Magdeburg l Die erst im Oktober gegründete Bauernbewegung „Land schafft Verbindung“ ruft für Freitag (17. Januar) erneut zu bundesweiten Demonstrationen auf. In Sachsen-Anhalt sind Sternfahrten nach Magdeburg, Halle und Dessau-Roßlau geplant. „Wir rechnen landesweit mit rund 500 Traktoren“, sagte Landwirt und Mitinitiator Martin Dippe.

Sprecher der Polizei in Magdeburg, Halle und Dessau kündigten an, Autofahrer müssten sich teils auf erhebliche Verkehrseinschränkungen einstellen. Die Sternfahrt startet von mehreren Sammelpunkten ausgehend um 9 Uhr. Gegen 14 Uhr sollen die Demos enden. Bei den Aktionen wollen die Bauern Vertretern des Agrarsministeriums, allen Parteibüros sowie dem Umweltbundesamt Dessau ein Zukunftspapier übergeben. Eine Kernforderung: Die Bundesregierung soll die geplante Reform einer neuen Düngeverordnung aufschieben, bis vorgesehene Verschärfungen auf Grundlage wissenschaftlicher Fakten überarbeitet worden sind, sagte Dippe.

Zudem fordern die Bauern „die Wahrung der Verhältnismäßigkeit zwischen gesellschaftlichen Forderungen und dem praktisch Machbaren“. Humusaufbau und eine ertragreiche Ernte etwa seien nur mit einem gewissen Maß an organischem Dünger realisierbar. Ihre Forderungen wollen die Bauern vor dem Start der Ernährungsmesse „Grüne Woche“ am Dienstag (14. Januar) offiziell in Berlin vorstellen. „Land schafft Verbindung“ hatte sich in sozialen Netzwerken gegründet. Zuletzt waren nach Angaben des Zusammenschlusses rund 100.000 Landwirte in Whatsapp-Gruppen aktiv, 1500 in Sachsen-Anhalt.

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Anlass für die Gründung waren Pläne der Bundesregierung zur Verschärfung landwirtschaftler Produktionsauflagen um das sogenannte Agrarpaket. Bei den Aktionen am Freitag wollen die Bauern auch mit Verbrauchern ins Gespräch kommen. Dazu haben sie Flyer vorbereitet: „Wir wissen, dass das Agrarpaket den negativen Strukturwandel weiter anheizen und die regionale Lebensmittelproduktion schwächen wird“, heißt es darauf. Dalbert will am Freitag in Rätzlingen mit Landwirten sprechen. Ab 9 Uhr begleitet sie einen Bio-Bauern – allerdings auf eine Sternfahrt Richtung Berlin.

Zum Auftakt der Grünen Woche wollen Organisationen und Verbände dort am Sonnabend unter dem Titel „Wir haben es satt“ für eine ökologischere Landwirtschaft und Klimaschutz demonstrieren. Zu den Protesten im Land sagte Dalbert: „Ich freue mich, dass die Bäuerinnen und Bauern auf die Menschen zugehen und ihre Forderungen zur Diskussion stellen.“ Gemeinsam müsse die Frage beantwortet werden, wie die Landwirtschaft in Zukunft aussehen soll und wie das Artensterben zu stoppen ist.