Magdeburg l Mit gefälschtem französischen Pass und dem wohlklingenden Firmennamen „Lemounte IT GmbH“ soll ein vorbestrafter 43-jähriger Mann im Sommer 2018 auf der Internetplattform „ebay“ in Bernburg (Salzlandkreis) hunderte Käufer in Deutschland und im Ausland abgezockt haben. Gegen ihn startet heute der Prozess am Magdeburger Landgericht.

Ein falscher Franzose

Der „smarte Franzose“, wie ihn Nachbarn beschrieben, bereitete nach den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft seinen mutmaßlichen Online-Betrug sorgfältig seit März 2018 vor. Tatsächlich ist der angebliche Franzose im Landkreis Mansfeld-Südharz geboren, gründete die Firma und verkaufte über „ebay“ zunächst ordnungsgemäß Computerartikel und Transaktionen, um an rund 200 positive Bewertungen zu gelangen. Diese waren nötig, damit für die Geschäfte Transaktionen über das sichere Bezahlsystem „PayPal“ nicht mehr zwingend vorgeschrieben sind.

Ab dem Sommer konnte er sich dann per Vorkasse das Geld überweisen lassen. Weil es im Tatzeitraum zwischen 27. Juli und 2. August 2018 besonders heiß war, bestellten die Kunden vor allem Klima-geräte und hochwertige Ventilatoren. Doch geliefert wurde laut Anklage nichts.

Stattdessen kamen die Ermittler der Polizei im Salzlandkreis ins Schwitzen. „Wir hatten es plötzlich mit einer Flut von Anzeigen zu tun“, erklärt Polizeisprecher Marco Kopitz. Es sollen mehr als 500 gewesen sein. Angeklagt sind nun 429 Fälle. Insgesamt seien dabei mindestens 150 000 Euro erbeutet worden. Der Angeklagte zeigte sich nach Auskunft des Landgerichts Magdeburg im Ermittlungsverfahren geständig. Er sitzt seit dem 25. Oktober 2018 in Untersuchungshaft.

Gefahr Internethandel

Rechtsanwalt Georg Schepper aus Bielefeld vertritt einen der Betroffenen: „Dieser Vorgang zeigt, mit welchen Gefahren der Internethandel auch auf einer an sich seriösen Plattform wie ,ebay‘ einhergehen kann.“

Für die Polizei ist solch ein Warenkreditbetrug in Sachsen-Anhalt keine Seltenheit. Die Fälle stiegen in den letzten drei Jahren von 9054 auf 9866 an. Nach Angaben von LKA-Sprecher Andreas von Koß waren die ermittelten Verdächtigen meist männlich und fast ausschließlich über 21 Jahre alt. Knapp zwölf Prozent waren ausländischer Herkunft.

Immerhin wurden zwei von drei Taten aufgeklärt. „Die häufigsten Maschen sind neben der Verwendung von gefälschten oder gestohlenen Identitäten auch das Kapern von Ebay-Konten, wenn die Täter zum Beispiel an das Passwort gekommen sind,“ so von Koß. Eine andere Variante sind Fake-Shops, die professionellen Internetseiten ähneln. Sie sind oft durch ein zu „dünnes“ oder nicht vorhandenes Impressum und trickreiche Behauptungen, dass nur die Rubrik „Vorkasse“ möglich sei, zu erkennen. Andreas von Koß: „In diesen Fällen sollte man die Finger davon lassen.“