Halle l Zum 25. Mal stellte das Statistische Landesamt am Freitag seinen Jahresbericht vor. Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) zog eine positive Bilanz des letzten Vierteljahrhunderts. „Die Lebenssituation der Menschen in Sachsen-Anhalt hat sich aus meiner Sicht verbessert“, sagte Stahlknecht.

Als positiv bewerteten der Minister und Landesamt-Präsident Michael Reichelt, die vergrößerte Wohnfläche und den Zuwachs an Einfamilienhäusern. 2014 hatte der durchschnittliche Sachsen-Anhalter zu Hause fast 45 Quadratmeter Platz. Das sind 13 Quadratmeter mehr als vor zehn Jahren. Seit 1995 stieg auch die Zahl der Einfamilienhäuser von gut 60 Prozent auf 70 Prozent. 1950 lebten nur gut 50 Prozent der Sachsen-Anhalter in einem Einzelhaus.

Der Extra-Platz kostet Sachsen-Anhalter oft weniger. Zwischen 2010 und 2014 stiegen die Kaltmieten im Land um 2,7 Prozent, im Bundesdurchschnitt war der Anstieg fast doppelt so hoch.

Obwohl Sachsen-Anhalts Bevölkerung wegen des demografischen Wandels weiter schrumpfen wird, gibt es Lichtblicke. „Die Bevölkerungsabnahme wird sich nicht so drastisch gestalten wie angenommen“, sagte Amtspräsident Reichelt. Einige Statistiken im Überblick:

Zuwanderung aus dem Ausland

2014 zogen zum ersten Mal seit der Wiedervereinigung mehr Menschen nach Sachsen-Anhalt, als das Bundesland verließen. Einen positiven Saldo gab es aber nur für die Zuwanderung aus dem Ausland. 21 000 Menschen kamen aus anderen Ländern, nur 11 000 wanderten aus. Die binnendeutsche Wanderung ist weiterhin eine Verlustrechnung: 35 000 brachen ins Bundesgebiet auf, nur 30 000 kamen aus anderen Bundesländern. Die aktuelle Flüchtlingsentwicklung wirke sich auf den Bericht noch nicht aus, so Reichelt.

Mehr Geburten auch bei Alleinerziehenden

2014 wurden in Sachsen-Anhalt gut 17 000 Babys geboren. Das sind knapp 270 mehr als im Vorjahr. Der Anstieg gehe auch auf Alleinerziehende zurück, sagte Michael Reichelt. Gut 81 000 Alleinerziehende gibt es im Land. Die Zahl der Ein-Kind-Familien liegt bei 185 000. 82 000 Familien haben zwei Kinder.

Mehr leben allein

Die Anzahl der Single-Haushalte im Land erhöhte sich in den letzten 25 Jahren um fast 50 Prozent auf gut 450 000. 1991 lebte nur jeder neunte Sachsen-Anhalter allein, 2014 war es schon jeder fünfte. Grund dafür sind nicht nur junge, sondern auch ältere Singles, zum Beispiel Witwer und Witwen. Im durchschnittlichen Haushalt in Sachsen-Anhalt lebten 2014 nur noch 1,9 Menschen.

Mehr Frauen unter den Arbeitenden

Der Anteil der arbeitenden Bevölkerung geht aufgrund des demografischen Wandels in Sachsen-Anhalt zurück. Doch die Erwerbsquote der Frauen sinkt langsamer als die der Männer. 1991 hatten 59 Prozent der Männer einen Job, letztes Jahr waren es nur noch gut 55 Prozent. 49,5 Prozent der Frauen gingen 1991 einem Beruf nach, 2014 waren es immer noch fast 47 Prozent.

Höchste Betreuungsquote unter drei Jahre

Bei der Kinderbetreuung bleibt Sachsen-Anhalt Spitze. Fast 58 Prozent der Kinder unter drei Jahren sind in einer Krippe angemeldet, so viele wie in keinem anderen Bundesland.