Magdeburg l Der Arbeitsmarkt boomt, im Frühjahr könnte die Arbeitslosenquote in Sachsen-Anhalt auf unter sieben Prozent fallen. Gleichzeitig arbeiten 36,3 Prozent der Vollzeitbeschäftigten arbeiten für einen Niedriglohn, also für weniger als 2139 Euro brutto.

Im Bundesschnitt sind es nur knapp 20 Prozent. Das geht aus Zahlen der Bundesagentur für Arbeit von 2017 hervor. Der Anteil der Niedriglöhner in Ostdeutschland liegt mit 33,6 Prozent doppelt so hoch wie in Westdeutschland (16,7 Prozent). Am höchsten ist die Quote in Mecklenburg-Vorpommern (39,5 Prozent). Am wenigsten Menschen sind mit 14 Prozent in Baden-Württemberg betroffen.

Stärkere Tarifpolitik gefordert

Um „Armutslöhne“ zu bekämpfen, müsse „flächendeckend ein sozial angemessenes Einkommensniveau sichergestellt werden“, fordert der wirtschaftspolitische Sprecher der Linken, Andreas Höppner. Dazu müsse die Tarifpolitik gestärkt werden, tarifgebundene Unternehmen müssten Steuervergünstigungen erhalten. Zudem müsse der Mindestlohn sofort auf 12 Euro angehoben werden. Die Landesleiterin des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Sachsen-Anhalt, Susanne Wiedemeyer fordert von der Politik mehr Anstrengungen in Bezug auf die Tarifbundung: „Die Tarifbindung kann gestärkt werden, indem Tarifverträge leichter für allgemeinverbindlich erklärt und steuerliche Anreize für Gewerkschaftsmitglieder gewährt werden“.

Sachsen-Anhalts Arbeitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) sieht die niedrigen Löhne ebenso kritisch. In mehr als der Hälfte der Betriebe durchschnittlich weniger als 2000 Euro brutto im Monat für eine Vollzeitstelle gezahlt. Und: Nur ein Viertel der Unternehmen im Land seien tarifgebunden, so Grimm-Benne. Durch tarifliche Standards faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen, müsse indes im Interesse von Unternehmen liegen, „die langfristig wettbewerbsfähig im Kampf um Fachkräfte bleiben wollen“.

Um im Konkurrenzkampf um qualifizierte Arbeitskräfte aus dem In- und Ausland mithalten zu können, müssten die Gehälter deutlich zulegen, sagt Kay Senius, Leiter der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt/Thüringen der Bundesagentur für Arbeit. Die Lohnlücke zu anderen Regionen müsse spürbar geschlossen werden. „Sachsen-Anhalt muss das Image als Niedriglohnland endlich hinter sich lassen“, so Senius.

Ist Anzahl kleiner Betriebe die Ursache?

Sachsen-Anhalts Arbeitgeberpräsident Klemens Gutmann sieht eine Ursache für niedrigere Löhne in der Branchenstruktur und in der großen Anzahl kleiner Betriebe. „Wir brauchen mehr Großunternehmen im Land und solche mit besserer Wertschöpfung“, sagt Gutmann.