Magdeburg l Die Zahl erlegter Waschbären in Sachsen-Anhalt nimmt massiv zu. Lag sie 1996 noch bei 77 Tieren, waren es 2005 schon knapp 2200. Im abgelaufenen Jagdjahr 2017/18 zählte Sachsen-Anhalts Jagdverband bereits 29 616 erlegte Waschbären (mit Wildunfällen). In den vergangenen 15 Jahren hat sich die Jagdstrecke damit um mehr als das 30-fache erhöht.

Die Zahlen sind laut Jagdverbands-Geschäftsführer Wilko Florstedt Beleg für eine massive Ausbreitung des Allesfressers. Laut Wildtier-Informationssystem der Länder haben sich die Bestände zwischen 2006 und 2015 bundesweit verdoppelt – auf geschätzt 1,3 Millionen Tiere. Den drittstärksten Zuwachs verzeichnete Sachsen-Anhalt (+117 Prozent). Ein zentrales Monitoring, wie beim Wolf, gibt es aber nicht. Der Waschbär ist in Nordamerika heimisch. 1934 wurde er mit Genehmigung des Preußischen Jagdamts erstmals in Hessen ausgewildert – „um die heimische Fauna zu bereichern.“ Laut Landes-Umweltministerium ist das Gegenteil der Fall: „Der Waschbär reduziert die Artenvielfalt“, sagt Sprecherin Jenny Schwarz. Er frisst Vogeleier, Frösche, kleine Reptilien und besetzt Nester. „Der Waschbär setzt vor allem heimische Vogelarten massiv unter Druck“, sagt auch Erik Arndt, Professor für Angewandte Ökologie, an der Hochschule Anhalt. Vor allem für den Fortbestand bedrohter Arten wie Rotmilan und Schwarzstorch stellt Arndt – auch wegen weiterer Stressoren wie Windräder und intensive Landwirtschaft – eine schlechte Prognose aus. Das Problem: Der Säuger hat in Europa kaum natürliche Feinde, und er pflanzt sich schnell fort.

Invasive Arten bekämpfen

Um heimische Arten vor Verdrängung zu schützen, hat die EU ihre Mitgliedsstaaten bereits 2015 verpflichtet, invasive Arten zu bekämpfen. Neben dem Waschbären gehören auch Mink oder Marderhund dazu. Laut Ministerium stellte das Land allein 2018 100.000 Euro unter anderem für den Kauf von Fallen bereit. Seit 15. November können Jäger zudem an landesweit 40 Sammelstellen erlegte Waschbären gegen Prämie abgeben. Eine eigens gegründete GmbH verwertet die Pelze.

Zu einer Bestandsabnahme führt das bisher nicht. Ein Grund: Die Anpassungsfähigkeit des Säugers. Auf Bejagung reagiert er mit mehr Nachkommen. Als Kulturfolger ist er zudem längst in Städten heimisch. Von dort kann er sich ungestört ausbreiten. „Wir müssen wohl mit dem Waschbären leben“, sagt Experte Arndt.