Antisemitismusstelle: Aufgeladene Stimmung in Sachsen-Anhalt

Der Nahostkonflikt lässt alte Ressentiments auch in Sachsen-Anhalt zu Tage treten. Am Mittwoch schlug ein Mann auf einen anderen Mann mit Kippa ein. Für Beobachter entlädt sich wieder vermehrt Antisemitismus.

Von dpa
Ein Person hält bei einer Kundgebung eines Bündnisses gegen Antisemitismus ein Plakat.
Ein Person hält bei einer Kundgebung eines Bündnisses gegen Antisemitismus ein Plakat. Christophe Gateau/dpa

Magdeburg - Antisemitismus-Experten stellen aktuell eine „extrem aufgeladene Stimmung“ in Sachsen-Anhalt fest. Sie spiegele sich besonders in israelfeindlichem Aktivismus wider, sagte ein Sprecher der in diesem Jahr gegründeten Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) Sachsen-Anhalt am Donnerstag. Die Anfeindungen kämen größtenteils aus dem links/antiimperialistischen, islamistischen oder rechtsextremen Bereich. Dabei habe sich der Antisemitismus vielfältig und in verschiedenen Erscheinungsformen gezeigt.

Erst am Mittwoch soll in Magdeburg ein Mann einen Kippa-Träger attackiert haben. Die Polizei geht von einem antisemitischen Motiv aus. Ihr zufolge hatte der Täter zunächst versucht, dem 22-Jährigen mit Gewalt die Kopfbedeckung zu entwenden. Dann habe er dem aus dem Iran stammenden Mann mehrfach ins Gesicht und gegen den Hals geschlagen. Schließlich sei er mit einer Gruppe weiterer Männer geflüchtet. Zeugen beschrieben die Männer als „arabisch“ aussehend und im Alter zwischen 18 und 25 Jahren. Die Ermittlungen laufen.

Der Bundesverband der Rias zählte für das vergangene Jahr 43 antisemitische Vorfälle in Sachsen-Anhalt. Diese schlüsseln sich auf in 3 Angriffe, 4 gezielte Sachbeschädigungen, 5 Bedrohungen und 31 Mal verletzendes Verhalten. Die überwiegende Zahl der Fälle wurde laut dem Rias-Sprecher davon in Halle gemeldet. Von den 43 Fällen wurden 10 dem rechtsextremen oder rechtspopulistischen Milieu zugeordnet, einer dem israelfeindlichen Aktivismus, einmal der politischen Mitte und sechs Vorfälle sollen einen verschwörungsideologischen Hintergrund haben. In 25 Fällen blieb der Hintergrund unklar.