Magdeburg l Auf der ersten Hochrechnung 2004 standen noch 400 Millionen Euro; zum Planstart 2008 waren es dann schon 800 Millionen Euro. Vor zwei Jahren war die Schätzung für die 100 Kilometer lange Autobahnpiste von Magdeburg bis Wittenberge bei 955 Millionen Euro angelangt. Nun liegt der Volksstimme die neueste Kalkulation vor: 992,6 Millionen Euro stehen auf dem Papier.

Ursache des neuesten Kostensprungs sind die aktuell kalkulierten Ausgaben für die im Bau befindlichen Etappen zwischen Colbitz und Lüderitz. Die Kosten für die 23 Kilometer lange Betonpiste kletterten von erst 148 Millionen Euro (2012) auf 197 Millionen Euro (2018) und nunmehr auf 216 Millionen Euro. Der Kilometerpreis stieg von 6,5 Millionen auf 9,5 Millionen Euro: ein sattes Plus von 46 Prozent.

Wegen des rasanten Anstiegs hat das Verkehrsministerium vorsichtshalber auch die Kosten für den nächsten Abschnitt von Lüderitz bis Stendal-Mitte neu kalkuliert. Statt 149 Millionen stehen nun 167 Millionen Euro auf dem Papier. Diese Etappe geht im Oktober in Bau.

Das Haus von Minister Thomas Webel (CDU) verweist auf den allgemeinen Trend: Laut Preisindex des Statistischen Landesamts kletterten die Kosten bei Straßenbauten zwischen 2012 und 2019 um 23 Prozent. Die Autobahnkosten aber stiegen doppelt so stark. Fachleute verweisen auf weitere Preistreiber:

l Wegen des bis Anfang 2020 anhaltenden Baubooms wurden Kapazitäten knapp. Das heißt: Es bewerben sich deutlich weniger Unternehmen an Ausschreibungen als früher. Weniger Wettbewerb bedeutet auch, dass Firmen am längeren Hebel sitzen und höhere Preise verlangen können. Aktuelles Beispiel: Beim Abschnitt Wolmirstedt – Colbitz (Bauzeit 2011 bis 2014) bewarben sich noch acht Firmen um den Streckenbau. Beim Abschnitt Tangerhütte – Lüderitz waren es nur noch vier Unternehmen.

l Gestiegen sind auch Naturschutz-Ausgaben. Um weitere Klagen zu vermeiden, hat das Land mit dem Umweltschutzverband BUND Vergleiche ausgehandelt. Mehrkosten: Fast 9 Millionen Euro. Beispiel: Der Amphibienschutzzaun im Abschnitt Tangerhütte wird von drei auf 16 Kilometer verlängert.

l Firmen verweisen auf gestiegene Kosten für Material und Löhne. So stieg der Tarifstundenlohn (Ost) für Straßenbauer seit 2014 um fast 9 Prozent: von 15,75 Euro auf 17,14 Euro. In der aktuellen Tarifrunde fordert die IG BAU weitere 6,8 Prozent.

Knapp 60 Kilometer zu bauende Piste sind noch nicht neu kalkuliert. Es seien noch keine verlässlichen Aussagen möglich, hieß es.