Prüfungserlass

Abitur in Sachsen-Anhalt ab sofort leichter

In Sachsen-Anhalt können Schüler künftig ohne schriftliche Deutsch- oder Matheprüfung durchs Abitur.

Magdeburg l Sachsen-Anhalt hatte zwischen 2002 und 2006 unter der CDU-FDP-Regierung die Zügel für die Abiturprüfungen deutlich angezogen. „Wir hatten die schärftsten Regeln“, sagte Bildungsminister Marco Tullner (CDU) gestern, der seit diesem Jahr im Amt ist. Eltern und Schüler protestierten und prozessierten. Ihr Hauptvorwurf: Die Abiturienten sahen sich ihren Altersgenossen aus anderen Bundesländern gegenüber benachteiligt. Die neue CDU-SPD-Grünen-Koalition versprach Abhilfe. Nun hat Tullner einen Erlass vorgelegt, der ab Montag und damit bereits für die jetzigen Zwölftklässler gilt.

Die vier neuen Regeln:

Bei schriftlichen Examen können Schüler ein Fach abwählen. Pflicht sind vier schriftliche Prüfungen. Die Schüler können zwischen fünf Fächern wählen: Deutsch, Mathe, Fremdsprache, Naturwissenschaft (wie Bio, Chemie, Physik), Geschichte. Das heißt: Ein Schüler kann Mathe oder etwa Deutsch abwählen, das war bislang nicht erlaubt.

Schüler können bis zu acht Zeugnisnoten für bestimmte Fächer - wie etwa für Sport - streichen lassen, um die Abi-Gesamtnote zu verbessern. Bei Deutsch, Mathe, Geschichte, einer Naturwissenschaft und einer Fremdsprache ist das nicht erlaubt. Mindestens 36 Zensuren (aus Halbjahres- und Endjahreszeugnissen der Klassen 11 und 12) müssen in die Abi-Note einfließen. Bislang waren es alle 44. In den Bundesländern reicht die Spannbreite von 32 bis zu 44 Noten.

Wer seine mündliche Prüfung vergeigt (null Punkte), kann trotzdem sein Abitur schaffen. Bisher war man damit automatisch komplett gescheitert. Dagegen hatte ein Schüler aus Bernburg geklagt, nachdem er wegen einer verpatzten mündlichen Prüfung in Religion im Jahr 2013 durchs Abi gerauscht war. Das Verwaltungsgericht Magdeburg urteilte im Januar, dass ein einmaliges Versagen in einer mündlichen Abiturprüfung noch nicht die fehlende Hochschulreife belege.

Mehr Transparenz: Schüler können verlangen, das Protokoll des mündlichen Examens einzusehen. Das war ihnen bisher verwehrt.

Trotz einiger Erleichterungen meint der Minister: „Wir machen nicht mit bei ,Deutschland sucht das leichteste Abi‘. Es geht um mehr Vergleichbarkeit - unsere Schüler dürfen nicht länger benachteiligt werden.“ Die neuen Regeln werden bei den kommenden Abiturprüfungen im Frühsommer 2017 erstmals angewandt.