Magdeburg l Anderthalb Jahre ist die Grundschule Henningen im äußersten Nordwesten des Landes nun schon ohne echten Leiter. Seit dem Weggang des früheren Chefs erledigt Marita Petz, abgeordnete Kollegin aus dem Nachbarort Diesdorf, die Aufgabe mit. Drei Neu-Ausschreibungen blieben laut Schulamt bisher erfolglos. Petz selbst will sich nicht mehr bewerben. „Aus Altergründen“, wie die 59-Jährige sagt.

Die Dorfschule mit ihren 86 Schülern ist kein Einzelfall. Im Februar waren laut Bildungsministerium bei insgesamt 77 offenen Leiterstellen an Schulen 55 Grundschulleiter-Posten unbesetzt. Bei zuletzt 448 Grundschulen ist rechnerisch jede achte Einrichtung betroffen (12 Prozent). Zwar ist die Zahl im Vergleich zum August um 10 gesunken. Noch 2015 waren aber nur 29 Leiter-Stellen vakant.

Besser Bezahlung für Leiter

Einen Grund sieht die Lehrergewerkschaft GEW in der Mehrbelastung. Neben dem Unterricht müssen Leiter Anliegen von Lehrern und Eltern, Verwaltungsaufgaben oder den Kontakt zu Behörden bewältigen. An einer kleinen Grundschule mit vier Klassen dürfen sie dafür bei 27 Unterrichtsstunden wöchentlich acht Stunden weniger erteilen. „Das ist viel zu wenig Entlastung“, sagt GEW-Chefin Eva Gerth. „Wir wissen, dass die Mehrbelastung gerade an kleinen Grundschulen enorm ist“, erklärt Bildungsminister Marco Tullner (CDU). Seit 1. Januar gilt daher eine bessere Bezahlung:

Leiter kleiner Grundschulen (bis 180 Schüler) erhalten seither die Besoldungsstufe A 13. Das ist jene Stufe, die ganz normale Lehrer anderer Schulformen ohnehin bekommen. Das Grundgehalt liegt je nach Alter 3900 bis 4800 Euro. Bislang hatten Leiter kleinster Grundschulen (bis 80 Schüler) nur die A 12 plus Zulage von 162 Euro erhalten.

Bei langgedienten Kollegen kann das Plus gut 600 Euro brutto im Monat betragen. Wie groß die Effekte ausfallen werden, ist allerdings offen. „In der Altersgruppe um 45, die für Leitungsfunktionen infrage kommt, haben wir viel zu wenig Leute in den Schulen“, sagt Linke-Fraktionschef Thomas Lippmann.

Fast 10.000 Lehrer sind älter als 50

Um die Lücken zu füllen, müsse sich mancherorts fast jeder infrage kommende Kollege der Leiter-Aufgabe stellen. Eine Antwort des Ministeriums auf eine Anfrage der AfD bestätigt die ungünstige Altersverteilung: Fast 10.000 der 14.000 Kollegen in den Schulen müssen demnach aus Altersgründen in den nächsten 15 Jahren ersetzt werden. Ihnen stehen nur knapp 4000 30- bis 49-Jährige gegenüber.

Um Vakanzen zu vermeiden, schreibt das Land Leiter-Stellen daher schon jetzt mit langem Vorlauf aus. Der Zeitraum betrage „teils bis zu einem Jahr“, so Minister Tullner. Allein aktuell seien 27 Stellen ausgeschrieben. Die Gründe für offene Leiter-Posten sind laut Ministerium zudem verschieden. Sie reichen von fehlenden Bewerbern bis zu streitigen Verfahren. Für Henningen soll die vierte Ausschreibung jetzt endlich die Wende bringen.

Kommentar "Grundschulleiter spürbar entlasten" zum Thema.