Magdeburg l Die Geburtenquote in Deutschland ist so hoch wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte, brachten 100 Frauen im gebärfähigen Alter nach den jüngsten Zahlen aus dem vergangenen Jahr durchschnittlich 147 Kinder zur Welt. Im Vorjahr waren es noch 142 Kinder. Auch in Sachsen-Anhalt macht sich der Babyboom bemerkbar. Hier kamen die Statistiker zuletzt sogar auf 150 Sprösslinge pro 100 Frauen.

Einen Anstieg gab es in allen Bundesländern und sowohl bei deutschen als auch bei ausländischen Frauen. Spitzenreiter ist Sachsen, Schlusslicht das Saarland.

Professor Serban-Dan Costa, Leiter der Universitätsfrauenklinik in Magdeburg, erklärt den Babyboom mit zunehmender Unterstützung für Familien: „Die Krippensituation hat sich in den vergangenen Jahren verbessert. Außerdem sehen immer mehr Arbeitgeber ein, dass sie Mütter dabei unterstützen müssen, wieder in den Beruf einzusteigen.“

Junge Menschen sehnen sich nach Familie

Das wirke sich auf die Einstellung junger Menschen aus, sagt er, und liefert ein Beispiel aus seinem Arbeitsalltag: „Nach einer besonders schwierigen Geburt tröste ich Frauen seit Jahren mit dem Spruch: ‚Beim nächsten Kind wird alles besser.‘ Früher schauten sie mich dann oft entsetzt an. Heute sagen sie immer öfter: ‚Natürlich möchte ich noch ein Kind!‘“

Die Magdeburger Psychologin Dr. Carmen Beilfuß sieht eine Ursache für den Aufwärtstrend auch in veränderten Bedürfnissen: „Junge Menschen setzen zunehmend auf Stabilität, da sie in der Außenwelt viel Unruhe erleben. Sie haben eine große familiäre Sehnsucht.“

Insgesamt wurden in Sachsen-Anhalt im vergangenen Jahr 17 064 Babys geboren, knapp 270 mehr als im Vorjahr. Die Tendenz setzt sich zumindest in der Frauenklinik auch weiterhin fort: Zwei Wochen vor Jahresende zählt man dort schon 1221 Geburten, im gesamten Jahr 2014 waren es nur 22 mehr. „Die Marke werden wir wohl locker knacken“, sagt Klinik-Chef Costa. Er warnt allerdings auch vor zu viel Euphorie: „Das ist ein wunderbarer Trend, aber die Geburtenzahlen reichen noch nicht aus, um die demografischen Probleme zu lösen.“