Magdeburg l In den vergangenen sieben Jahren sind in Sachsen-Anhalt 209 von 450 Quereinsteigern bei der Erzieherprüfung durchgefallen. Das entspricht einer Quote von rund 46 Prozent. Die Zahlen teilte das Bildungsministerium auf Anfrage der Volksstimme mit.

Sachsen-Anhalt droht ein dramatischer Erziehermangel. Nach Berechnungen der Bildungsgewerkschaft GEW werden rund 4000 Beschäftigte die Kitas bis zum Jahr 2020 verlassen – und dabei ist der Anteil derer, die aus gesundheitsbedingten Gründen vorzeitig ausscheiden, noch nicht einmal berücksichtigt.

Um dem Problem entgegenzuwirken, will die Landesregierung mehr Quereinsteiger mit pädagogischen Vorqualifikationen in den Erzieher-Beruf holen. „Wir brauchen jeden, den wir begeistern können“, sagt Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD).

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Dafür können sogenannte „Nichtschüler“ eine Prüfung zur staatlich anerkannten Erzieherin ablegen – eine Ausbildung, für die man sonst inklusive Sozialassistent fünf Jahre die Schulbank drücken muss. Doch wer bereits Realschulabschluss oder Fachhochschulreife in der Tasche hat, eine Berufsausbildung und ein Jahr praktische Arbeit in einer Kita nachweisen kann, darf per Nichtschülerprüfung abkürzen.

Landesregierung ist ratlos

Die Quereinsteiger bereiten sich in der Regel in einem Vorbereitungskurs abends an einer privaten Fachschule vor. Die Prüfung legen sie im Anschluss an einer öffentlichen Fachschule ab.

Doch wie die Zahlen aus dem Haus von Bildungsminister Marco Tullner (CDU) belegen, geht dieser Plan nicht auf. Fast jede fünfte „Nichtschülerin“ tritt gar nicht erst zum Abschlusstest an. In den vergangenen drei Jahren sind allein 95 Anwärter durch die Prüfung gefallen – während nur 78 bestanden. Gleichzeitig liegt die Erfolgsquote der jährlich mehr als 800 Absolventen, die die reguläre Abschlussprüfung zum Erzieher ablegen, zwischen 97 und 98 Prozent. Was also läuft bei den „Nichtschülern“ schief?

Die schwarz-rot-grüne Landesregierung hat keine Erklärung dafür – und schiebt sich gegenseitig die Verantwortung zu. Das CDU-geführte Bildungsministerium räumt auf Anfrage der Volksstimme ein: „Gründe für das Scheitern wurden nicht untersucht.“ Es sei aber davon auszugehen, dass „die anspruchsvolle und umfangreiche Prüfung von vielen Teilnehmenden unterschätzt wird“, so ein Sprecher.

Auch das Sozialministerium, welches nach den Worten von SPD-Politikerin Grimm-Benne bewusst auf Quereinsteiger setzt, erklärt: „Wir haben keinen Überblick, wie die Vorbereitung der Nichtschüler läuft und wie die Prüfung abläuft.“ Zur Verbesserung warte man „auf einen Vorschlag des Bildungsministeriums zur Qualifizierung von Quereinsteigern“, welches für die Ausbildung verantwortlich sei.

Grüne machen Druck

Der dritte Koalitionspartner, die Grünen, will die Untätigkeit nicht länger akzeptieren. „Die Situation ist nicht zufriedenstellend“, sagt Fraktionschefin Cornelia Lüddemann. „Die schlechte Quote kommt zustande, weil die Leute nicht ernsthaft genug begleitet werden.“ Allein durch Selbststudium sei der Quereinstieg offensichtlich nicht zu schaffen, so Lüddemann.

Die Grünen plädieren dafür, dass Quereinsteiger finanziell stärker unterstützt werden, damit sie nicht Vollzeit nebenher arbeiten müssen und mehr Kapazitäten zum Lernen haben. „Das werden wir bei der Überarbeitung des Kinderförderungsgesetzes im Herbst zum Thema machen.“