Magdeburg (dpa/bo) l Sachsen-Anhalts Sozialministerium hält an seinen Plänen fest, keines der aktuell fast 50 Krankenhäuser im Land zu schließen. Wie geplant sollten stattdessen kleine Standorte perspektivisch zu regionalen Gesundheitszentren ausgebaut werden, um die Versorgung zu sichern, sagte Ministeriumssprecherin Ute Albersmann am Montag in Magdeburg. Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD): „Nicht jedes Krankenhaus muss alles können. Mehrfachstrukturen sind oft nicht effizient – auch aus qualitativen Gesichtspunkten. Kooperationen sollen gefördert werden.“

Sie reagierte damit auf eine bundesweit diskutierte Studie, die am gleichen Tag von der Bertelsmann-Stiftung in Gütersloh veröffentlicht wurde. Demnach könnte die Qualität der Patientenversorgung steigen, wenn die Zahl der Krankenhäuser radikal sinkt.

Die Studie geht davon aus, dass kurze Wege zu kleinen Klinken nur scheinbar ein Vorteil seien, weil dann vor Ort oft gut ausgestattete und erfahrene Fachabteilungen fehlten. Zudem würden zahlreiche Patienten stationär in Krankenhäusern behandelt, denen genauso gut ambulant geholfen werden könne.

Die Krankenkasse Barmer hatte bereits im Frühjahr 2019 dafür plädiert, die Zahl der Krankenhäuser in Sachsen-Anhalt von 48 auf 42 zu reduzieren. Sie rechnet so: Im Land würden derzeit 15.700 Krankenhausbetten für die stationäre Versorgung vorgehalten. Das entspreche 707 Betten je 100.000 Einwohner. Im bundesdeutschen Vergleich seien es nur in Bremen (738) und Thüringen (732) noch mehr. Würde man hierzulande den Bundesdurchschnitt ansetzen, bedeutete dies eine Reduzierung von mehr als 2000 Betten. Axel Wiedemann, Barmer-Landesgeschäftsführer, sagte: „Überflüssige Strukturen sind teuer und unwirtschaftlich. Je länger man sich vor einer maßvollen Strukturanpassung drückt, desto teurer wird dies für das System und schlussendlich für die Versicherten als Beitragszahler.“ Die Krankenhäuser müssten sich stärker spezialisieren und mehr kooperieren.

Ein Sprecher der AOK Sachsen-Anhalt sagte: „Krankenhäuser zu schließen, ist kein Selbstzweck. Entscheidender für eine gute Versorgung ist, dass Krankenhäuser nur das machen, was sie am besten können. Für eine richtige Planung brauchen wir deshalb verbindliche Qualitätskriterien.“

Patientenschützer und Ärztevertreter warnten davor, Krankenhäuser flächendeckend dicht zu machen. Das wäre ein „Kahlschlag“, sagte der Vorstand der Deutsche Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. Die Bundesärztekammer betonte, die von der Regierung eingesetzte „Kommission gleichwertige Lebensverhältnisse“ habe die Bedeutung einer wohnortnahen Gesundheitsinfrastruktur herausgestellt. „Da ist es schon mehr als befremdlich, wenn die Stiftung pauschal die Schließung von 800 Krankenhäusern fordert“, sagte Ärztekammerpräsident Klaus Reinhardt.

Der Kommentar zum Thema: "Debatte offen führen"