Magdeburg l Jeder vierte Beruf in Sachsen-Anhalt ist von der Digitalisierung bedroht. Jobs von 190.000 Beschäftigten (24,4 Prozent) könnten bereits durch computergesteuerte Maschinen erledigt werden, heißt es in einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Halle. 2015 waren es noch 14,6 Prozent. Am höchsten ist der Anteil in der Fertigungs- und Elektrotechnik, bei Dienstleistungen und Logistik. Besonders viele Berufe sind in der Börde ersetzbar. Jeder dritte Job könnte sich dort durch den technologischen Fortschritt grundlegend verändern oder wegfallen. Grund: Fertigungsberufe sind dort stark konzentriert.

Die Folgen der Digitalisierung treffen insbesondere den ländlichen Raum mit hohem Anteil am verarbeitenden Gewerbe, sagt Kay Senius, Chef der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit. Dass dem Vormarsch des Digitalen Jobs zum Opfer fallen, ist aber längst nicht sicher. Der Wandel biete auch Chancen, prognostiziert Senius. Neue Berufe entstehen, bestehende wandeln sich. Die Beschäftigung könnte gar zulegen. Auch Konjunktur und regionale Besonderheiten beeinflussten die Entwicklung, konstatiert die IAB-Studie.

Für die Beschäftigten im Land dürften neben der Digitalisierung auch der Kohle-Ausstieg und der Umbruch in der Auto-Industrie Auswirkungen haben. In der Kohle-Industrie im Süden arbeiten 2400 Beschäftigte, die gleiche Zahl ist mittelbar betroffen, etwa bei zuarbeitenden Firmen oder in der Chemischen Industrie. Eine Krise der Auto-Industrie würde Auspendler zu den Fabriken in Niedersachsen aus dem Altmarkkreis Salzwedel und aus der Börde treffen. Bei einer Talfahrt der Autozulieferer könnte jeder fünfte Industrie-Arbeitsplatz im Land zur Disposition stehen, warnen Experten.

Der Arbeitsmarkt der Zukunft im Land dürfte laut Senius neben dem Strukturwandel vor allem durch die Demografie beeinflusst werden. Der ländliche Raum ist besonders betroffen. Senius warnt davor, Förderung nur auf die Stadt zu begrenzen. Nur 30 Prozent der Sachsen-Anhalter arbeiten in Städten. Die Arbeitsmarktpolitik müsse gezielt lokale Herausforderungen in den Blick nehmen – ob in der Stadt oder auf dem Land.