Magdeburg l Lkw und Autos, begleitet von lauten Windzügen, rasen an Frank Huckauf vorbei. Auf dem Standstreifen der B 81 bei Schwaneberg (Sülzetal) hat er seinen ADAC-Servicewagen abgestellt. Entspannt schreitet der 54-Jährige in neongelber Arbeitskleidung, wenige Meter von mehr als 100 km/h schnellen Fahrzeugen, entlang. „Hallo, ich bin Frank Huckauf“, begrüßt der ADAC-Pannenhelfer Marcus W. Der Seat-Fahrer lehnt genervt an der Leitplanke. „Noch kann ich nichts erkennen“, sagt Huckauf, während er über dem Motor lehnt. „Ich ziehe sie erstmal von der Straße runter, das ist sicherer.“ Am Stellplatz nahe der Abfahrt angekommen, versucht Huckauf die Batterie mit Starterkabel aufzuladen. „Das bringt nichts, da werde ich ihnen einen Abschleppdienst rufen müssen.“ Schnell tippt er an seinem Computer im Kofferraum die Daten vom Fahrzeugbrief ein, „hier noch unterschreiben und dann sind wir fertig“. Zum Abschied streckt er dem jungen Mann die Hand entgegen, „bis morgen“, sagt Huckauf lächelnd. „Hoffentlich nicht“, entgegnet ihm W. schmunzelnd.

Gute Laune. Davon hat Hucke immer viel dabei. „Ich bin den ganzen Tag draußen unterwegs und treffe Menschen, das ist doch toll“, sagt der Magdeburger. Er ist ausgebildeter Kfz-Mechatroniker, aber das allein reicht nicht. „Als Stiesel kommt man nicht weit“, so Huckauf. Auto und Besitzer, beim Einsatz gibt es schließlich immer zwei Patienten. Seit mehr als 25 Jahren ist der Familienvater im Großraum Magdeburg als ADAC-Pannenhelfer unterwegs. „Noch vor ein paar Jahren waren wir 20 Kollegen, viele sind in Rente gegangen, aber nur wenige nachgekommen“, so der 54-Jährige. Dabei gibt es genug zu tun. Allein 2018 waren ADAC-Pannenhelfer in Sachsen-Anhalt mehr als 80.000 Mal im Einsatz, rund 900 Mal mehr als noch 2017.

Drei von vier Wochenenden arbeiten

„Es liegt vielleicht daran, dass wir an drei von vier Wochenenden im Monat arbeiten, das wollen junge Familienväter nicht“, vermutet Huckauf. Zwar seien alle ADAC-Pannenhelfer auch ausgebildete Kfz-Mecha­troniker, „aber viele wollen täglich an Autos rumschrauben, das machen wir seltener“.

Hat die Pannenhilfe Ost ein Nachwuchsproblem? „Nein“, sagt Alexandra Kruse vom ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt. Im Großraum Magdeburg sind 15 „Gelbe Engel“ unterwegs, im gesamten Bundesland 36. Zwar habe sich die Zahl der Mitarbeiter verringert. Grund dafür sei jedoch kein Nachwuchsproblem. „Die Einsatzgebiete haben sich etwas verschoben, so dass die Kollegen andere Strecken fahren. Vor allem können die Pannenhelfer aus den ländlichen Bereichen bei Bedarf in den städtischen Regionen aushelfen“, so Kruse. Für Huckauf und seine Kollegen bedeutet das seit einigen Jahren vor allem längere Strecken zwischen den Einsätzen. Der Zeitdruck ist gestiegen.

Und die Konkurrenz sitzt auch den bekannten „Gelben Engeln“ im Heck. Der Automobilclub von Deutschland (AvD) ist mit rund 2000 Pannenfahrzeugen deutschlandweit unterwegs. In Sachsen-Anhalt hat der AvD 25 Servicepartner. „Wir kooperieren mit nahegelegenen Werkstätten, die bei einem Anruf über die Notrufzentrale dann mit dem Pannen- oder Abschleppdienst beauftragt werden“, sagte AvD-Pressesprecher Herbert Engelmohr. Zwischen 35 und 45 Minuten müssen AvD-Mitglieder durchschnittlich warten, bis der Pannenhelfer am Einsatzort ist. Der Auto Club Europa hat nach Angaben von Pressesprecherin Romy Mothes sogar 50 Pannenhelfer in Sachsen-Anhalt im Einsatz und rund 20 Vertragspartner.

Häufig Batterie-Probleme

Huckauf benötigt selten länger als 45 Minuten, bis er beim Kunden ist. Doch trotz der vielen Stunden im Auto, der weiten Strecken und vielen Wochenenden im Monat sagt Huckauf spürbar aus voller Überzeugung und nicht, weil es das PR-Handbuch vorschreibt: „Wer einmal als ADAC-Pannenhelfer arbeitet, will nicht mehr weg.“ Seine Schicht beginnt um 7 Uhr, zu Hause steigt er in sein ADAC-Serviceauto, auf dem Display ploppt dann der erste Einsatz auf.

An diesem Morgen ist viel los. Es ist 9 Uhr. Huckauf fährt von Schwaneberg zurück nach Magdeburg zu seinem fünften Einsatz. Dort angekommen, winkt ihn ein Mann heran. „Ich habe schon Ärger von meiner Frau gekriegt, da ich ihr zu diesem Auto geraten habe“, sagt der Kunde. „Kein Problem, das kriegen wir hin“, antwortet Huckauf. Diesmal gelingt es. Mit Starterkabel bringt der Pannenhelfer das Auto wieder zum Summen.

Probleme mit der Batterie machten 2018 rund 42 Prozent aller Einsätze in Sachsen-Anhalt aus. In anderen Fällen darf Huckauf dann auch mal die mobile Werkstatt in seinem Kofferraum öffnen und selbst rumschrauben. Wenn diese Einsätze mal wieder auf sich warten lassen, baut er eben ADAC-Motorräder mit seinem Pflegesohn zusammen. „Das Rumschrauben fehlt mir dann doch ab und zu, da mache ich es eben in meiner Freizeit“, sagt Huckauf, bevor der nächste Auftrag auf dem Display aufploppt.