Magdeburg l Die Arbeitslosigkeit in Sachsen-Anhalt wird nach Meinung von Experten 2019 weiter sinken. „Wir gehen davon aus, dass wir im Jahresmittel im Land einen Rückgang von 7,2 Prozent im Vergleich zum vergangenen Jahr haben werden“, sagt Kay Senius, Chef der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit. Sachsen-Anhalt verzeichne damit einen höheren Rückgang der Arbeitslosigkeit als im ost- und im bundesdeutschen Schnitt (5,2 Prozent). Bei der Arbeitslosenquote werde mit der Frühjahrsbelebung erstmals eine Sechs vor dem Komma stehen, erklärt Senius. Im November betrug die Arbeitslosenquote noch sieben Prozent.

Stellen schwer zu besetzen

Zudem werde die Zahl der Langzeitarbeitslosen, die in Sachsen-Anhalt mehr als ein Drittel der derzeit insgesamt rund 79.900 Erwerbslosen ausmachen, weiter sinken.

Dazu könnte auch das am 1. Januar in Kraft getretene Teilhabechancengesetz beitragen. Das betrifft insbesondere Menschen, die aufgrund ihrer langen Arbeitslosigkeit nur wenig Chancen auf eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt haben. Bei ihnen war die nachhaltige Vermittlung in eine Beschäftigung häufig erfolglos. Senius rechnet damit, dass im Verlauf des Jahres in Sachsen-Anhalt bis zu 1500 Menschen auf diese Weise gefördert werden könnten. Zur Finanzierung erhält Sachsen-Anhalt 40,3 Millionen Euro.

Ein Grund für die sinkende Arbeitslosenquote ist die demografische Situation in Sachsen-Anhalt. Ältere Arbeitnehmer gehen in Rente, junge Berufseinsteiger kommen nicht in gleichem Maß nach. „Die Zahl der Erwerbspersonen sinkt deutlich. Wir werden in Sachsen-Anhalt 2019 das geringste Jobwachstum aller Bundesländer haben“, prognostiziert Senius.

Schon jetzt bleiben viele Jobs in der Wirtschaft unbesetzt. Im Schnitt seien es im Land aktuell 101 Tage. Derzeit haben die Arbeitsagenturen und Jobcenter rund 18.600 Stellen im Bestand.

Attraktivität erhöhen

Ein Mittel, um der gegenwärtigen Fachkräfteknappheit beizukommen, ist für den Chef der Bundesagentur für Arbeit Sachsen-Anhalt ein gezielteres Anwerben von Arbeitskräften aus dem Ausland. „Für die wirtschaftliche Entwicklung im Land wird die Zuwanderung ein Schicksalsthema.“ Die Arbeitsplatz-Attraktivität in Sachsen-Anhalt müsse aus diesem Grund erhöht werden.

Bundesweit müssten bürokratische Hürden beseitigt werden. So sollten Abschlüsse schneller anerkannt werden. Zum Zweck der Arbeitssuche müsse Bewerbern aus dem Ausland ein längerer Aufenthaltsstatus gewährt werden, fordert Senius. Auch bei der Willkommenskultur gebe es noch Steigerungspotenzial. Mit dem Fachkräftezuwanderungsgesetz 2019 gehe der Bund indes in die richtige Richtung, betont er.