Magdeburg l Die Explosionen erfolgten immer mitten in der Nacht an menschenleeren Bahnhöfen. In nur drei Monaten flogen auf diese Weise von August bis Oktober so viele Fahrkartenautomaten in die Luft, wie sonst in einem Jahr. Die Splitter schleuderte es zum Teil bis zu 30 Meter weit.

Die im Oktober vergangenen Jahres gegründete Ermittlungsgruppe „Billett“ im Landeskriminalamt (LKA), konnte zwei Frauen und drei Männer im Alter zwischen 32 und 43 Jahren ermitteln. Ihnen werden vorerst zwölf Sprengungen angelastet, auch einige im benachbarten Bundesland Brandenburg. Bei den Taten soll ein Schaden von insgesamt 300 000 Euro entstanden sein. Stellvertrender LKA-Direktor Karl-Albert Grewe: „Bei den Ermittlungen haben wir eng mit den Polizeidirektionen, der Bundespolizei, den Behörden angrenzender Länder und der Bahn zusammengearbeitet." Gegen den 38-jährigen Hauptbeschuldigten ist inzwischen Haftbefehl erlassen und vollstreckt worden.

Oft kaum Beute, dafür hoher Schaden

Bei den Durchsuchungen entdeckten die Beamten gestohlene Motorräder und eine kleine Cannabisplantage. Zur Sicherung der Vermögenswerte beschlagnahmte die Polizei bei dem Hauptbeschuldigten auch zwei Autos, einen Unimog und ein Wohnmobil. Bei dem 38-Jährigen hatte das LKA bereits im November 2015 bei einer Durchsuchung einen entwendeten Radlader sichergestellt. Auch Beweise für Automatensprengungen wurden gefunden.

Der Schaden der Sprengungen übersteigt oft die Beute um ein Vielfaches. Laut Bahn kostet ein neuer Fahrkartenautomat rund 30 000 Euro. Weil nur selten mit Bargeld bezahlt wird, lagert nur wenig Geld in den Automaten. Das zeigt ein Fall aus dem Jahr 2013. Ein Mann aus Gera in Thüringen hatte in mehreren Bundesländern 31 Fahrkartenautomaten gesprengt und einen Schaden von 760 000 Euro verursacht. Die Beute betrug nur knapp 30 000 Euro. Das Gericht verurteilte den Mann zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren.

Nach Angaben des LKA hat die Sprengung von Fahrkartenautomaten im vergangenen Jahr drastisch zugenommen. Die Zahl stieg von neun Fällen im Jahr 2014 auf 20 im vergangenen Jahr. Neben Gasgemisch wird häufig auch illegale Pyrotechnik eingesetzt.

Urteil aus dem Harz rechtskräftig

Nach einer ähnlichen Serie von Geldautomaten-Sprengungen vor zwei Jahren im Harz, der Börde und Magdeburg hat der Bundesgerichtshof vor wenigen Tagen die Revision der beiden Angeklagten verworfen. Die vom Magdeburger Landgericht verhängten Haftstrafen von sechs und achteinhalb Jahren sind damit rechtskräftig.

Die beiden Harzer im Alter von 37 und 39 Jahren hatten Geldautomaten in Quedlinburg, Magdeburg, Seehausen (Börde) und Neundorf gesprengt. Die Beute belief sich damals auf mehr als 200 000 Euro.