung in die Planung mit einbeziehen könne.“ Mehr noch. Er habe auf seine beiden Chefplaner gezeigt und gemeint, dass er die dann ja nicht mehr brauche, so der BUND-Chef.

Friedhart Knolle bestätigte gegenüber der Volksstimme den Inhalt des Waldgespräches. Bürger selbst ist seit Freitag vergangener Woche trotz mehrfacher Anfragen für die Volksstimme nicht zu sprechen. Der Unternehmer – unter anderem Betreiber von mehreren Hagebau-Märkten – habe viele Termine, heißt es aus seinem Sekretariat.

Wendenkampf selbst ist zwar Diplom-Biologe und hätte die umweltrechtliche Planung des Projektes durchaus übernehmen können. „Aber weder ich noch der BUND sind käuflich“, stellt er klar.

Viel Kritik am Vorhaben

Auslöser für das Angebot im Wald war wohl ein Treffen Mitte Oktober, bei dem erstmals neben Behörden und Investoren auch Umweltverbände zu einer gemeinsamen Beratung über das 25-Millionen-Euro-Projekt der Stadt Wernigerode und der Privatwirtschaft zusammenkamen. Dabei wurde viel Kritik am Vorhaben laut. Geplant ist, zwischen Schierke und dem Loipenhaus am niedersächsischen Wurmberg eine Seilbahn zu bauen. 15 Millionen Euro will eine Investorengruppe um Bürger stemmen. Die Stadt Wernigerode zeichnet für die infrastrukturelle Erschließung verantwortlich. Die dafür veranschlagten 9,9 Millionen Euro will das Land mit 90 Prozent fördern.

Doch wie realistisch sind die Pläne? Oliver Wendenkampf hält es schon aus heutiger Sicht nicht für möglich, das Projekt rechtskonform zu genehmigen. „Ausgleichflächen für die Moor- und Feuchtgebiete anzulegen, ist schlicht nicht möglich. Die Wasserentnahme für den Speichersee zur Beschneiung ist problematisch. Nicht zu vergessen, dass Teile des Waldes im FFH-Vogelschutzgebiet stehen. Und jeder einzelne der Tausenden Bäume, die dort gefällt werden sollen, könnte ein Nistplatz für Brutvögel sein“, nennt er einige Beispiele. Falls sich das Land entschließen sollte, die Baugenehmigungen ohne vorheriges Raumordnungsverfahren (ROV) zu erteilen, werde der BUND das Projekt schon an dieser Stelle auch „rechtlich prüfen lassen“.

Diese Sorge scheint unbegründet. „Es wird mit großer Wahrscheinlichkeit ein Raumordnungsverfahren geben“, sagt Michael Linke, zuständiger Referent im Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr. Dies sei bei touristischen Großprojekten dieser Art ein übliches Verfahren.

Derzeit laufen Gespräche mit den Ministerien in Niedersachsen, wie die Stadt Braunlage, der Landkreis Goslar und die dortigen Naturschutzverbände mit einbezogen werden können. „Die Federführung des Verfahrens soll aber bei Sachsen-Anhalt liegen“, so Linke.

Realistische zeitliche Abläufe

Der Referent sieht die realistischen zeitlichen Abläufe des Genehmigungsverfahrens für das Schierker Seilbahn-Projekt so: Frühjahr 2016 Antragskonferenz des ROV, um mit allen beteiligten Behörden, Kommunen und Verbänden zu klären, was zuzuliefern ist. Liegen bis Ende 2016 alle Zuarbeiten vor, kann das sechsmonatige Raumordnungsverfahren beginnen. Im Sommer 2017 könnte die eigentliche Baugenehmigungsphase mit der Erstellung von Raum- und Umweltverträglichkeitsstudien starten. Diese Genehmigungsphase würde noch 2017 enden, Baustart wäre also vermutlich Anfang 2018. „Vorausgesetzt, gegen die erteilten Genehmigungen wird nicht geklagt“, erklärt Michael Linke.

Ein denkbarer Fahrplan, der mit den bisherigen Plänen der Investorengruppe praktisch nichts mehr gemein hat. Gerhard Bürger und sein Mitstreiter Clemens Aulich hatten bei der Projektvorstellung einen Seilbahn-Start am 16. Dezember 2016 ins Gespräch gebracht. Wie Hauptinvestor Bürger persönlich die jüngste Entwicklung sieht, ist offen. Der Wernigeröder Unternehmer Aulich ließ wissen: „Die Investoren stehen zu dem Projekt. Wir arbeiten daran, dass wir so schnell wie möglich Baurecht erhalten.“Meinung