Halle l Die Archäologen Rupert Gebhard, Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München, und Rüdiger Krause, Professor für Vor- und Frühgeschichte Europas an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, halten die Himmelsscheibe zwar für echt, zweifeln aber am Alter der weltberühmten Scheibe. Zusammen mit der Himmelsscheibe waren 1999 weitere Stücke, wie zwei Schwerter, auf dem Mittelberg bei Nebra entdeckt worden. Aus Sicht der beiden Wissenschaftler ist die smaragdgrüne Platte rund tausend Jahre jünger als bisher angenommen und muss daher in die Eisenzeit datiert werden, wie die Universität Frankfurt gestern mitteilte.

Dem jedoch widerspricht Alfred Reichenberger, Pressesprecher des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle. Archäologen des Museums hatten die Himmelsscheibe in den Jahren 2002 bis 2007 untersucht und der Bronzezeit zugeordnet. „Anhand der Erde, die an der Himmelsscheibe und an mindestens einem der Schwerter haftete, konnte festgestellt werden, dass diese denselben Fundort haben“, sagt Reichenberger. Demnach sei es höchst wahrscheinlich, dass die Himmelsscheibe und die anderen Funde zusammengehören. Da die Schwerter eindeutig der Bronzezeit zugeordnet werden können, könne auch die Himmelsscheibe auf diese Zeit datiert werden.

Der Frankfurter Archäologe Rüdiger Krause sagte jedoch der Deutschen Presse-Agentur: „Auf dem Mittelberg bei Nebra gibt es keine bronzezeitlichen Funde, wohl aber eine eisenzeitliche Befestigung und eisenzeitliche Funde. Insofern könnte auch die eisenzeitliche Scheibe vom Mittelberg stammen.“ Außerdem zweifelt er daran, dass die Himmelsscheibe und die Schwerter den gleichen Fundort haben. Die Schwerter könnten aus irgendwelchen anderen Depotfunden kommen. Sie seien tatsächlich frühe Bronzezeit und 3600 Jahre alt, so der Wissenschaftler.

Kupfer als Hinweis

Neben den Erdanhaftungen, die an den Stücken gefunden wurden, spreche ebenfalls dafür, dass die Fundstücke zusammengehören und ungefähr 3600 Jahre alt sind, dass sie alle aus einem ähnlichen Kupfer bestehen. Diese Art des Kupfers wurde in der Bronzezeit in der Nähe von Salzburg abgebaut. In der Eisenzeit wurde es nicht mehr abgetragen. Damit scheidet eine Datierung der Himmelsscheibe in der Eisenzeit klar aus, so Reichenberger.

Die beiden Wissenschaftler aus Frankfurt am Main und München argumentieren weiter, dass die Himmelsscheibe sich auch stilistisch und kulturell nicht in die frühbronzezeitliche Motivwelt einfügen lasse und im damaligen Symbolgut als ein vollkommener Fremdkörper erscheine.

Himmelsscheibe ist einmalig

Reichenberger vom Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle sagt: „Die Himmelsscheibe ist ein einmaliges Stück und kann mit keinem anderen verglichen werden.“ Demnach wäre die Himmelsscheibe von Nebra in jeder vorgeschichtlichen Periode ein Fremdkörper.

Dass die smaragdgrüne Platte immer wieder untersucht werde, sei normal und gehöre zur Wissenschaft dazu, sagt Reichenberger. Die Kollegen Gebhard und Krause ignorieren jedoch nicht nur die Fülle an publizistischen Forschungsergebnissen der vergangenen Jahre, sondern führen Argumente auf, dass die Himmelscheibe in die Eisenzeit zu datieren sei, die leicht zu widerlegen sind, teilte der Pressesprecher mit.